Dieses Buch ist in 3 Teile gegliedert:
In Teil 1 geben die Autoren eine Bestandsaufnahme von ihrer Meinung nach kritischen Entwicklungen: Bevölkerungswachstum, Angebot und Nachfrage nach Energie, Klimaveränderungen, Produktivität und Profit, Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Globalisierung, Inflation, Bedürfnisse der Massen, Korpulenz, Scheidungs- und Selbstmordraten, Wahlbeteiligung, geopolitische Mächte. Schon diese Aufzählung zeigt, das es sich um ein sehr breitbandiges Werk handelt (ohne dass die Tiefe der Behandlung dabei störend leiden würde).
In Teil 2 werden historische Entwicklungen zum Vergleich hergenommen: Aufstieg und Fall von Zivilisationen und Hochkulturen, die Rolle von Gold und Silber, die Aktienmärkte. Dazu werden bedeutende Wellen- und Zyklentheorien eingeführt. Viel Raum wird den Theorien von Marx und Engels gegeben (nicht aus politischen Motiven, sondern um die überraschend aktuellen und treffenden Voraussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung herauszustreichen).
Dieses durchaus interessante, ja oft faszinierende, Sammelsurium an beeindruckendem Hintergrundwissen wollen die Autoren schliesslich verflechten, um in Teil 3 Szenarien für die mögliche Weiterentwicklung im 21. Jahrhundert anzubieten (z.B. abzuschätzen, wann, wodurch und wie der nächste Kondratieff-Zyklus entstehen wird).
Dieser so schwierigen Aufgabe stellen sie sich tapfer, gestehen aber ein, das sich die beiden nicht einmal selbst auf eine gemeinsame Projektion einigen konnten. Das ist eine erfrischend ehrliche Aussage, die dieses Buch sehr positiv von der Kategorie der spekulativ / reisserischen Zukunftsbücher abhebt.
Allerdings sind die dargestellten Szenarien dann auch wenig überraschend. Ich würde an ihnen kritisieren, was eine Schwäche aller Prognosen ist: bisherige Trends werden vielleicht zu kontinuierlich fortgeschrieben, der Effekt der vielen komplexen Rückkopplungen kann kaum vorausgesagt werden. Zum Beispiel: wie wird sich die prognostizierte massive Arbeitslosigkeit oder die Klimaveränderung konkret auswirken, wie werden die Gesellschaften darauf reagieren ? Und: wird nicht auch hier die kurzfristige Entwicklung deutlich über-, die langfristige aber deutlich unterschätzt ?
Alles in allem: ein sehr gut formuliertes Buch mit einer Fülle von Informationen (streckenweise doch erschöpfend und langatmig), das viele Denkanstösse, aber natürlich auch nicht der Weisheit letzten Schluss liefern kann. Ein Bravo an die Autoren wegen ihres bewundernswert breiten Wissens und der couragierten Annäherung an dieses Thema !