Wie fühlt sich eine 11-Jährige, wenn sie erfährt, dass der todgeglaubte Vater in Wirklichkeit sehr lebendig ist? Und wie reagiert dieses Kind, wenn der, ohne Vorwarnung, plötzlich vor ihm steht? Genau so, wie Reante Ahrens-Kramer es in ihrem Buch "Die Welt steht Kopf" beschrieben hat.
Zuerst bekommt Karo natürlich einen Schock. Bis zu dem Moment, als der Mann in der Tür steht, der ihr Vater sein soll, lebte sie glücklich mit ihrer Mama zusammen und es fehlte ihr an nichts. In der Schule ist Karo gut, bei ihrer besten Freundin ist sie stets willkommen und der Schmwerz, dass ihr Papa gleich nach ihrer Geburt angeblich einen tödlichen Unfall erlitten hat, hält sich in Grenzen.
Doch plötzlich steht da ein fast kahlköpfiger, altmodisch gekleideter Herr in der Tür; die Mutter umarmt ihn mit ihrer ganzen Liebe und sowohl Vater wie auch Tocher fallen aus allen Wolken, als sie von der Existenz des anderen erfahren.
Natürlich ist Karo höchst empört. Sie will nichts wisssen - nicht von Mama, vom Papa schon gar nicht und auch nichts von der Freundin, der Schule und dem Leben. Karo schwänzt und treibt sich rum, redet nicht mehr mit ihrer Mutter, lügt, weint viel und ist verzweifelt. Sie sucht Trost beim Großvater, der ihre Wunden ausheilen kann. Und ganz langsam kommt die Annäherung von Vater und Tochter zustande. Da nimmt sich Renate Ahrens-Kramer viel Zeit und trifft die Gefühle der Beteiligten genau. Unendlich langsam wachsen die drei zu einer Familie zusammen und wie sie das schaffen, das ist harte, mühevolle, tränenreiche Arbeit und fordert viel Engagement von allen Seiten: von den Erwachsenen wie auch, und vor allem, von Karo.
Der Autorin ist ein sehr gutes Buch gelungen. Behutsam beschreibt sie das Werden einer Familie so realistisch und ernsthaft, dass es junge (ab 9 Jahren) wie auch ältere Leser gleichermaßen anspricht. Die Verzweiflung der Mutter über ihr störrisches Kind, die Verzweiflung der Tochter, die nicht einsehen will, dass ihre Muter auch ein Recht auf Erwachsenenliebe hat - kein Gefühl ist geschönt.
Wer jetzt meint, das Buch sei sentimental oder gar als Anleitung gedacht, wie kitte ich eine Familie?, der hat sich geirrt. Renate Ahrens-Kramer hat ein liebevolles Kinderbuch verfasst, das Hoffnung gibt. So etwas brauchen wir für unsere Kinder.