Kurzbeschreibung
Ein kritischer und ebenso ironischer Blick auf anderthalb Jahre schwarz-blaue Wenderegierung. Dieses überaus schmissige, dem Zeitgeist verpflichtete Buch, beinhaltet ein wahres Feuerwerk origineller Vergleiche, ätzender Andeutungen und Wortspiele. Ein Quell der Lesefreude für rot-grüne Demokratiefeinde, grün-rote Vernaderer, linkslinke Alt-68er, postkommunistische Pseudo-Revoluzzer ebenso wie für die Kulturschickeria der Toskana-Fraktion, den gewaltbereiten Mob der Straße und studierfaule Donnerstag-Anarchos. Ein treffendes und treffsicheres Bändchen Staatsbürgerkunde der ironischen Art.
Über den Autor
Alfred Aigelsreiter, geboren 1954, aufgewachsen und wohnhaft in Mödling, ist gelernter Schriftsetzer, war Korrektor und Werbegraphiker. Er gründete 1981 die Kabarettgruppe "Brennesseln". In den bald 21 Jahren des Bestehens dieser Formation schrieb er nahezu alle Texte, Lieder, Sketches und Conférencen der insgesamt 21 Programme der "Brennesseln". In der Edition va bene erschien vor Jahren sein Buch "Verhiast und zugemoikt".
Auszug aus Wende-Wolfis geheimes Tagebuch von Alfred Aigelsreiter. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Anfang Februar 2000
Die Blauen haben ein Panikorchester zusammengestellt. Da lernst du das Beten. Ich darf so was schreiben, denn ich hatte schon eine sehr katholische Jugend. Bei uns zu Hause stand sogar auf der Nähmaschine "Pfaff".
Okay, der Königskobra ziehe ich schon den Giftzahn, die ist sicher heilfroh, wenn ich sie zu Beginn nicht in jedes Fettnäpfchen tapsen lasse. Aber die Gehaltsverhandlungen mit den Beamten schanze ich ihr auf alle Fälle zu. Da hat sie eine Spielwiese, kann geifern wie sie will, und mir ist es Wurscht. Ich werde überhaupt viel delegieren in dieser Legislaturperiode. Schließlich war ich für meine Arbeitswut noch nie verschrien.
Manche der neuen Minister kenn' ich nur vom Wegschauen, zum Beispiel diesen Kultursprecher als Justizminister, da habe ich schon gehört, daß der lieber seinen Jaguar als Dienstauto benutzen würde.
Sollen sich die Zeitungen das Maul über den Paragraphen-Dompteur zerreißen, was geht es mich an? Ich bleibe gelassen. Lang ist der sowieso nicht da, wie ich ihn einschätze. Eigentlich ist es müßig, daß ich mir seinen Namen überhaupt merke.
Dieser Scheibner kommt mir vor, als hätte er in seiner Kindheit vier Zahnspangen gehabt. Eine gute Formulierung, der Andi Khol wird sich bestimmt amüsieren, wenn ich sie im Klub erzähle.
Ich verstehe ja nur zu gut, daß der Hofburg-Thomy den Kabas abgelehnt hat. Aber so wie ich den freiheitlichen Wahlkampf-Recken kenne, sind wahrscheinlich die Pariser die einzigen Ausländer, die er mag. Aber vielleicht wird mich die Geschichte eines noch Schlechteren belehren.
Einen merkwürdigen Vornamen hat er übrigens auch, Hilmar. Gigi hat gesagt, Hilmar ist ein alter deutscher Name und bedeutet "Kampf". Ich stelle mir lebhaft vor, wenn der Schickelgruber sein unseliges Machwerk "Mein Hilmar" benannt hätte. Vielleicht wäre die Weltgeschichte anders verlaufen.
Manches Mal denk ich mir, wenn der Hilmar seine ausländerfeindlichen Parolen rülpst, man sollte ihm das Maul stopfen. Es muß ja kein Knebel sein, vielleicht würde eine Torte bereits Wunder wirken. Halte mit dieser Meinung aber hinter dem Berg. Ich möchte schließlich niemanden zum Tugendterror anstiften.
Abgelehnt vom HBP wurde auch der Prinz Horn, der "Horminator". Da hat der scheinheilige Thomas dem unheiligen Thomas ein Kräutl dreing'haut, das ihm dieser nie und nimmer vergessen wird. Das Hormon-Statement dieses selbstherrlichen Egomanen war wirklich deplaciert, ich kann mich noch gut daran erinnern, als er folgendes von sich gab: "Wenn ein Asylant nach Österreich kommt, kriegt er vom Sozialamt Medikation, die der Inländer nicht bekommt, und zwar alles gratis. Er bekommt zum Beispiel Medikamente zur Hormonbehandlung, um die Fruchtbarkeit zu steigern, vom Sozialamt gratis. Das ist in Österreich chefarztpflichtig und wird ganz selten Inländern gewährt. Oder er kriegt zum Beispiel die Pille gratis."*
Dafür will der Vielfachvater "mehr privat und weniger Staat". Allerdings erst nachdem er die Millionenförderungen für sein Firmenimperium von dem von ihm so ungeliebten Staat abgecasht hat. Der glaubt, ich vergesse so was.
Oder diese Sickl? Im Theater würde die als glatte Fehlbesetzung durchgehen. Bei der werde ich den Eindruck nicht los, daß sie immer auf dem falschen Fuß steht. Das wird ein Drama werden, wenn sie die ersten Fragen der Opposition beantworten soll. Wenn die Rede und Antwort stehen muß, bin ich mir sicher, daß weder das eine noch das andere zufriedenstellend ausfallen wird.
Da fällt mir der Begriff ein: "In Amt und Würden" - dieser Ausdruck trifft auf sie nicht gerade zu. Im Amt und würde gerne regieren - das stimmt schon eher.
Vielleicht sollte ich ihr den Bartenstein als Souffleur unterjubeln, der könnte ihr dann bei Gelegenheit gleich ins Ruder greifen und so ganz nebenbei das Sozialministerium mitregieren.
In Kärnten besitzt die Frau Sickl übrigens ein Schloß. Den Hinweis aufs dazugehörige Gespenst verkneife ich mir jetzt, das ist nicht mein Niveau.
Die Blauen haben ein Panikorchester zusammengestellt. Da lernst du das Beten. Ich darf so was schreiben, denn ich hatte schon eine sehr katholische Jugend. Bei uns zu Hause stand sogar auf der Nähmaschine "Pfaff".
Okay, der Königskobra ziehe ich schon den Giftzahn, die ist sicher heilfroh, wenn ich sie zu Beginn nicht in jedes Fettnäpfchen tapsen lasse. Aber die Gehaltsverhandlungen mit den Beamten schanze ich ihr auf alle Fälle zu. Da hat sie eine Spielwiese, kann geifern wie sie will, und mir ist es Wurscht. Ich werde überhaupt viel delegieren in dieser Legislaturperiode. Schließlich war ich für meine Arbeitswut noch nie verschrien.
Manche der neuen Minister kenn' ich nur vom Wegschauen, zum Beispiel diesen Kultursprecher als Justizminister, da habe ich schon gehört, daß der lieber seinen Jaguar als Dienstauto benutzen würde.
Sollen sich die Zeitungen das Maul über den Paragraphen-Dompteur zerreißen, was geht es mich an? Ich bleibe gelassen. Lang ist der sowieso nicht da, wie ich ihn einschätze. Eigentlich ist es müßig, daß ich mir seinen Namen überhaupt merke.
Dieser Scheibner kommt mir vor, als hätte er in seiner Kindheit vier Zahnspangen gehabt. Eine gute Formulierung, der Andi Khol wird sich bestimmt amüsieren, wenn ich sie im Klub erzähle.
Ich verstehe ja nur zu gut, daß der Hofburg-Thomy den Kabas abgelehnt hat. Aber so wie ich den freiheitlichen Wahlkampf-Recken kenne, sind wahrscheinlich die Pariser die einzigen Ausländer, die er mag. Aber vielleicht wird mich die Geschichte eines noch Schlechteren belehren.
Einen merkwürdigen Vornamen hat er übrigens auch, Hilmar. Gigi hat gesagt, Hilmar ist ein alter deutscher Name und bedeutet "Kampf". Ich stelle mir lebhaft vor, wenn der Schickelgruber sein unseliges Machwerk "Mein Hilmar" benannt hätte. Vielleicht wäre die Weltgeschichte anders verlaufen.
Manches Mal denk ich mir, wenn der Hilmar seine ausländerfeindlichen Parolen rülpst, man sollte ihm das Maul stopfen. Es muß ja kein Knebel sein, vielleicht würde eine Torte bereits Wunder wirken. Halte mit dieser Meinung aber hinter dem Berg. Ich möchte schließlich niemanden zum Tugendterror anstiften.
Abgelehnt vom HBP wurde auch der Prinz Horn, der "Horminator". Da hat der scheinheilige Thomas dem unheiligen Thomas ein Kräutl dreing'haut, das ihm dieser nie und nimmer vergessen wird. Das Hormon-Statement dieses selbstherrlichen Egomanen war wirklich deplaciert, ich kann mich noch gut daran erinnern, als er folgendes von sich gab: "Wenn ein Asylant nach Österreich kommt, kriegt er vom Sozialamt Medikation, die der Inländer nicht bekommt, und zwar alles gratis. Er bekommt zum Beispiel Medikamente zur Hormonbehandlung, um die Fruchtbarkeit zu steigern, vom Sozialamt gratis. Das ist in Österreich chefarztpflichtig und wird ganz selten Inländern gewährt. Oder er kriegt zum Beispiel die Pille gratis."*
Dafür will der Vielfachvater "mehr privat und weniger Staat". Allerdings erst nachdem er die Millionenförderungen für sein Firmenimperium von dem von ihm so ungeliebten Staat abgecasht hat. Der glaubt, ich vergesse so was.
Oder diese Sickl? Im Theater würde die als glatte Fehlbesetzung durchgehen. Bei der werde ich den Eindruck nicht los, daß sie immer auf dem falschen Fuß steht. Das wird ein Drama werden, wenn sie die ersten Fragen der Opposition beantworten soll. Wenn die Rede und Antwort stehen muß, bin ich mir sicher, daß weder das eine noch das andere zufriedenstellend ausfallen wird.
Da fällt mir der Begriff ein: "In Amt und Würden" - dieser Ausdruck trifft auf sie nicht gerade zu. Im Amt und würde gerne regieren - das stimmt schon eher.
Vielleicht sollte ich ihr den Bartenstein als Souffleur unterjubeln, der könnte ihr dann bei Gelegenheit gleich ins Ruder greifen und so ganz nebenbei das Sozialministerium mitregieren.
In Kärnten besitzt die Frau Sickl übrigens ein Schloß. Den Hinweis aufs dazugehörige Gespenst verkneife ich mir jetzt, das ist nicht mein Niveau.