Obgleich gewollt karg ist Hemingway in fast all seinen späteren Werken ein epischer Erzähler (mit spät meine ich alles ab
In einem andern Land. Es wird oft gesagt, seine Short-Storys seien besser als seine Romane. Ich habe in meiner Rezension zu
Der alte Mann und das Meer bereits versucht das Phänomen Hemingway, wie ich es begreife und erlebt habe, zu schildern.
Wem die Stunde schlägt ist ein dickes Buch, ein tiefes Buch und gleichzeitig ein schweres und unglaublich leicht, wenn man es zu Ende gelesen hat. Gut, damit kann jetzt keiner etwas anfangen - vielleicht so: Wem die Stunde schlägt ist ein Buch wie ein ganz bestimmter Sommertag in Ihrem eigenen Leben: vielleicht haben sie keine großen Erwartungen gehabt, weil er auch eher mäßig anging, auch waren sie etwas müde, die ganze Zeit und irgendwie war alles auch sehr melancholisch gefärbt an diesem Tag und besonders dann am Abend. Aber im Nachhinein können sie diesen Tag nicht vergessen; vieles steigt wieder daraus hervor, viele undefinierbare Gefühle, Ideen und Gesichter; er ist auf seine eigene Art magisch geworden.
Manchmal verblasst diese Magie, wenn man genauer hinsieht und ihn in einen Kontext setzt. Aber er bleibt eine Art ideelle Freude. So ist "Wem die Stunde schlägt" - ein Epos mit Ecken und Kanten, Kargheit und tiefer Triste, großen Gesten und voller unnützem Pathos. Aber eben auch voller nachträglicher Kraft.