Den positive Helden wird man bei Laxness vergebens suchen. Scheinbar unbeteiligt, oft böse, sarkastisch oder ironisch wird berichtet. Es gibt es keinen befreienden Humor: Das Lachen bleibt einem immer wieder im Halse stecken. Wir scheinen in eine unvorstellbar primitive und grausame Welt des Neunzehnten Jahrhunderts einzutauchen, befinden uns jedoch im ISLAND Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts. Erzählt wird die Geschichte des Gemeindepfleglings Olafur Karason, der sich Ljosvikingur nennt und Dichter werden möchte. Als Kind trägt er heimlich Bücher am Herzen, bevor er überhaupt lesen kann. Bücher sind für ihn der Trost in einer Zeit von Armut und Rückständigkeit. "Kein Vieh warf so viel bares Geld im Jahr ab..."(Laxness) wie das von der Mutter ausgesetzte Gemeindekind, das nebenbei noch kostenlos für jede Arbeit ausgebeutet werden konnte. Ungestraft konnte seine Seele beschädigt, erniedrigt und verhöhnt und sein kleiner Körper gequält werden. Das Göttliche (DIE SCHÖNHEIT) findet Olafur schon als Kind nur in der Natur. Seine Sehnsucht, es in den Menschen zu finden, erfüllt sich nicht. Obwohl der junge Mann mit "den blauen und tiefen Augen"(Laxness) die Frauen liebt und diese sich von dem seltsamen Außenseiter angezogen fühlen, scheitert er immer wieder, weil er nicht bereit ist für die Liebe zu kämpfen. "Wie wunderbar du atmest. Ich komme, um dich atmen zu hören." sagt eine seiner Geliebten. "Das Menschenleben ist ein unaufhörliches Verbrechen."(Laxness) So ist es nicht verwunderlich, dass Olafur irgendwann selbst mit dem Gesetz in Konflikt kommt und sich im Gefängnis wiederfindet, - denn sein Verbrechen stimmt nicht wie alle großen Verbrechen dieser Welt mit den geltenden Gesetzten überein. "Alles Lebende und Tote ist mit der Fratze der Armut gebrandmarkt."(Laxness) Olafur nimmt seinen Leidensweg in Demut hin - opfert die Liebe dem Mitleid zu einer fünfzehn Jahre älteren, fallsüchtigen Frau und ihren gemeinsamen Kindern. Sowohl die Krankheit Epilepsie als auch die Themen Erniedrigung und Mitleid verweisen auf einen Großen der Weltliteratur, den Halldor Laxness sehr verehrt hat: Fjodor M. Dostojewski. In der Zeit, in der der große Isländer seinen Roman schrieb - 1936 bis 1940 - setzte er alle seine Hoffnungen auf das neue Russland, als Gegengewicht zum aufkommenden Faschismus. Er war sogar 1937, wie andere Prominente aus aller Welt, zu den berüchtigten Schauprozessen Stalins nach Moskau eingeladen worden. Erst viel später hat er diesen Irrweg bereut. Am Ende der Geschichte bringt Laxness das Gleichnis vom Spiegel, durch den wir die Welt sehen lernen, weil wir im direkten Blick die Welt nicht mehr erkennen. Dieser Tragik war Laxness zeitweise selbst erlegen - nur in seinen Romanen blieb er ganz wahrhaftig. Wo die Welt rätselhaft ist, bleibt auch die Prosa Laxness voller Rätsel - insofern keine leichte, aber eine ganz besondere, beeindruckende Lektüre.