so heißt ein Buch vom Ökonomen Paul Krugman, veröffentlicht 1996. Darin zeigt er, dass die Analogie zwischen internationalem Handel und Krieg jeglicher Grundlage entbehrt.
Herr Steingart reiht sich ein in eine Reihe illustrer Autoren, die vom globalen Krieg um Wohlstand erzählen. Meistens verbunden mit einer Anleitung, wie man sich zu wehren hat. Fertig ist der Bestseller. Die inländischen Probleme erklären sich mit Hilfe der internationalen Analyse. Stilisiert formuliert sieht die Argumentationskette folgendermaßen aus:
Unternehmen verlagern ihre Produktion massenhaft ins Ausland. D.h. Kapital und Technologie wandern von den Hochlohnländern des Westens in den Süden. Dieser Kapitalabfluss und die folgenden Billigimporte zerstören bei uns gut bezahlte Industriejobs und führen zu Arbeitslosigkeit. Außerdem sinken die Löhne. Kurzum, das sich frei bewegende Kapital ist der große Gewinner, der einfache Arbeitnehmer hat das Nachsehen.
Das ist die Welt in den Augen Herr Steingarts und leider auch vieler anderer Menschen. Nur leider hat das mit der Realität nicht viel zu tun. Warum nicht?
These 1: Es fließen große Menge Direktinvestitionen in Niedriglohnländer.
Das ist schlicht falsch. Direktinvestitionen finden hauptsächlich zur Markterschließung zwischen den Industrieländern statt, nicht zur Produkionsverlagerung. Zugenommen haben die ausländischen Direktinvestitionen nur bis zum Jahr 2000. Danach sind sie wieder gesunken und zwar soweit, dass Deutschland im Jahr 2003 nur 0,6% seiner gesamten Investitionen im Ausland tätigte. Der niedrigste Wert seit 1970.
These 2: Kapital fließt ab, Billigimporte überschwemmen das Land.
Es gibt eine volkswirtschaftliche Identität die immer gilt:
Ersparnisse - Investitionen = Ausfuhren Einfuhren
Das ist keine graue ökonomische Theorie, sondern buchhalterische Notwendigkeit. Wenn also ein Land mehr spart als es investiert, dann übersteigen seine Ausfuhren auch die Einfuhren. Das Szenario Kapitalabfluss + massenhafte Billigimporte kann es gar nicht geben!
These 3: Arbeitsplätze gehen verloren. Wenn überhaupt, dann nur in sehr geringem Ausmaß. Produktion im Ausland bedeutet gleichzeitig Nachfrage nach unseren Produkten, sowie billigere Importe. Der Nettoeffekt von Auslandsinvestitionen ist nicht einfach zu ermitteln. Die einfache Arithmetik, dass ein zusätzlicher Arbeitsplatz in Land B einen Arbeitsplatz weniger in Land A bedeutet, stimmt nicht.
These 4: Die Löhne sinken, Kapitaleinkommen steigen. Die Verteilung des Volkseinkommen blieb über die letzten 30 Jahre annähernd konstant. 1970 entfielen 68% auf die Lohneinkommen heute sind es 67,4%, allerdings gab es einen bemerkenswerten Rückgang in den letzten 2 Jahren. Der ist aber nicht so einfach auf die Weltwirtschaft zurückzuführen.
These 5: Deutschland verliert Industriearbeitsplätze. Richtig, aber zum überwiegenden Teil liegt das nicht an zunehmender internationaler Verflechtung, sondern am technologischen Fortschritt und am veränderten Nachfrageverhalten der Konsumenten. Wir geben einen immer geringeren Teil unseres Einkommens für Industriewaren aus. Hauptsächlich weil diese relativ zu Dienstleistungen billiger geworden sind. ( Übrigens auch ein Grund für die zunehmenden Unterschiede der Löhne)
Soviel zum ökonomischen Gehalt des Buches. Ärgerlich ist zudem die völlig überzogene Rhetorik: Angreifer, Weltkrieg, Abwehrbündnis, Europa als wirtschaftspolitischer Pazifist. Hier soll offenbar ordentlich Stimmung gemacht werden, bzw. die dahinter liegende Geschichte knackig verkauft werden. So schürt man Angst beim Leser und lässt diesen im Glauben, dass die ganze Weltwirtschaft nichts anderes als ein riesiges, blutiges Schlachtfeld wäre. Nur wer sich behauptet überlebt, die anderen werden untergehen.
Jedoch gibt es keinen Grund anzunehmen, dass dieses Mal etwas anders als in den letzten 200 Jahren sein sollte: Vom wirtschaftlichen Aufstieg einer Nation profitieren andere Länder. Schade, dass ein Mensch der so gewand und anschaulich zu schreiben versteht, nicht mehr Zeit darauf verwandt hat, die ökonomische Logik seiner Argumentation zu überprüfen