Bekanntlich wurde mit der italienischen Einigung zu einem Staat 1870 auch dem bis dahin souveränen Kirchenstaat ein Ende gesetzt und der einst unumstrittene Herr von Rom, der Papst, in seinen Palast verbannt. Die weltliche Macht war damit dahin und viele betrachteten spätestens das als Niedergang des Papsttums, doch es kam anders und heute ist der radikal verkleinerte Kirchenstaat als Vatikan mit Abstand der einflussreichste Zwergstaat der Welt.
In seinem fundierten Standardwerk legt Ludwig Ring-Eifel genau dar, wie sich dieser Wandel vollzogen hat und welche Chancen sich dem Vatikan und der römisch-katholischen Kirche damit schlussendlich eröffnet haben. Gerade die moralische Führungsrolle des Vatikans als Staat und seines Oberhauptes, des Papstes, haben vielleicht gerade durch den Verlust der weltlichen Macht einen unglaublichen Aufschwung erlebt. Stalin fragt einst, wie auch heute noch gerne zitiert wird, wie viele Divisionen hat denn der Papst und auch wenn dieser im Grunde nur von der wenige hundert Mann starken Schweizergarde und einigen Sicherheitskräften geschützt wird hat er die Sowjetunion überlebt, eine beständige Kraft in der Weltgeschichte.
Ring-Eifel rückt jedoch neben der geschichtlichen Rolle des Vatikans auch andere Aspekte ins Rampenlicht, wie die vergleichsweise sparsame Bürokratie des Staatssekretariats, welchem fast alle vatikanischen Behörden untergeordnet sind, genauso wie die erfolgreiche Medienpräsenz, durch eigene Radiostationen (Radio Vatikan) und anderen Medien. Auch räumt er mit dem Mythos auf, dass der Vatikan ja eh so vermögend sei, denn dieser Reichtum beschränkt sich hauptsächlich auf historische Bauten, Museen und Kunstwerken, während die mit dieser Kritik wohl gemeinten kirchlichen Besitztümer größtenteils im Besitz örtlicher Klöster und Pfarren liegen dürften. Da der Vatikan Sitz einer global agierenden Organisation ist, werden auch dessen diplomatische Tätigkeiten und Behörden genauer vorgestellt, ebenso wie sein Verhältnis zur UNO.
Fazit:
Weltmacht Vatikan ist mit Sicherheit ein sehr fundiertes Standardwerk über Vatikan und Papst, das nicht nur seine Geschichte seit 1870 genauer aufarbeitet, sondern auch Einblicke in die Arbeitsweise und den Zweck seiner Behörden, sowie seiner Position in der Welt gewährt.