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Weltbeben: Auswege aus der Globalisierungsfalle
 
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Weltbeben: Auswege aus der Globalisierungsfalle [Taschenbuch]

Wolfgang Kessler
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Seit seinem Erscheinen im November 2002 hat das vorliegende Buch die Globalisierungs-Debatte verändert. Statt die Probleme nur zu analysieren, wird nun breit über Auswege aus der Globalisierungsfalle und Visionen einer gerechten Weltwirtschaft diskutiert. Mit seinen Vorschlägen wurde Wolfgang Kessler zum gefragten Gesprächspartner in unzähligen Veranstaltungen und Fachgesprächen – auch auf höchster politischer Ebene.

Angesichts des Weltbebens durch den Irak-Krieg und der (Welt-)Wirtschaftskrise sind wir der Meinung: Die Diskussion muss weitergehen.

Deshalb erscheint nun eine aktualisierte Neuauflage: erweitert um eine Einschätzung der Welt nach dem Irak-Krieg und um Antworten auf die wichtigsten Fragen von Leserinnen und Lesern.

Klappentext

Aktualisierte und erweiterte Neuauflage des 2002 erschienenen Erfolgsbuches »Weltbeben« von Wolfgang Kessler.

Seit seinem Erscheinen hat dieses Buch die Globalisierungs-Debatte verändert. Statt die Probleme nur zu analysieren, wird nun breit über machbare Alternativen zum Neoliberalismus nachgedacht. Über die wachsende Sehnsucht der Menschen nach einer gerechten Weltwirtschaft diskutierte Kessler in unzähligen Veranstaltungen und Fachgesprächen – auch auf höchster politischer Ebene.

»Kesslers Buch macht Mut zur Mitarbeit an einer gerechten Welt ohne Massenelend. Es ist ein Aufweckbuch.« Franz Alt

»Lange Zeit fehlte ein umfassendes und aktuelles Buch mit Alternativen zur markt-fundamentalistischen Globalisierung. Wolfgang Kesslers Buch füllt diese Lücke und spielt in der wachsenden sozialen Bewegung eine wichtige Rolle.« Sven Giegold, Attac

»Ich hoffe, das Buch findet breiteste Leserschaft.« Ernst-Ulrich von Weizsäcker

Über den Autor

Wolfgang Kessler, geboren 1953, lernte schon in seiner Jugend in Oberschwaben den Umgang mit knappen Mitteln, bevor er in Konstanz, Bristol und London zum Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler (Dr.rer.soc.) ausgebildet wurde. Heute treibt ihn vor allem die Frage nach einer Wirtschaft um, die für die Menschen da ist – und nicht umgekehrt. Kessler arbeitet seit über 20 Jahren als Publizist. Derzeit ist er verantwortlicher Redakteur für Politik und Wirtschaft bei der Zeitschrift Publik-Forum in Oberursel. Seine letzten Bücher: Wirtschaften im dritten Jahrtausend (1996), Wirtschaft für alle (1999) und Geld und Gewissen (2000).

Auszug aus Weltbeben von Wolfgang Kessler. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Eine gerechte Welt
oder: Die moralische Alternative zum Krieg

Weltbeben – dieser Buchtitel hat viele Leserinnen und Leser elektrisiert, andere hat er vor allem irritiert. Unabhängig davon, wie der Titel aufgenommen wurde, steht doch eines fest: Die Welt bebt mehr als je zuvor. Vier Monate nach Erscheinen dieses Buches demonstrierte die Weltmacht USA – zusammen mit Alliierten – ihren globalen Herrschaftsanspruch. Wie bei keiner kriegerischen Auseinandersetzung seit dem Zweiten Weltkrieg setzten sich die Kriegsparteien so bewusst und offiziell über das Völkerrecht und die Vereinten Nationen hinweg wie im Krieg gegen den Irak. Eine Verbindung zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf Ziele in den USA konnte Saddam Hussein ebenso wenig nachgewiesen werden wie die Existenz von Massenvernichtungswaffen. Die nachgeschobene Legitimation, Saddam sei ein Massenmörder gewesen, ist zwar richtig, rechtfertigt aber den Krieg in keiner Weise. »Nur um einen Schurken auf Grund begangener Schandtaten der Bestrafung zuzuführen, darf nicht ein ganzes Volk mit Krieg überzogen werden«, kritisierte der Theologe Hans Küng in Publik-Forum.

Der Fluch des Krieges

Der Krieg gegen den Irak hat schwer wiegende Folgen – für das Land und für die Weltpolitik. Demokratische Strukturen im Irak sind auch nach Sturz und Verhaftung von Saddam Hussein in weiter Ferne. Stattdessen wächst in der arabischen Welt die Feindschaft gegenüber dem Westen, vor allem gegenüber den USA. Militärisch beginnt mit diesem Krieg eine Debatte über die generelle Rechtfertigung von präventiven Angriffskriegen. Daraus werden die Diktatoren dieser Welt ihre Schlussfolgerung ziehen: Je waffenstarrender die Gegenmacht (bis hin zur Atombombe), desto geringer die Gefahr eines Angriffs durch die Großmacht. Es droht eine neue Rüstungsspirale – im Norden wie im Süden.

Der Irak-Krieg offenbarte einmal mehr die fatalen politischen Prioritäten vieler politisch Verantwortlichen: Während die Regierungen der Welt auf einer Entwicklungskonferenz im mexikanischen Monterrey 2002 tagelang um wenige Milliarden Dollar zur Bekämpfung der Armut gefeilscht und keine befriedigende Einigung erzielt hatten, mobilisierte die US-Regierung für den Irak-Krieg ganz schnell 79 Milliarden US-Dollar – 1,5-mal so viel wie der gesamte US-Bildungshaushalt und 50-mal so viel, wie die UNO jährlich für ihr World-Food-Programm ausgibt. Die rund 200 Milliarden US-Dollar, die der Irak-Krieg und die Besetzung des Landes mindestens kosten werden, machen viermal so viel Geld aus, wie alle Industrieländer zusammen pro Jahr in die Entwicklungshilfe stecken. Eine alte Frage stellt sich neu: Warum halten Politiker es für politisch und moralisch akzeptabel, in wenigen Monaten riesige Milliardenbeträge für den Krieg zu mobilisieren, während sie sich zur stärkeren Bekämpfung von Hunger und Elend nicht einmal Millionen abringen lassen?

Weltmacht und Welthandel

Die gleiche Machtpolitik bestimmt auch die Weltwirtschaft. Seit Jahrzehnten krankt der freie Welthandel an dem Widerspruch, dass die Industrieländer die Staaten der Dritten Welt zwingen wollen, ihre Märkte auch den Fabriken und Banken des Nordens zu öffnen. Gleichzeitig schotten die reichen Länder ihre Märkte vielfach gegen Produkte aus dem Süden und aus dem Osten ab. Jedes Zugeständnis für die so genannte Dritte Welt lassen sich die Industrieländer teuer abkaufen. Mit diesem Ziel vor Augen gingen sie auch in die Welthandelskonferenz von Cancun im September 2003: Wir bauen unsere Agrarsubventionen nur ab, wenn die Dritte Welt ihre Märkte für Waren und Dienstleistungen aus dem Norden weit öffnet – und wenn die Schwellen- und Entwicklungsländer endlich über ein Abkommen zum Schutz von Investoren aus dem Norden verhandeln. Da wussten die Regierungen des Südens, was das für sie bedeutet: Sie sollten weltweit gültige Regelungen akzeptieren, die den Freiraum für multinationale Konzerne in der Dritten Welt vergrößern und die Möglichkeiten einer eigenständigen Wirtschaftspolitik der Entwicklungsländer vermindern. Die Multis würden weltweit mächtiger, die Regierungen ohnmächtiger. Die Dritte Welt ließ die Konferenz platzen.
Doch das Thema bleibt auf der Tagesordnung. Denn die Industrieländer wollen bis 2005 das Allgemeine Abkommen für den Handel mit Dienstleistungen (engl. GATS) abschließen. Ausgenommen werden zwar Dienstleistungen, die ausschließlich in der Hoheitsfunktion des Staates liegen, doch das sind bei näherem Hinsehen die wenigsten. Die forschesten Programme sehen eine weit gehende Privatisierung der weltweiten Wasserversorgung, manche sogar von Schulen, Universitäten und Gesundheitssystemen vor. Dabei geht es um ungeheuer viel Geld. Der Wert des internationalen Handels mit Dienstleistungen belief sich im Jahre 2001 auf 1460 Milliarden US-Dollar – ein Viertel des globalen Handelsaufkommens. Tendenz steigend. Da drei Viertel aller Dienstleistungsexporte auf die reichen Industrieländer entfallen, wird auch der Freihandel mit Dienstleistungen die weltweite Machtposition multinationer Unternehmen aus dem Norden stärken. Das GATS ist die nächste Etappe für den Feldzug der wirtschaftsliberalen Globalisierer: Sie wollen jedes Gut, jede Dienstleistung, Saatgut, ja alles, was unter der Sonne gedeiht, patentierbar und zu einer privat handelbaren Ware machen.
Die Welt als Privatunternehmen – die Politik nur noch als Instrument, um dieses Privatunternehmen zu schützen, auch durch Kriege.

Der Widerstand wächst

Doch mit der Macht der Mächtigen wächst auch die Gegenmacht. Gegen den Irak-Krieg mobilisierte eine globale Friedensbewegung. Sie konnte den Krieg nicht verhindern, entlarvte die Kriegstreiber jedoch als Lügner in Sachen Massenvernichtungswaffen. Die Regierungen des Südens ließen die Welthandelskonferenz in Cancun platzen. Dadurch wächst die Macht der Entwicklungsländer auf künftigen Konferenzen. Auch die Europäische Union ist nicht mehr bereit, der US-Regierung auf all ihren Pfaden zu folgen. Zugegeben, die europäische Politik ist uneinig und wenig offensiv. Doch eine europäische Energie-Initiative nach dem Ökogipfel in Johannesburg zeigt, was möglich ist: Nachdem sich die US-Regierung auf dieser Gipfelkonferenz weigerte, einen Anteil von 15 Prozent erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch in den Entwicklungsländern bis zum Jahre 2015 als Ziel festzuschreiben, vereinbarte dies die Europäische Union – unter deutscher Initiative – mit 80 Entwicklungsländern. Das zeigt: Auch ohne die USA ist Weltpolitik möglich, wenn die Europäer das notwendige Selbstbewusstsein aufbringen.

Derweil wächst auch an der Basis der Widerstand gegen die imperiale Politik der gegenwärtigen US-Regierung und gegen die rein wirtschaftsliberale Globalisierung. Mit dem Weltsozialforum in Mumbai (ehemals Bombay) ist die globalisierungskritische Bewegung bei den drei Milliarden Asiaten angekommen. Das wird den globalen Widerstand gegen eine einseitig an militärischen und wirtschaftlichen Interessen orientierte Globalisierung stärken.

Allerdings kranken alle diese Elemente eines Widerstandes an einem Grundproblem: Es fehlt eine breite Diskussion über Auswege aus der Globalisierungsfalle. Und dies, obwohl es Konzepte und Visionen einer demokratischen, gerechten und umweltverträglichen Weltwirtschaft gibt.Und nicht nur dies. Die Vorboten einer humanen Weltwirtschaft sind bereits sichtbar: Modelle, die zeigen, dass nicht nur die Logik von Macht und Profit, sondern auch Gerechtigkeit und Umweltschutz globalisiert werden können.

Das moralische Äquivalent des Krieges

Noch werden diese Visionen einer gerechten Weltwirtschaft ignoriert. Deshalb bebt die Welt – und steht am Scheideweg. Noch schauen die politisch Verantwortlichen tatenlos zu, wie die sozialen Scheren weltweit größer werden: wie die 225 reichsten Menschen der Welt so viel besitzen wie 47 Prozent der Menschheit; wie riesige Geldsummen auf der Suche nach kleinsten Renditen durch die Börsen gejagt werden, die dringend zur Entwicklung im Süden und im Osten benötigt würden, und wie selbst im reichen Norden die Kluft zwischen Reich und Arm immer stärker wächst. Während diese Probleme die meisten Verantwortlichen kalt lassen, löst der Glaube an kriegerische Mittel zur Lösung von Weltproblemen zumeist eine ungeheure (und ungeheuerliche) Dynamik aus. Dieser Glaube an Krieg als Mittel der Politik bedroht die Welt umso mehr, je stärker die Globalisierung voranschreitet.

Ändern wird sich dies nur, wenn eine friedliche, aber konsequente Politik für eine gerechte Welt in den Köpfen der Menschen zum »moralischen Äquivalent des Krieges« wird, wie dies der US-Philosoph William James bereits 1906 beschrieb und wie sie der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter für die Weltpolitik einforderte. Dahinter steht die Einsicht, dass wachsender globaler Gewalt und Ausgrenzung nicht mit noch mehr Gewalt und Ausgrenzung begegnet werden kann. Die moralische Alternative zu Krieg als Antwort auf Gewalt ist der Versuch der Weltgemeinschaft, die wirtschaftliche Entwicklung in demokratische, soziale und ökologische Rahmenbedingungen einzubetten – und dafür mindestens so viele menschliche und finanzielle Ressourcen zu mobilisieren, wie sie in Kriege investiert werden. Das vorliegende Buch will einen Beitrag dazu leisten, die moralische Alternative zum Krieg mit Leben zu füllen. Es will die Augen öffnen für friedliche Auswege aus der Globalisierungsfalle – und Mut machen, die Globalisierung zu gestalten, statt die Welt zu zerstören.

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