Der hohe Preis des Buches ist erstmal ein ganz schöner Schocker.
Das Buch ist es aber wert.
Da wo "Stoffe, Farben, Kleider" von Catherine Legrand ein phantastisches "Bilderbuch" ist, das einen mit den wunderschönen Bildern und Fotografien begeistert und auch den Laien für den imensen Aufwand der Kleidungsherstellung und -verzierung sensibilisiert, der
"Atlas der Textilien" von John Gillow und Bryan Sentance neben einer brillianten, üppigen Bilderflut auch konkrete Arbeits-/ Herstellungs-Anregungen bietet, ist
"Weltgeschichte der Bekleidung" das beste Werk weit und breit für einen echten Gesamtüberblick und Tiefenverständnis. Die chronisch ignorierten Themen und Teile der Welt, wie Afrika und seine Perlenflechterei, die Mongolei, Indien, Schamanenkleidung, Hüte aus Zentralasien usw., usw., werden mit Bildern und Text dargestellt. Auch Europa beginnt wohltuender Weise nicht erst mit den Römern oder gar dem Mittelalter, sondern bei Symbolen der Jungsteinzeit. Es folgen der Unterschied zwischen griechischer und mykenischer Tunika, die Rolle der Stickerei, der Ursprung von Mustern und Motiven, Unterschiedlicher Schnitt und Stil von ost- und westeuropäischen Trachten u.v.m. - Geballtes Wissen in allen Bereichen. Die unzähligen Fotos sind scharf und passend, nur "to do"-Anleitungen oder detailliertes, hochglanzabgelichtetes Spezialwissen (ALLE europischen Kostüme von 1.200 bis 1.350 n.Ch.) darf man nicht erwarten, aber dafür gibt es ja auch hinreichend andere Literatur.
Fazit: Wer wirklich vom Thema "Kleidung" begeistert ist und über den Tellerrand sehen möchte und/ oder Spaß am Erkennen von Zusammenhängen hat, tut sich mit diesem Buch einen großen Gefallen. Nur Zeit und Geduld sollte man für die über 600 Seiten mitbringen.