WELTENWANDLER.
DIE KUNST DER OUTSIDER
Die Kunst der Outsider, der Außenstehenden, ist beeindruckend. Ebenso die Präsentation ihrer Arbeiten in der gleichnamigen Ausstellung der Schirn in Frankfurt, die noch bis zum 9. Januar 2011 zu sehen ist.
Außerhalb der Gesellschaft Stehende haben es in jeder Kulturepoche nicht leicht, sich bemerkbar zu machen. Sie sind kein 'Mainstream' ' im Gegenteil: sie schwimmen oft dagegen an. Das zeichnet sie aus! Meist werden sie weggesperrt, oder in Ghettos gehalten. Wann wurde ihnen je eine solche Aufmerksamkeit geschenkt wie in diesen Tagen in der Schirn?
Der Titel wirft nicht nur diese Frage auf, sondern auch die nach den diversen 'Welten', in denen die Außenseiter wandeln. Wandeln sie in oder zwischen den Welten? Haben sie besondere Fähigkeiten? Was macht sie damit zu Transformierenden, wie der englische Titel 'World Transformers' suggeriert? Oder besitzen sie die Fähigkeit, sich in anderen Welten, die uns 'Normalos' vollkommen verschlossen sind, traumwandlerisch zu bewegen?
In dieser von Martina Weinhart und ihrem Team kuratierten Ausstellung kann sich jeder Besucher davon überzeugen, wie fließend die Übergänge von 'Genie und Wahnsinn' in der künstlerischen Produktion sind.
Da verleiht Emery Blagdon (1907-1986) einem Holzschuppen in den Weiten Nebraskas z. B. ein Innenleben, das er 'Healing Machines' nennt: ein aus Draht, Blech und Metallen gefertigtes Sammelsurium von übergeordneten Strukturen, das Kraftfelder produzieren soll, die bestimmt sind, der Heilung zu dienen. Ganz im Sinne Joseph Beuys' versucht er damit den Dimensionen zwischen Himmel und Erde nachzuspüren und ihre 'Resonanz' einzufangen.
Da entwirft George Widener (geb. 1962) kalendarische Codes und obsessive Zeichnungen als Kunst für 'Supercomputer', da er sich sicher ist, dass diese dank ihrer hochentwickelten Künstlichen Intelligenz die Aspekte seiner Kunst verstehen können, die der menschliche Betrachter praktisch nicht erfassen kann. Mediziner, die ihn untersuchten, stellten allerdings eine abgeschwächte neurologische Störung fest ' das Asperger-Syndrom. In der Kunst findet Widener nach langen Irrfahrten eine neue Heimat.
Der von der Kuratorin Martina Weinhart und dem Direktor der Schirn, Max Hollein, herausgegebene Katalog im Hatje Kantz Verlag vermittelt eindrücklich weitere Einblicke in das Werk und Leben der außenstehenden Künstler. Sehr sehenswert.
Hans J Hinken