Kaum zu glauben, dass dieses Buch bereits Anfang der achtziger Jahre geschrieben wurde. Anbetrachts der jüngsten Ereignisse, Atomkatastrophe in Japan, Krieg in Libyen, wirkt es hochaktuell. Weniger aufgrund der beschriebenen Probleme, sondern vor allem wegen der Lösungen.
Noch vor Tschernobyl empfiehlt Capra, die erneuerbaren Energien auszubauen, er prophezeit den Beginn eines Solarzeitalters. So ist es dann ja auch gekommen - jedenfalls in einem Teil der Welt. Hätten wir mehr auf Leute wie Capra oder Franz Alt gehört, wäre die gesellschaftliche und technische Entwicklung viel weiter, wir hätten wahrscheinlich effiziente Solarkraftwerke, die einen großen Teil des Weltenergiebedarfs decken könnten.
Hauptthema des Buches ist das ganzheitliche Denken. Capra beschreibt die Krise, in der sich die Menschheit befindet, sichtbar in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Ökologie und Gesundheit. Ursache ist das mechanistische Weltbild, das auf den Ideen von Descartes und Newton fußt. Die Vorstellungen dieser beiden Herren bestimmen noch immer unser Denken: Kosmos und Körper sind Maschinen, die nach eigenen Gesetzen funktionieren. Geist und Körper sind voneinander getrennt. Nur was sich nachrechnen und in Experimenten beweisen lässt, ist exakte Wissenschaft.
Dieser "Glaube" an die Wissenschaft hat u. a. zu Tschernobyl und Fukushima geführt.
Die menschliche Gesellschaft definieren wir als Kampfzone, in der nur die Stärksten überleben. Das beste Mittel zum Überleben ist technisches und wirtschaftliches Wachstum. Dieses Denken hat u.a. zu den Kriegen im Irak und in Libyen geführt. Alles ist erlaubt, Geschäfte mit Diktatoren ebenso wie Kriege gegen Diktatoren - Hauptsache wir halten uns an die mechanistischen Gesetze.
Capra ist gelernter Physiker, studiert hat er u.a. bei Werner Heisenberg. In der Physik hat sich im 20. Jahrhundert ein Paradigmenwechsel vollzogen. Die Trennung von Subjekt und Objekt wurde im Mikrokosmos aufgehoben. Zitat: "Subatomare Teilchen können nicht als isolierte Einheiten verstanden werden, sondern lassen sich nur durch ihre Wechselbeziehungen definieren." D.h. wir sind nicht von unserer Umwelt getrennt, sondern wir sind ein Teil von ihr. Deshalb kommt alles was wir in die Welt setzen zu uns zurück - entweder sofort oder später. Der Bau von Kriegswaffen verursacht eines Tages Krieg, jedes Restrisiko wird eines Tages Realität. Eigentlich eine klare Sache. Nur in Wirtschaft und Politik hat man vom Paradigmenwechsel noch nichts mitbekommen - siehe Japan und Libyen.
Mich wundert, dass Capra immer wieder mit Esoterik und New Age in Verbindung gebracht wird, meistens um seine Werke ins Lächerliche zu ziehen. Was ist daran lächerlich, wenn man sich um seine Umwelt und seine Mitmenschen kümmert? Wie viele Kriege und Katastrophen brauchen wir noch, bis es zu einem Umdenken kommt?