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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannender als ein Kriminalroman,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wendepunkte: Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Nach Kershaws Analyse sind die Kriegsjahre 1939 bis 1941 durch zehn Entscheidungen der führenden Politiker geprägt worden, die in jedem Falle auch anders hätten getroffen werden können. Kershaw gelingt es jedoch deutlich zu machen, daß in allen zehn Fällen die Politiker zu der Überzeugung gelangten, daß ihre Entscheidung nur so richtig seien und nicht anders. In allen zehn Fällen wird ausführlich der Hintergrund dargestellt, auf denen diese Entscheidungsfindung stattgefunden hat und das jeweilige Wissen der Akteure über die Gegenseite. Man kann die zehn Abschnitte auch einzeln lesen.Im Nachhinein ist man stets klüger. Deutlich wird aber, daß 1940 auf Seiten der Achsenmächte der Angriff Italiens auf Griechenland, anstatt von Libyen aus auf den Suez-Kanal vorzugehen, und im Dezember 1941 die Kriegserklärung Hitlers an die USA - nach Kershaw zu diesem Zeitpunkt "die rätselhafteste Entscheidung des Zweiten Weltkriegs" - für den Kriegsverlauf und -ausgang von großer Bedeutung waren. Rätselhaft vor allem deswegen, da Japan seit Sommer 1941 keinerlei Anstalten gemacht hatte und machte, die sowjetischen Streitkräfte im Osten durch einen Angriff oder wenigstens einen Scheinaufmarsch zu binden, obwohl es auch in Japan durchaus derartige Überlegungen gegeben hatte. Hitler, Mussolini und Japan verfolgten jedoch eigene Ziele, und die Abstimmung unter ihnen war gering oder fehlte völlig. In diesem Zusammenhang sind möglich gewesene alternative Entscheidungen ein beliebter Ausgangspunkt für kontrafaktische Geschichte, vergleiche The World Hitler Never Made: Alternate History and the Memory of Nazism (New Studies in European History). Kershaw schreibt zwar viel fesselnder als Heinz Magenheimer, jedoch ist es sehr zu empfehlen, als Bildungshintergrund Kriegsziele und Strategien der großen Mächte 1939-45 gelesen zu haben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Entscheidungen weniger, Schicksal vieler,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wendepunkte: Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
Ian Kershaw stellt in diesem Buch die seiner Ansicht nach entscheidenden Wendepunkte nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zur Diskussion. Diese Entscheidungen fielen alle in der Periode zwischen dem Frühjahr 1940, als sich für Frankreich (und England) ein Desaster abzeichnete und dem Herbst 1941, als Hitlers Wehrmacht im Schlamm vor Moskau zum Stehen kam. Die Brennpunkte sind Berlin, Rom und Tokio auf der Seite der agressiven Achsenmächte, sowie London, Washington und Moskau auf jener der defensiven Alliierten.England beschliesst unter der Führung Churchills im Juni 1940, sich keinem Friedensdiktat Hitlers zu unterwerfen und den Krieg fortzusetzen, in der Hoffnung, im Laufe der Zeit von den USA unterstützt zu werden. Hitler entscheidet sich, die Invasion Englands auf unbestimmte Zeit zu verschieben, um zuerst die Sowjetunion in einem Blitzkrieg nieder zu werfen. Mussolini will, in völliger Verkennung seiner militärischen Möglichkeiten, im Windschatten Hitlers sich seinen Anteil an der Beute heraus schneiden und Herr übers Mittelmeer werden. Tokio entschliesst sich, sein Imperium über China hinaus nach Südostasien auszudehnen, unter Inkaufnahme des Widerstandes der USA. Roosevelt sieht sich genötigt, sein kriegsunlustiges Volk und den Kongress davon zu überzeugen, dass England unter allen Umständen mit Kriegsgütern zu versorgen ist, was später faktisch zum Kriegseintritt der USA führen muss. Stalin seinerseits glaubt, alles besser zu wissen und entscheidet sich dafür, alle Warnungen hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Angriffes der Wehrmacht in den Wind zu schlagen, nachdem er die Rote Armee ihrer fähigsten Führer beraubt hat. Die Entscheidungen des Jahres 1941 fallen in der Folge der vorangegangenen Ereignisse in Tokio (Pearl Harbour) Washington (schleichender Kriegseintritt ohne Kriegserklärung) und Berlin (Krieg gegen die USA und "totaler Krieg" mit der Ermordung der Juden). Naturgemäss konzentriert sich die Entscheidungsgewalt in Diktaturen auf Einzelfiguren (Hitler, Mussolini, Stalin), während im Falle von England, den USA und, beschränkt Japan, Entscheidungsprozesse auch unter Berücksichtigung zunächst widerstrebender Meinungen in Gang kamen. Kershaw gelingt es brillant, anhand dieser Weichenstellungen die politischen Verhältnisse jener Zeit in den betroffenen Ländern anschaulich zu schildern und die Entwicklungslinien, die zu diesen, für die ganze Welt schicksalhaften Entscheidungen führten, zu skizzieren. Gewiss, Entscheidungen hätten auch anders ausfallen können und wären dann Gegenstand kontrafaktischer Geschichtsschreibung. Kershaw ist sich dessen bewusst, erliegt aber der drohenden Gefahr nicht. Dennoch meint er im Vorwort, man könne sich kontrafaktischen Überlegungen nicht ganz verweigern, denn nur so erschlössen sich die historischen Ereignisse in ihrer wahren Dimension. Dem kann man sehr wohl zustimmen. Kershaw ist ein grosses Werk gelungen und sei allen zeitgeschichtlich Interessierten, und vor allem jenen, die es werden wollen, ans Herz gelegt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
36 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
So verstehen auch Laien den 2. Weltkrieg!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wendepunkte: Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg (Gebundene Ausgabe)
In den ersten beiden Jahren des Zweiten Weltkriegs überschlugen sich häufig die Ereignisse, und die gesamte Lage ließ sich auch für gut informierte Spitzenpolitiker nur schwer überschauen. Umso schwieriger war es, Entscheidungen zu treffen. Und wenn sie getroffen wurden, hatten sie häufig enorme Auswirkungen.Der Historiker Ian Kershaw stellt in seinem Buch zehn solche Entscheidungen aus den Jahren 1940 und 1941 vor, beginnend mit dem Beschluss der Briten, den Krieg trotz Frankreichs Niederlage fortzusetzen, und endend mit Hitlers Entscheidung, möglichst alle europäischen Juden ermorden zu lassen. Die Vorgeschichte, der unmittelbare Prozess der Entscheidungsfindung und die Konsequenzen werden detailliert vorgestellt. Etliche dieser Beschlüsse bleiben in den meisten Geschichtsbüchern rätselhaft, etwa Hitlers Kriegserklärung an die USA und, zumindest für Europäer, die japanische Position. Indem Ian Kershaw sorgfältig aus der Sicht der Agierenden aufzeigt, welche Verkettung von Vorfällen und welche vorhergegangenen Ereignisse zu der dramatischen Weichenstellung führten, macht er die Entschlüsse verständlich. Dies auch, weil er auf kulturelle Einflüsse Rücksicht nimmt und zudem auslotet, welche Alternativen es eventuell gab. Die Verfasserin dieser Rezensension ist keine Historikerin, interessiert sich aber schon seit längerer Zeit für die neuere Geschichte und ist von "Wendepunkte" begeistert. Das Buch liest sich gerade wegen der vielen Perspektivwechsel sehr spannend, es enthält eine Fülle an sinnvollen und nachvollziehbar vermittelten Informationen, es wirkt bemerkenswert objektiv und lässt den Leser die politischen Zusammenhänge begreifen, die zu den genannten und sicher zu Recht ausgewählten Entscheidungen führten. Absolut lesenswert für alle, die sich für die jüngere Geschichte interessieren! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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