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am 23. April 2009
Unter Materialisten ist Weltfremdheit ein Stigma: Ein Zeichen für mangelnde Cleverness. Eremiten und andere Mystiker sind weltfremd. Sie weigern sich, das Diesseits für ihre wahre Heimat zu halten.
Sloterdijk würdigt die Weltfremdheit als eine Form der Weisheit. Materialisten mögen noch so clever sein: Insgeheim spüren sie doch, dass sie eventuell das Wesentliche verfehlen.
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am 21. Mai 2006
Weltfremdheit, Peter Sloterdijk

Versuch über das Wachwerden im scheinbar Unbekannten

Beginnen wir mit einer entlarvenden Feststellung, dass sich die heutige Philosophie mit keinem Wort zu aktuellen historischen Ereignissen und Trends wie z.B. der Globalisierung äußert außer P.Sl. selbst (Der Weltinnenraum des Kapitals). Die Auswirkungen von Medien und Telekommunikation scheinen an dieser Zunft vollständig vorbeigerauscht zu sein, was P.Sl. auf intellektuellen Hochmut, vereint mit Weltfremdheit, zurückführt. Nun ist P.Sl. medienerprobt und Nutzer dieser Plattform für die Sichtweisen auf diese unsere Welt, so wie sie der Fall ist. Weltfremdheit, das Wort ist Titel und Programm und meint hier, dass die Menge der Zusätze in dieser Welt durch Erkenntnis die Sichtweisen auf diese Welt zwar erweitert haben, aber abhängig vom jeweiligen Intellekt das Fremde zur Welt zugenommen hat. Die Welt ist nicht immer der Fall; was der Fall ist, ist nicht immer die Welt. Damit müssen wir uns nicht mit dem Freudianischen Todestrieb aus der Bredouille stehlen, sondern sollten uns dem „durch die Gattung als ganze dringende Ernst des Abenteuers Intelligenz“ widmen. Ich höre ein deutliches Sapere aude! des an sich kritischen Interpreters Kants.

Beginnend mit den Formen nervtötender Berieselung und Abkehr von der Welt durch psycho-akustische Dröhnung, hin zu einer Alternative der Oasen der Ruhe wie Wüste und Kloster versucht P.Sl. im „Prinzip Wüste“ die Heimat zu finden, die ohne Welt eine Gott-Seele Einheit Augustinscher Herkunft bildet. Die „souveräne Leere“ ist nichts anderes als Aufbruch und Flucht nach vorn in die Welt, die es in der alten Metapher zu verlassen gilt. Die westliche Umleitung ist die Zurückdrängung der Wüste als kontemplative Phase hin zur Medien- und Selbstvermittlungszeit in der Kommunikation. „Kann denn Westen Sünde sein“ fragt Sten Nadolny in der CICERO Ausgabe Mai 2006 und folgt der verabsolutierten Form der Kommunikation zum In-die-Welt-gehen, um diese nun Kennen zu lernen und die Weltfremdheit abzustreifen. „Mobilmachung in Permanenz“ ist gefragt, um den Strom der Einheit nicht abreißen zu lassen. Der Mensch ist solange in der Welt, wie der Vermittlungsstrom tätig ist. Der Mensch muss Held werden, in dem er dem eigenen Untergang entgegenwirkt und sich selbst befreit in die Abhängigkeit des neuen Daseins. Sich selbst Anschluss geben im Vita activa (Arendt) ist gefragt, mitgenommen wird nur derjenige, der im Kommunikationsstrom schwimmt. Veränderung kommt durch Unzufriedenheit, nach Bloch der Motor der Geschichte.

In dieser Weise behandelt P.Sl. die Welt im Sinne von Flucht oder Sucht, eine dialektische Betrachtung über Drogen, deren illuminativen Auswirkungen und sog. vernünftigen Ekstasen, über die Bestimmung des Menschen im Sinne Fichtes und Nietzsches und über den Verlust des Selbst an die Macht des Faktischen, als Empfindung, „von der Pfeife geraucht zu werden“ (Baudelaire).

Seelische Endabsichten finden sich wieder in den schönen Wagnissen manischer Jenseitshoffungen und erliegen der Erlösung als Überhöhung der Verzweifelung, ohne sie erreicht zu haben. Die Notwendigkeit der eigenem Mündigkeit wird nach Kantschen Vorbild assoziiert, dem Weg der Aufklärung folgt ein aufgeklärter Mensch, der, trotz ungefragt in die Welt geworfen zu sein, eine nachträgliche Bejahung der Zeugung und der Geburt im Sinne der Selbst-Verantwortung und ‚Mut zum Sein’ abliefern muss. Dieser Mensch muss sich selbst übernehmen, die Welt wird seine, das Fremde entweicht.

Allem Individualen folgt der koinos, der Sinn für Gemeinschaft, den Heraklit in den Fragmenten schon beschrieb, Buber übernahm und alles münden muss in einen luziden Traum, der Glücklich sein zur Pflicht macht und die Erwartung der Intelligenz nicht abweichend stellt von dem Verlangtem.

Insgesamt nennt P.Sl. sein Werk ein freies Assoziieren. Freies Assoziieren ist u.a. eine Freudsche Therapieform, die auch hier den Autor wie vielleicht dem Leser hilft, die Sichtweisen auf die Welt in einen wenn auch nicht allumfassenden doch in einen erweiterten Kontext zu bringen und sich selbst das In-der-Welt-sein als Weltfremdheit endgültig auszureden.

21.05.2006
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TOP 1000 REZENSENTam 16. August 2014
Ein schon etwas älteres Buch des Philosophen Peter Sloterdijk haben wird hier, aber keines, was durch die Jahre an Glanz verloren hat. Ich habe es mit großem Gewinn gelesen. Sowohl Sprache als auch gut ausgesuchte Beispiele haben mir besonders gefallen. Natürlich muss man sich etwas Zeit nehmen. Ganz leicht ist das Buch nicht, aber auch nicht so schwer, wie man es von Sloterdijk manchmal befürchtet. Die Grundgedanken sind letztlich sehr gut verständlich. Welche Beziehung hat der Mensch zur Welt und wie gewinnt oder verliert er dadurch? Es ist schon auffallend, wie oft die Tradition in allen Kulturkreisen dafür plädiert, dass der Mensch der Welt ein Fremder sein soll, jedenfalls zeitweise. Das wird bei den Mönchen durch eine vorüberkehrende Einkehr in die Wüste erreicht, in Indien durch Weltverzicht, bei Platon durch Enthusiasmus, bei Kant durch die Freiheit der Vernunft. Dass heutige Menschen lieber den Weg zu (Ersatz-)Drogen nehmen, ist eine Entwicklung, die nicht unbedingt positiv zu bewerten ist. Sloterdijk stellt Alternativen vor, z.B. die Weltpause oder die Musik. Viel könnte man hierzu noch schreiben, ich empfehle aber, das Buch selbst zu lesen. Das Einzige, womit ich Probleme hatte, war die Theorie der Schöße, die sich mir auf den sehr vielen Seiten dazu nicht erschlossen hat. Daher vier Sterne.
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am 20. Juni 2013
P.Sloderdijj versucht in diesem Buch u.a.zu ergründen, wie es gelingt, dass ein Mensch sich von einem anderem vorbildfähigen Menschen angesprochen fühlt, so dass das "Versprechen" auf ein anderes Menschsein zur verheißungsvollen und begeisternden Perspektive werden kann. Wer wissen will, wie Gelesenes also leibhaftig übergeht in ein tätiges Sein, der findet auf diese und andere ebenso interessante Fragen begeisterungsfähige Antworten.
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