Stasiuk, Andrzej, Die Welt hinter Dukla, 1997 (SZ-Bibliothek)
Ein Buch, das ich mit einiger Ungeduld gelesen habe, mehr oder weniger gründlich.
Es gibt keine Handlung, außer dass dem Ich-Erzähler gelegentlich Ereignisse aus seiner Kindheit einfallen (z.B. eine hoffnungslose Liebe als 13Jähriger zu einer schönen Touristin) oder mal besondere Anlässe, z.B. Feier des Heiligen Jan in Dukla. Sonst: Landschaften, Farbe des Himmels, Beschaffenheit des Lichts, das Rätsel der Zeit, Gebäude, nichtige Situationen, Alltag, verlorene, vergessene Orte..
Der Sprecher ist immer gleich mitten drin in seinen Beschreibungen, die Atmosphäre, das Bild beherrscht die Situation, man weiß kaum, ist es Gegenwart oder Vergangenheit; obwohl die Gegenwart mit Eindringen des Kapitalismus unzweideutig ist. Er kehrt also immer wieder in dieses Nest zurück und rätselt unablässig über die Beschaffenheit des Lebens, der Dinge in der vergehenden Zeit. Dabei erscheinen die Menschen und Dinge meist rätselhaft, oft bewegungslos in brütender Stille, schemenhaft, aufgelöst ins Surrealistische, Fantastische, Durchsichtige. Die Sprache wird lyrisch und philosophisch, der Alltag in Dukla wird genommen als Beispiel für die Vergänglichkeit und Winzigkeit des Menschen in der unverständlichen Zeit.
Einerseits gelingt es Stasiuk, das Unscheinbarste mit unendlichen Vergleichen in seiner Bedeutung zu visualisieren, andererseits ist dieses Vorgehen erschöpfend. Es mag die Sinne schärfen für die Flüchtigkeit der eigenen Existenz und die Augen öffnen für das kleine Leben, das einen umgibt. Andererseits sind die Vergleiche manchmal doch sehr abstrakt und schwer nachvollziehbar, die andauernde, angestrengte Produktion von Atmosphäre und Verdichtung von Welt ist ziemlich anstrengend zu lesen, besonders wenn man Polen, geschweige denn Dukla, nicht kennt. Oft werden die Dinge auch nur litaneihaft benannt, wie sie halt jemand ins Gedächtnis zurückruft, für den sie das Leben waren. Das Buch erinnert ein bisschen an Under Milkwood" von Dylan Thomas, nur eben weniger märchenhaft und prall, sondern dürftig, armselig. Am Schluss erfolgt eine Variante, indem nicht mehr übergangslos Eindrücke von Dukla entstehen, sondern jetzt einzelne Aspekte beschrieben werden: ein armer Kuhhirt, der dreimal sein zusammengekratztes Geld verlor , oder Tiere - Frösche, Schwalben... Damit wird es gegen Ende etwas trivialer.