Es ist wichtig, den Titel des Buches - Wendepunkt Burnout- in allen Aspekten aufzunehmen: Hier handelt es sich nicht um einen weiteren Ratgeber, wie man mit einem Burnout (was auch immer das sein mag - es wurde schon viel darüber geschrieben) umgehen kann. Bedeutsam ist das Wort "Wendepunkt": Den (drohenden) Burnout als einen WENDEPUNKT im Leben zu erfassen, als Zeichen und Möglichkeit, sein Leben nicht gestalten zu lassen, sondern selbst zu gestalten. Nicht Opfer zu sein, sondern Handelnder. Sich nicht "ausbrennen" zu lassen, sondern Anzeichen richtig zu deuten und zu bemerken, dass man die Freiheit hat, sich Spielräume zu geben, die wiederum viele weitere Möglichkeiten eröffnen.
Wer ein grundlegendes Verständnis über das, was als Burnout bezeichnet wird, bekommen will, für den ist dieses Buch genau richtig. Detailreich geht Fritz Helmut Hemmerich in seiner Einleitung und im Grundlagenkapitel auf die Burnout-Symptomatik sowie auf Missverständnisse ein, die über das Thema kursieren. Bereits hier wird deutlich, dass Burnout viel mehr ist als eine "Stresskrankheit" ("Ach, Du hast Burnout? Klar, bei Firma XYZ ist ja immer soviel Stress, das hört man immer wieder. Kein Wunder.") Und dem aufmerksamen Leser wird bei der Beschreibung der 12 Burnout-Stadien nicht entgehen, dass unglaublich viele Mitmenschen in den ersten Stadien stecken bzw. dass es bereits als "Normalzustand" akzeptiert ist, die Arbeit als schwer erträgliche Strapaze zu sehen, die man tagsüber nur mit Koffein und abends mit Alkohol überstehen kann.
Hemmerich geht auf die verschiedenen Aspekte des Burnout-Themas ein - auf der physischen und psychischen wie auch auf der spirituellen Ebene, und stellt Zusammenhänge her. Auf diese geht er im umfangreichen Praxisteil mit den verschiedenen Behandlungsmethoden ein. Bei diesen handelt es sich teils um bekannte, teils um neue Ansätze zum Umgang mit der Burnout-Symptomatik. Einige kann man einfach für sich selbst umsetzen kann (z.B. Soliton-Training, Unterteilung des Tages und regelmäßige Pausen, Ernährungsumstellung). Bei anderen ist fachmännische Unterstützung bzw. weitere Anleitung erforderlich (z.B. Körperstrukturarbeit, Arbeit an der eigenen Biografie, Anafonesis). Aber all die beschriebenen Möglichkeiten greifen schlüssig ineinander und bieten ein Konzept, mit dem zunächst ausweglos erscheinenden umzugehen.
Fazit: Ein wunderbares Buch mit vielen neuen Erklärungen und Ideen. Und das nicht nur zum Thema Burnout, sondern viel weiter gehend: Kann ich ein freies, selbstbestimmtes Leben führen? Leben - nicht überleben? Ja, es ist möglich.