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Gedichte von Mahmud Darwisch
Er wurde berühmt als Dichter des palästinensischen Widerstands; und so versteht man ihn bis heute am liebsten als politischen Sprecher seines Volkes. Dabei hat Mahmud Darwisch längst aufgehört, das Zeitgeschehen mit heroischen Reden zu begleiten. Das Schicksal der Palästinenser erscheint nun ins beinahe Mythische übersetzt als menschliche Grunderfahrung.
Die zweisprachige Ausgabe von «Weniger Rosen» macht offenkundig, dass hier ein grosser elegischer Dichter herangereift ist. 1970 ging er ins Exil. Mit der Hoffnung auf Heimkehr schwanden die Rosenträume. Reisen wird zum beherrschenden Bild. «Wir reisen wie alle Menschen, doch wir kehren zu nichts zurück.» Manchmal scheint alles verloren: «Der letzte Zug hat auf dem letzten Bahnsteig angehalten, und niemand, um die Rosen zu retten.» Dann geht der Blick über die eigene Generation hinaus in die Zukunft: «Hier geht die Wanderung der Vögel zu Ende, unsere Wanderung, die Wanderung der Worte. Und nach uns ein Horizont für die neuen Vögel.» Die stille Opferbereitschaft, ein revolutionärer Ton im arabischen Heldenchor, schliesst auch Lebenslust am Rande des Todes ein den Tag, an dem «die Vögel silbern sterben».
Darwischs Worte geben sich volkstümlich schlicht. Himmel, Meer und Erde, Ähren und Tauben beschwören die Heimat, die nie beim Namen genannt wird. Dabei verschränken sich die einfachen Dinge zu vielschichtigen Bildern und widersprüchlichen Visionen von suggestiver Dunkelheit. Metrum und Reim entfalten, frei gehandhabt, eine Melodie der schwermütigen Nachklänge. Der gedämpfte Klagegesang erinnert an García Lorca, den Darwisch ein typisch palästinensisches Paradox auf hebräisch liebenlernte. Statt der Gitarre weint die Flöte, doch führt auch hier kein Weg nach Córdoba zurück, ins erinnerte Paradies, al-Andalus. Die reimlose Übersetzung ist passabel. Nur die Wortstellung gibt, wo sie dem Arabischen folgt, ein falsches Bild: Gewöhnliche Sätze zieren sich dann poetisch. Den wahren, dem Dichter bisweilen sogar verdächtigen Zauberklang der Verse enthüllt allein das glücklicherweise mit abgedruckte Original.
Ludwig Ammann -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
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