Der Amerikaner Henry Miller tummelt sich als Bohemien in Paris und sammelt alltägliche Erfahrungen, die er in Form undatierter Tagebucheinträge wiedergibt. Er versucht mit anderen Künstlernaturen aus der materialistischen Welt auszubrechen und philosophische Gedankengänge in die macht- und geldgierige französische Stadt einzuspinnen, um den vorhandenen Horizont der Menschen zu erweitern und durch phantastische Ideen zu bereichern...
"Wendekreis des Krebses" kommt stilistisch gesehen sehr nahe an Célines Werke, wie z.B. "Reise ans Ende der Nacht" heran, jedoch versucht sich Miller hier schon im Vorwort von seinem Kollegen bis zu einem gewissen Grad zu distanzieren, indem er sagt: "Ein nacktes Buch wie dieses mit demselben kritischen Blick zu betrachten, den man sogar auf so verschiedene Erscheinungen wie Lawrence, Breton, Joyce und Céline wirft, ist ein Missverständnis. Wir wollen lieber versuchen, es mit den Augen eines Patagoniers zu betrachten, für den alles in unserer Welt Geheiligte und Tabuierte bedeutungslos ist." Man kann hier also schon vernehmen, dass Miller beabsichtigt einen Schreibstil zu vertreten, der über Konventionen und Tabus innerhalb einer Gesellschaft hinausgeht. Dieses Buch kommt tausenden Fetzen gleich, denn die Sätze sind kurz und schneidend, somit genau den auf den Punkt gebracht in dem, was sie ausdrücken wollen. Egal ob es pornografische Äußerungen oder Beschreibungen der letzten schmutzigen Ecke in einem billigen Pariser Hotelzimmer sind, die Wirkung wird hier jedenfalls auf den Leser nicht verfehlt.
Man kann sich denken weswegen dieses Buch eine Weile in Deutschland und anderen Ländern indiziert war, denn Miller setzt eine solche Sprachgewalt an den Tag, die man sonst nur von Céline kennen mag und nur dem Surrealismus zuordnen kann, der versucht, das logische Denken der Menschen durch absurde Überlegungen zu erweitern. Das Buch und der Stil sind, wenn man zum ersten Mal so etwas in der Art liest, ein wahrer Schock, den man nur verarbeiten kann, wenn man sich auch tatsächlich auf das Werk einlässt und es nicht nur grob betrachtet, denn nur dann wird einem die ganze Enge in den Körpern der Figuren bewusst, die versuchen aus dem Kreis der Oberflächlichkeit innerhalb der Gesellschaft auszubrechen, ein künstlerisches Dasein zu entwickeln und damit auch verstanden zu werden.
Dieser Text wurde von einer 18-jährigen verfasst.