Über Geld und Währungen lernt man in der Schule wenig. Das ist verwunderlich, denn die Verhältnisse verschiedener Währungen zueinander und die Richtungen der Geldströme zwischen Machtblöcken und Staaten sind ein verlässlicher Indikator für künftige Ereignisse. Daniel D. Eckert versucht in seinem Buch solche Zusammenhänge für die jüngste Vergangenheit nachzuzeichnen, um dann Schlüsse auf für die Zukunft zu ziehen. Der Titel seines Werkes klingt zunächst sehr martialisch und reißerisch. Wenn man es dann gelesen hat, bleibt der Eindruck eines ausgezeichneten Sachbuches, das viele Informationen bereitstellt, Zusammenhänge offenbart und einige mehr oder weniger gut begründete Prognosen liefert.
Eckert ist kein Wissenschaftler, sondern Journalist. Das hat den Vorteil, dass er sich nicht absichern muss und flüssig schreiben kann. Natürlich ist es nicht einfach auf nur gut 250 Seiten die Geschichte des Dollars und anderer Weltwährungen im Detail darzustellen. Doch dafür erklärt er die großen Linien hervorragend. Der Autor unterteilt sein Buch in drei Teile: (1) Auf- und Abstieg des Dollar, (2) Der Kampf um das Erbe des Dollar und (3) Die neue Weltordnung der Währungen.
Zunächst wird also die Geschichte der US-Währung in kurzer Form erzählt. Sie ähnelt in schon fast gespenstischer Form der des britischen Pfundes, das einstmals die Weltwährung war. Die USA unterstützen die sich in zwei Weltkriegen gegenseitig ruinierenden europäischen Mächte mit riesigen Krediten. Von diesen Schulden erholte sich insbesondere das britische Pfund nie wieder. Und mit seiner Währung zerbrach auch das britische Weltreich.
Nach dem zweiten Weltkrieg kam dann es zum Abkommen von Bretton Woods, in dem der Dollar als goldgestützte Weltwährung installiert wurde. Auch wenn der Autor die aggressive amerikanische Währungspolitik nach dem letzten Weltkrieg nicht ausführlich beschreibt, so geht er doch auf ihre dramatischen Folgen ein. Durch die zahlreichen und in der Regel wenig erfolgreichen US-Kriege fiel Anfang der 1970-er Jahre das Abkommen von Bretton Woods in sich zusammen, weil Nixon die Golddeckung des Dollars aufgeben musste. Damit mutierte der Dollar zu einer Papierwährung, die auf Schuldscheinen basiert. Von nun an war der Weg zum Erzeugen von immer mehr Dollars frei. Die amerikanische Geldmenge wuchs in der Folge bis zum heutigen Tag fast schon exponentiell an. Wären die USA nicht in ihrer eigenen Währung verschuldet, die sie beliebig drucken können, dann wären sie schon lange pleite.
Diese dämonischen Dollars (wie sie der Autor treffend nennt) schwirren nun in der Welt umher. Wegen des fehlenden wirtschaftlichen Äquivalents für dieses bedruckte Papier erzeugt es seitdem eine Finanzblase nach der anderen. Denn es sucht Anlage, weil es zur Vermehrung verdammt ist. Schließlich müssen Zinsen bezahlt werden. Neben ihren Kriegen begannen die USA auch noch zusätzlich eine ungeahnte Konsumsucht auf Kredit zu entfalten. Ihr Hauptgläubiger ist China, das sich nun in derselben Rolle wiederfindet wie einst die USA gegenüber Großbritannien.
Würden die Chinesen in einem Anflug von abgrundtiefer Dummheit ihre US-Staatsanleihen massiv auf den Markt werfen, dann würde das zum sofortigen Zusammenbruch der Weltwirtschaft führen, denn drastisch fallende Anleihenkurse erhöhen drastisch die Zinsen, was den USA, Japan und Europa den ökonomischen Todesstoß versetzen würde. Im zweiten Teil diskutiert der Autor diese von ihm für nicht ausgeschlossen gehaltene Variante kurz und geht dann auf das Reich der Mitte ein. Leider ist dieser Teil der schwächste des Buches. Einmal mehr zeigt sich, dass erlernte Denkgewohnheiten nur schwer abzustreifen sind.
Der Autor glaubt, dass China früher oder später seine Währung aufwerten und frei konvertierbar machen wird. Doch die Volksrepublik ist bislang eine kommunistische Diktatur, die wohl kaum freiwillig die Kontrolle über Währung und Wirtschaft aufgeben wird. Obendrein hat sie mit Japan ein abschreckendes Beispiel dafür vor der Haustür, welche Folgen solche Schritte hätten. Leider erklärt Eckert nicht, was die Chinesen tatsächlich machen. Erstens managen sie ihre Währung nämlich hochprofessionell und zweitens reagieren sie sehr klug auf die amerikanische Ankündigung, chinesischen Dollar-Besitz durch Inflation entwerten zu wollen: Sie kaufen Sachwerte, insbesondere Rohstoffe, Industriebeteiligungen und Technologie ein und zwingen die amerikanische Notenbank mit neuen Dollars ihre eigenen Staatsanleihen langsam zurückzukaufen, womit die amerikanische Lage immer dramatischer wird. Im Gegensatz zum Autor kann ich darüber hinaus nicht erkennen, wo bisher chinesische Weltmachtansprüche geltend gemacht werden oder wurden.
Im zweiten Abschnitt des zweiten Teils geht Eckert dann auf die kurze Geschichte des Euro ein. Dies ist der beste Teil des Buches, denn er enthüllt, was Arnulf Baring schon 1997 schrieb: "Die Währungsunion wird daher am Ende auf ein gigantisches Erpressungsmanöver hinauslaufen. Man wird uns sagen: Wenn ihr wollt, dass die Währungsunion funktioniert und uns Europa nicht um die Ohren fliegt, dann müssen wir künftig Transferzahlungen leisten. Deshalb sind die Steuern zu erhöhen, ist unsere Konkurrenzfähigkeit gegenüber Drittländern zu reduzieren." Der Autor stellt dieses Zitat seinen Ausführungen voran. Und eigentlich ist dem nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht, dass dieser ganze fatale Prozess zur wirtschaftlichen Schwächung Deutschlands im Buch hervorragend erklärt wird. Allein dafür lohnt sich der Kauf.
Im dritten Abschnitt des zweiten Teils befasst sich der Autor dann mit dem Gold und seiner Rolle bei der Gestaltung von Währungen. Er beschreibt dabei im Wesentlichen die verschiedenen Modelle und Standpunkte. Insbesondere erklärt er, dass ein Sozialstaat, so wie wir ihn kennen, mit einer goldgestützten Währung angeblich nicht zu machen sei, weil das Vorgaukeln von Scheinwohlstand und einer grundsätzlichen Absicherung nur über Schulden finanzierbar sei. Darauf und auf Gegenargumente näher eingehen zu wollen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.
Der letzte und sehr kurze Teil des Buches beschreibt mögliche Zukunftsszenarien, etwa den Ausstieg Deutschlands aus dem Euro oder die Entwicklung der chinesischen Währung. Die eigentlich spannende Frage wird jedoch sein, wie die USA ihren Niedergang verkraften werden. Denn eines ist klar: Obwohl es den amerikanischen Gelddruckern immer wieder gelungen ist, durch fast schon geniale Schachzüge ihre Währungsprobleme auf andere abzuwälzen (etwa wie in der jüngsten eigentlich rein amerikanischen Krise), so wird ihre Lage immer unausweichlicher.
Fazit.
Ein gelungenes Sachbuch, das einmal mehr die Rolle von Währungen im Weltgeschehen so darstellt, wie sie in Wirklichkeit ist. Auch wenn das Buch einige Schwächen besitzt, die vielleicht seinem sympathisch dünnem Umfang anzurechnen sind, so ist allein der Teil über den Euro schon ein wirklicher Augenöffner für die wahren Beweggründe und Vorgänge im Hintergrund.