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Weltfremdheit (edition suhrkamp)
 
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Weltfremdheit (edition suhrkamp) [Broschiert]

Peter Sloterdijk
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Das schöne, vielleicht ein wenig zu deutsch klingende Wort Weltfremdheit benennt eine so ursprüngliche wie unvermeidliche Stellung antiker Minderheiten und neuzeitlicher Mehrheiten zu einem Ganzen, dessen Liebenswürdigkeit den Test der Geschichte nicht unbeschädigt übersteht. Folglich könnte man das Buch als eine Expertise zur Strukturreform im Weltaufenthaltsraum bezeichnen. Seinem Grundzug nach gehört es nicht zur Kulturkritik, zur Moralphilosophie noch weniger. Worum es in ihm geht, ist eine Phänomenologie des weltlosen oder weltabgewandten Geistes. Diese entfaltet gleichsam ein großes Welttheater unter dem Aspekt des Fernseins von der Bühne. Wird das Interesse dieser Studien als ein anthropologisches beschrieben, so ist dies nur mit einer Einschränkung korrekt. Nicht die Menschen sind die Helden der Geschichte, sondern die Rhythmen und Gewalten des Weltaufgangs und -untergangs, in denen Menschen vorkommen.

Über den Autor

Peter Sloterdijk wurde am 26. Juni 1947 als Sohn einer Deutschen und eines Niederländers geboren. Von 1968 bis 1974 studierte er in München und an der Universität Hamburg Philosophie, Geschichte und Germanistik. 1971 erstellte Sloterdijk seine Magisterarbeit mit dem Titel Strukturalismus als poetische Hermeneutik. In den Jahren 1972/73 folgten ein Essay über Michel Foucaults strukturale Theorie der Geschichte sowie eine Studie mit dem Titel Die Ökonomie der Sprachspiele. Zur Kritik der linguistischen Gegenstandskonstitution. Im Jahre 1976 wurde Peter Sloterdijk von Professor Klaus Briegleb zum Thema Literatur und Organisation von Lebenserfahrung. Gattungstheorie und Gattungsgeschichte der Autobiographie der Weimarer Republik 1918–1933 promoviert. Zwischen 1978 und 1980 hielt sich Sloterdijk im Ashram von Bhagwan Shree Rajneesh (später Osho) im indischen Pune auf. Seit den 1980er Jahren arbeitet Sloterdijk als freier Schriftsteller. Das 1983 im Suhrkamp Verlag publizierte Buch Kritik der zynischen Vernunft zählt zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts. Seit 2001 ist Sloterdijk in Nachfolge von Heinrich Klotz Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe sowie dort Professor für Philosophie und Ästhetik.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Jenseits der Cleverness 23. April 2009
Format:Broschiert
Unter Materialisten ist Weltfremdheit ein Stigma: Ein Zeichen für mangelnde Cleverness. Eremiten und andere Mystiker sind weltfremd. Sie weigern sich, das Diesseits für ihre wahre Heimat zu halten.
Sloterdijk würdigt die Weltfremdheit als eine Form der Weisheit. Materialisten mögen noch so clever sein: Insgeheim spüren sie doch, dass sie eventuell das Wesentliche verfehlen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
26 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
Weltfremdheit, Peter Sloterdijk

Versuch über das Wachwerden im scheinbar Unbekannten

Beginnen wir mit einer entlarvenden Feststellung, dass sich die heutige Philosophie mit keinem Wort zu aktuellen historischen Ereignissen und Trends wie z.B. der Globalisierung äußert außer P.Sl. selbst (Der Weltinnenraum des Kapitals). Die Auswirkungen von Medien und Telekommunikation scheinen an dieser Zunft vollständig vorbeigerauscht zu sein, was P.Sl. auf intellektuellen Hochmut, vereint mit Weltfremdheit, zurückführt. Nun ist P.Sl. medienerprobt und Nutzer dieser Plattform für die Sichtweisen auf diese unsere Welt, so wie sie der Fall ist. Weltfremdheit, das Wort ist Titel und Programm und meint hier, dass die Menge der Zusätze in dieser Welt durch Erkenntnis die Sichtweisen auf diese Welt zwar erweitert haben, aber abhängig vom jeweiligen Intellekt das Fremde zur Welt zugenommen hat. Die Welt ist nicht immer der Fall; was der Fall ist, ist nicht immer die Welt. Damit müssen wir uns nicht mit dem Freudianischen Todestrieb aus der Bredouille stehlen, sondern sollten uns dem „durch die Gattung als ganze dringende Ernst des Abenteuers Intelligenz“ widmen. Ich höre ein deutliches Sapere aude! des an sich kritischen Interpreters Kants.

Beginnend mit den Formen nervtötender Berieselung und Abkehr von der Welt durch psycho-akustische Dröhnung, hin zu einer Alternative der Oasen der Ruhe wie Wüste und Kloster versucht P.Sl. im „Prinzip Wüste“ die Heimat zu finden, die ohne Welt eine Gott-Seele Einheit Augustinscher Herkunft bildet. Die „souveräne Leere“ ist nichts anderes als Aufbruch und Flucht nach vorn in die Welt, die es in der alten Metapher zu verlassen gilt. Die westliche Umleitung ist die Zurückdrängung der Wüste als kontemplative Phase hin zur Medien- und Selbstvermittlungszeit in der Kommunikation. „Kann denn Westen Sünde sein“ fragt Sten Nadolny in der CICERO Ausgabe Mai 2006 und folgt der verabsolutierten Form der Kommunikation zum In-die-Welt-gehen, um diese nun Kennen zu lernen und die Weltfremdheit abzustreifen. „Mobilmachung in Permanenz“ ist gefragt, um den Strom der Einheit nicht abreißen zu lassen. Der Mensch ist solange in der Welt, wie der Vermittlungsstrom tätig ist. Der Mensch muss Held werden, in dem er dem eigenen Untergang entgegenwirkt und sich selbst befreit in die Abhängigkeit des neuen Daseins. Sich selbst Anschluss geben im Vita activa (Arendt) ist gefragt, mitgenommen wird nur derjenige, der im Kommunikationsstrom schwimmt. Veränderung kommt durch Unzufriedenheit, nach Bloch der Motor der Geschichte.

In dieser Weise behandelt P.Sl. die Welt im Sinne von Flucht oder Sucht, eine dialektische Betrachtung über Drogen, deren illuminativen Auswirkungen und sog. vernünftigen Ekstasen, über die Bestimmung des Menschen im Sinne Fichtes und Nietzsches und über den Verlust des Selbst an die Macht des Faktischen, als Empfindung, „von der Pfeife geraucht zu werden“ (Baudelaire).

Seelische Endabsichten finden sich wieder in den schönen Wagnissen manischer Jenseitshoffungen und erliegen der Erlösung als Überhöhung der Verzweifelung, ohne sie erreicht zu haben. Die Notwendigkeit der eigenem Mündigkeit wird nach Kantschen Vorbild assoziiert, dem Weg der Aufklärung folgt ein aufgeklärter Mensch, der, trotz ungefragt in die Welt geworfen zu sein, eine nachträgliche Bejahung der Zeugung und der Geburt im Sinne der Selbst-Verantwortung und ‚Mut zum Sein’ abliefern muss. Dieser Mensch muss sich selbst übernehmen, die Welt wird seine, das Fremde entweicht.

Allem Individualen folgt der koinos, der Sinn für Gemeinschaft, den Heraklit in den Fragmenten schon beschrieb, Buber übernahm und alles münden muss in einen luziden Traum, der Glücklich sein zur Pflicht macht und die Erwartung der Intelligenz nicht abweichend stellt von dem Verlangtem.

Insgesamt nennt P.Sl. sein Werk ein freies Assoziieren. Freies Assoziieren ist u.a. eine Freudsche Therapieform, die auch hier den Autor wie vielleicht dem Leser hilft, die Sichtweisen auf die Welt in einen wenn auch nicht allumfassenden doch in einen erweiterten Kontext zu bringen und sich selbst das In-der-Welt-sein als Weltfremdheit endgültig auszureden.

21.05.2006
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