Auf dieses Buch bin ich durch ein einschlägiges Science Fiction Forum aufmerksam geworden und habe es mir gleichfalls (mit Verspätung) geholt. Es war mein erster Kauf eines Produkts aus dem Atlantis Verlag, der ja in die Riege der deutschen Kleinverlage einzurechnen ist. Das wird auch in die nachfolgende Bewertung mit einfließen. Vom Interesse her muss ich sagen, dass Military SF genau auf meiner Schiene liegt, weshalb die Anthologie eigentlich ein "Must Have" war. Überraschend war sie für mich jedoch erst einmal in gänzlich anderer Hinsicht.
Der Inhalt:
1) Auf die neun Kurzgeschichten möchte ich jetzt nicht im Einzelnen eingehen, außer vielleicht was meinen Eindruck von denselbigen betrifft. Die Beiträge wurden von deutschen bzw. in 2 Fällen ausländischen Autoren abgefasst / übersetzt + übernommen. Enttäuscht war ich unter dem Strich eigentlich von zweien, wovon ausgerechnet eine den Beiträgen aus Übersee zuzurechnen ist. Die andere extra übersetzte Story hat dies jedoch wieder mehr als wettgemacht und mir gut gefallen. Der zweite "Reinfall" war wiederum das Werk eines deutschen Autoren. Der Rest der Stories ließ sich gut lesen, wobei mir allerdings die wenigsten echte "Aha-Erlebnisse" beschert haben. Gute Unterhalung haben sie dennoch geliefert. Ich schätze, je nach individuellem Geschmack wird jeder seine eigenen Favoriten bestimmen oder seine Negativurteile fällen. Daher schreibe ich meine hier jetzt auch nicht rein. Zu meiner Person sollte ich hier noch anmerken, dass ich weniger auf die Konsistenz der Physik achte, sondern mehr auf die Ausarbeitung der Personen und den Plot. Aus diesem Grunde sollte meine subjektive Bewertung bitte auch in diesem Licht verstanden werden.
2) Die Überraschung in Form des Vorwortes und ganz besonders Dirk van den Booms theoretische Nachbetrachtung zur Military Science Fiction im Allgemeinen. Das Nachwort ist bereits einmal als eigenständiger Aufsatz in einem SF-Magazin erschienen, den ich jedoch noch nicht kannte. Den Definitionsversuch bzw. die sachliche Einordnung der Military SF in den Kanon der generellen Science Fiction fand ich sehr informativ und gelungen. So war mir jetzt nicht unbedingt bewusst, dass dieses Subgenre in Dtld. bzw. teils auch in Übersee als so etwas wie ein "Kellerkind" gilt, sich aber trotzdem (in Importform alias den übersetzten Werken amerikanischer Autoren) sehr gut verkauft. Ich habe diese Art Bücher schon immer gerne gelesen, mir über die "Theorie dahinter" jedoch nie großartig Gedanken gemacht. Das ist jetzt anders und diese Leistung gebührt Dirk van den Boom bzw. auch seinem Mitherausgeber Oliver Naujoks. Sie haben das theoretisch abgerundete Werk bewusst als Testballon auf dem deutschen Markt platziert und das ist zumindest schon einmal mutig zu nennen.
Sonstige Kritik:
Atlantis Verlag = Kleinverlag und ich fand das Buch von der Aufmachung etwas unhandlich bzw. unpraktisch. Die Seiten sind recht eng und klein bedruckt. Klar, die Sparidee dahinter leuchtet ein, aber gegen Ende der Lektüre konnte ich es (auch wohl herstellungsbedingt) kaum noch gut halten bzw. lesen, weil ich ihm nicht "den Rücken brechen" / keine Leseknicke reinmachen wollte. Wird mich jetzt nicht unbedingt davon abhalten, wieder etwas aus dem Verlagsprogramm zu kaufen, aber die Anmerkung wird wohl erlaubt sein. Ein handelsübliches TB hätte es meiner Ansicht nach anstelle der broschierten Ausgabe auch getan.
Positiv fand ich wiederum das Cover. Da weiß man gleich, worum es geht. ;-)
Fazit:
Ein guter Kauf. Preislich unterscheidet es sich auch kaum von den Büchern "großer" Verlage. Am meisten Spaß hat mir lustigerweise der Theorieteil bereitet, der quasi am Rand mitgeliefert wurde. Einige Geschichten waren gut, manche weniger... so ist es ja immer. Reine Geschmackssache. Nur auf einen der großen Namen hätte aus meiner Sicht verzichtet werden können (nicht einmal Wolfgang Hohlbeins, der nur ruhig etwas weniger prominent hätte beworben werden dürfen - sowohl am Cover als auch hier, denn er hat im Gegensatz zu Amazons Meinung schließlich nicht das ganze Buch herausgegeben!). Vielleicht schafft dieses Büchlein es ja, gewisse anscheinend existierende Vorurteile gegen das Subgenre Military Science Fiction mit abzubauen.