Wie der Titel schon verrät, beschreibt David Priestland in seinem Buch die Weltgeschichte des Kommunismus, dieser Ideologie, die das 20.Jahrhunder maßgeblich geprägt, unglaubliches Leid hervorgebracht hat, doch die bis heute so viele Menschen fasziniert. Er spannt den Bogen dabei von der Französischen Revolution über Marx und die Russische Revolution bis zu den kommunistischen Regimen der heutigen Zeit (China, Nordkorea, Kuba). Dabei zeigt er, dass es kommunistische Ideen bereits zu einem Zeitpunkt gab, als diese für die Entwicklung der Menschheit so bedeutende Ideologie noch gar nicht entwickelt war: Verfolgungen von Dissidenten, moralische Säuberungen und ein egalitärer Staat nach Rousseau'schen Vorstellungen, der definierte, was gut und böse ist, gab es schon in der Französischen Revolution in Form des jakobinischen Terrors.
Weiter geht es durch zwei Jahrhunderte der jüngeren Geschichte. Priestland beschreibt dabei alle kommunistischen Regime, die es seitdem gab, ihre Entwicklungen und spezifischen Spielarten des Kommunismus. Damit schafft er es wahrlich, dessen vielfältigen Facetten näher zu beleuchten: vom Steinzeit-Bauernstaat eines Pol Pot in Kambodscha bis hin zur Kombination von Kommunismus und Kapitalismus im heutigen China. Positiv fällt dabei insbesondere auch der enorme Geisteshorizont des Autors auf: selbst zeitgenössische Theaterstücke und Architektur bindet Priestland in seine Geschichtsschreibung ein. Interessant ist insbesondere seine These, dass der Kommunismus nicht vom Westen (etwa in Form von Ronald Reagan und SDI) in die Knie gezwungen wurde, sondern aufgrund der inneren Reformen von Gorbatschow letztlich implodiert ist.
Zu kurz kommen bei diesem Mammutprogramm aber die bestialischen Seiten des Kommunismus. Priestland versäumt es, den Verbrechen des Kommunismus in Form von Deportation, Bespitzelung, politischen Morden, Völkermord, Terror und Verfolgung den gebührenden Raum einzuräumen. Die Opfer der chinesischen Kulturrevolution werden in einem Halbsatz erwähnt (etwa eine Million) und auch über die Inkarnation des Kommunismus, Che Guevara, hätte er etwa schreiben können, dass dieser Mann den Dritten Weltkrieg herbeibomben wollte, anstatt sich seitenlang über dessen vermeintlich idealistische Weltsicht auszulassen.
Zusammenfassend handelt es sich mit Sicherheit um ein Werk, das hervorragend geeignet ist, die Geschichte des Kommunismus auf der ganzen Welt nachzuverfolgen, dem es aber gut getan hätte, dessen "unvermeidliche[r] Tendenz zur Gewaltanwendung" (Priestland) und deren Folgen im Buch etwas mehr Beachtung zu schenken.