"Welt umrundet" ist nun mein drittes Weltumsegelungsbuch, welches ich gelesen habe. Es ist ein besonderes Genre, da in aller Regel die Autoren keine professionellen Schriftsteller sind. Doch das Buch von Katrin Henzi ist dasjenige, welches doch einen besonderen Reiz ausmacht.
Zu allererst hebt sich das Buch durch eine flüssige und lockere erzählweise hervor. Sie läßt einem das Buch leicht lesen und die Gedanken der Autoren nachvollziehen. Das Buch gibt einem die Möglichkeit, auch Gedanken zwischen den Zeilen zu lesen. Sehr sehr schön gelungen.
Die Autorin versucht in verschiedenen Szenen Erlebnisse und Ängste zu schildern. Während es in den ersten Kapiteln um die Bewältigung seglerischen Handwerks mit einigen Pleiten und Pech geht, wendet sich der Report immer mehr den verschiedenen Ländern, Regionen und Völkern zu. Bemerkenswert finde ich dabei, dass entgegen einiger anderer Bücher nicht diese verklärten Berichte "Och ist das hier schön" kommen, sondern auch von den Problemen und Nöten, der Armut und der Not berichtet wird. Ein unverklärter Blick wird hier dargestellt.
Alaska mit seiner wilden Schönheit wie Indonesien mit bedrohlichen Übergriffen örtlicher Soldaten und Behörden werden genauso dargestellt wie nette Episoden von Mißgeschicken oder Kuriositäten. Natürlich kommt auch die Persönlichkeit des Autors in dem Buch zum Ausdruck. Da gibt es sichtbare Vorbehalte gegen Boote mit deutscher Flagge. Schicksale ausgewanderter Menschen in vermeintliche Paradiese werden sehr intensiv geschildert. Skepsis gegen ärmere Regionen mischen mit ein. Genauso ist aber auch ihr Wunsch zu entnehmen, nach Jahren der Reise nun endlich wieder nach Hause zu kommen.
Wäre das Buch bis zum Ende in diesem Stiel weitergeführt worden, hätte es glatte 5 Sterne verdient. Es gibt jedoch einen Bruch in der erzählweise. Das Buch, der Text, die Schilderungen bis einschließlich Neuseeland sind sehr ausgereift, sehr überlegt erzählt. Für diesen Teil der Reise gibt es auch eine Darstellung der Reiseroute im Innenumschlag. Im letzten Drittel ändert sich leider dieser Stil schlagartig. Er wird eintöniger und distanzierter, so als ob etwas an dem Manuskript ausgetauscht wurde. Hier fühlt man, dass das Buch fertig werden sollte. Die Autorin vermittelt an mancher Stelle Mißmut und Suche nach Abstand.
Aber dennoch hebt sich das Buch in diesem Genre deutlich hervor. Ich habe ich das Buch sehr genossen.