... ist dieses Buch, das meiner Ansicht nach überschätzt wird. Das liegt meiner Meinung nach daran, daß Autor Thomas L. Friedman eine populäre Wirtschaftssendung im amerikanischen Fernsehen moderiert. So ist Friedman den Amerikanern bereits aus dem TV bekannt und sein Buch verkauft sich daher von selbst. Natürlich wird es dann auch im deutschen Fernsehen und in anderen Ländern als Millionen-Bestseller aus Amerika angepriesen und irgendwann glaubt jeder, dieses Buch lesen zu müssen... soviel zum Thema Globalisierung.
Ok, es gibt ein paar interessante Theorien und Ideen zur Globalisierung in dem Buch, die hätte der Autor aber mit zwei bis drei ausführlichen Essays oder Artikeln in einem Wirtschaftsmagazin gründlich genug darlegen können. Friedman bläht seine zwei bis drei Ideen jedoch durch Wiederholungen und gnadenloses Name-Dropping zu einem langatmigen Wälzer auf. Außerdem ist der Autor absolut nicht wertneutral. Mir drängte sich beim Lesen immer wieder das alte Sprichwort auf: "Wes Brot ich eß, des Lied ich sing.". Wobei von simplem Brot eigentlich keine Rede sein kann, sondern eher von persönlichen Einladungen ins Hauptquartier der entsprechenden Konzerne mit Erster-Klasse-Flug in exotische Regionen wie Hong-Kong, Mumbai oder Singapur mitsamt entsprechender Unterbringung und Verpflegung. Es folgt eine Firmenführung betreut durch die PR-Abteilung und ein Interview mit dem Geschäftsführer. Da der Autor eine eigene Wirtschafts-Fernsehsendung im amerikanischen Fernsehen moderiert, wird er von den Firmen und Konzernen natürlich entsprechend hofiert, damit er über sie berichtet. Die Firmen erhalten dafür kostenlose Sendezeit zur Selbstdarstellung und indirekte Werbung. Das Buch fiel für den Autor dabei als Nebenprodukt ab, und das merkt man ihm leider an. Entsprechend eingefärbt sieht auch die darin enthaltene Wirtschaftstheorie aus. Und sie kommt mir dabei recht einfach gestrickt vor, was an ihrer Entstehungsgeschichte durch die vereinfachende Fernseh-Sichtweise liegen mag. Seltsamerweise störte es mich auch diesmal, wenn der Autor zwischendrin von seinem Privatleben erzählt, um sein Buch damit zu würzen. Dabei mag ich das sonst gerne, insbesondere wenn es in fundierten Sachbüchern stattfindet. Ich fürchte fast, daß es mich hier stört, weil das Buch für ein Sachbuch eben nicht fundiert genug ist sondern sowieso schon viel zuviel persönliche Meinung enthält. So schafft dieses Buch das Paradox, gleichzeitig zu dick und doch zu flach zu sein.
Ich finde, es genügt vollkommen, ein paar Rezensionen über den Inhalt des Buches zu lesen, anstatt sich durch den ganzen dicken Wälzer zu quälen. Wer ihn aber trotzdem unbedingt durchlesen will, sollte wenigstens die preiswertere Taschenbuchausgabe abwarten.