In diesem Roman von 1998 erzählt Poul Anderson routiniert von der interstellaren Mission des Raumschiffs "Envoy" (dt.: Bote) - und baut dabei konsequent auf dem aktuellen Stand der Naturwissenschaften auf: demzufolge gibt es nichts in unserem Universum, das sich schneller als das Licht bewegt. Nur durch relativistische Effekte nahe der Lichtgeschwindigkeit können die Lichtjahre weiten Abgründe zwischen den Sternen überwunden werden, da die Bordzeit dann viel langsamer abläuft. Während draußen Jahrzehnte und Jahrhunderte vergehen, altert die Besatzung nur um Monate. Anderson gibt sich dabei aber wenig Mühe, die erwarteten psychischen Spannungen zu schildern. Seine Protagonisten bleiben lange Zeit farblos, fade und austauschbar, und als er ihnen nach und nach Raum gibt, charakterliche Tiefe zu gewinnen, da beschränkt er sich auf platte Stereotypen: der unnahbare Captain, die leichtsinnige Pilotin, der rebellische Ingenieur. Halbwegs gelungen ist die herbeigefieberte Begegnung mit Aliens. Die Verständigungsschwierigkeiten und die kulturellen Unterschiede werden von Anderson plausibel dargestellt, wenn auch weit unter seinem sonstigen Niveau.
Kurz zum Inhalt: In 5000 Lichtjahren Entfernung vom Sonnensystem werden punktförmige Strahlungsquellen entdeckt, die sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Es gibt nur eine mögliche Erklärung: Raumschiffe! Die Entdeckung beflügelt den technischen Fortschritt. Binnen weniger Jahre wird ein Raumschiffantrieb entwickelt, der beinahe Lichtgeschwindigkeit ermöglicht. Eine zehnköpfige Mannschaft wird sorgfältig ausgewählt und auf den Weg gebracht. Doch während die Envoy sich dem Ziel nähert, werden immer weniger Energiequellen registriert. Ist die fremde Zivilisation am Aussterben? Sind es womöglich grundsätzliche Kräfte des Kosmos, die eine dauerhafte Weltraumfahrt - und den Kontakt zu anderen Völkern - verhindern? In den Jahrtausenden, die unterdessen auf der Erde vergehen, lösen sich die unterschiedlichsten Gesellschaftsformen ab, keine hat Bestand. Nur die kleine Gruppe der Sternfahrer bewahrt Traditionen und Überlieferung.
Das Szenario fasziniert, doch die Ausführung bleibt mangelhaft. Mögen die vereinzelt eingestreuten Umblendungen zur Erde und den nächstgelegenen menschlichen Kolonien anfangs noch halbwegs interessant sein (und dem Leser ein Gefühl für die unglaublichen Zeitspannen vermitteln), so ermüden diese Abschnitte später nur noch, da stets neue Begriffe und Namen auftauchen, die dann doch wieder in der Versenkung verschwinden. Die Reise selbst weist nur wenige Höhepunkte auf: die Meuterei beispielsweise und die Kommunikation mit dem Holonten. Insgesamt bleibt alles recht zäh und langgedehnt. Den zweiten Stern kann ich nur widerwillig geben: für die aufregende Idee, dass Intelligenz und Weltraumfahrt in einer Wechselwirkung mit dem Kosmos stehen, die - das sei hier nicht verraten - möglicherweise zerstörerisch wirkt, vielleicht aber auch förderlich ist.