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am 19. Mai 2014
Das ist ein ganz außerordentliches Buch. Es ist ganz sicher eine der interessantesten, gründlichsten, weitgespanntesten Forschungsarbeiten zum Umkreis des Ersten Weltkriegs, die jemals durchgeführt wurde. Es breitet ein Tableau europäischer Verhältnisse zwischen ca. 1850 und ca. 1939 vor einem aus, das wie ein neu entdecktes System von Ländern und Kontinenten wirkt. Gegenüber den üblichen Darstellungen des Ersten Weltkriegs, die im wesentlichen einfach Staatshandlungen beschreiben, bietet es zusätzliche Dimensionen, die erst den Hintergrund für diese Staatshandlungen faßbar machen.
Wer sich für den Ersten Weltkrieg und seine europäische Vorgeschichte oder für Rudolf Steiners Haltung dazu interessiert, dem sei dieses Buch empfohlen. Es lässt nichts aus von Steiner, auch nicht Dinge, die als anstößig empfunden werden könnten, aber es macht sie in ihrem wirklichen Kontext und ihrer wirklichen Bedeutung verständlich. Und es zeigt die Realitäten, die diese Aussagen Steiners zu beschreiben versuchten.
Dieses Buch bietet so gründliche, gut dokumentierte Forschungen, dass der Vorwurf der „Verschwörungstheorie“ ihm gegenüber einfach absurd ist. Der Verfasser interessiert sich eben – neben anderem – auch für die Welt aller möglicher okkulter oder esoterischer Gruppen, von den Theosophen über Freimaurergruppierungen bis hin zu den Martinisten; aber er interessiert sich dafür als für eine historische Materie. Das als „Verschwörungstheorie“ zu bezeichnen ist so, als ob man sagen würde: Das Interesse für die Literatur des deutschen Expressionismus ist eine Verschwörungstheorie. Und die Überlegungen anglo-amerikanischer Gruppen zur zukünftigen gestaltung der Menschheit, die das Buch auch behandelt, gehören einfach zur Geschichte des Ersten Weltkriegs. Sie sind keine Verschwörungstheorie, sondern ein Mosaikstein, ohne den das Gesamtbild nicht vollständig wäre.
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am 5. Juni 2014
Ein Buch von 1645 Seiten mit 4291 Anmerkungen. Viele Anmerkungen enthalten bis zu ein Dutzend weitere Literaturstellen. Eine Fleißarbeit ohne Beispiel, dabei aber klar durchdacht und die Riesenmenge an Stoff sinnvoll angeordnet. Sehr gut geschrieben und spannend zu lesen. Endlich versteht man Rudolf Steiners Darstellungen zum 1. Weltkrieg, die heute auch durch die Bücher von Christopher Clark "The Sleepwalkers" und H. Münkler "Der große Krieg" in Bezug auf die Kriegsschuldfrage bestätigt werden. Der Vorwurf einer "Verschwörungstheorie", der in diesem Zusammenhang immer wieder erhoben wird, erledigt sich von selbst, wenn die angebliche Theorie als Tatsache nachgewiesen werden kann. Das gelingt Osterrieder durchgehend.
Friedwart Husemann
0Kommentar|12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Juni 2014
Dieses 1700-seitige (!) Buch vermittelt seltenes, umfangreiches Hintergrundwissen. Der Historiker Markus Osterrieder macht darin u.m. abstrakte Begriffe wie Volk, Staat, Nation, Individualität und Freiheit menschlich, erlebbar, nachvollziehbar und lässt im Kontext Tatsachen und Phraseologie selbstredend für sich sprechen. Er belegt mit Namensregister und einem 28seitigen kleingedruckten Literaturverzeichnis, wie brutale (finanzielle, machtmässige) Hintergründe des Ersten Weltkrieges auch 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ungebremst – und in ihrem wahren Wesen meist unerkannt – faktisch weiterwirken. Bereits Christopher Clark sprach ja von (wahrlich nicht nur deutschen) politischen Schlafwandlern, die ihre Nationen in den Ersten Weltkrieg hineinschlitteln liessen. Osterrieder fügt mit profunden Sachkenntnissen und namentlich höchst fragwürdige Konspirationen von Geheimgesellschaften und Geheimdiplomatie hinzu. Ob das politische Geschehen gegenwärtig anders abläuft, darüber mag der aufgerüttelte Leser nach der Lektüre dieses Buches selbst entscheiden. Am Schluss bringt der Autor eine ungewohnt erhellende Sicht auf die gegenwärtige Lage in Osteuropa. Sein Blickwinkel wird Menschen ansprechen, die sich nicht mit Tagesschau und Börsenberichten begnügen. Vorurteilsfreie Individualitäten, die sich (trotz erdrückender „Beweise“) nicht damit abfinden, dass es angeblich nichts ausser Materie, Determination und Zufall geben soll. Diesem Weltbild ohne Himmel, Seele und Geist und mit Menschen als käufliche Ware, geht langsam auch noch die Arbeit aus. Es rangiert sie ins Abseits, letztendlich bestenfalls in ein neomarxistisches, diktatorisch geführtes Armenhaus. Alternative: Geisterkenntnis, Geist als Willensfrage mit ungeahnt erfreulicheren Perspektiven (Steiners Dreigliederungsmodell in dem Menschen nicht für Finanz und Wirtschaft da sind aber umgekehrt, assoziative Ökonomie Menschen wirklich dient). Halbwissen, Ignoranz, Finanz- und Machtinteressen gehen (noch) nach wie vor, vornehm darüber hinweg. Doch wer dieses Buch ahnungslos als billige Verschwörungstheorie abtut, sollte doch bitte die in diesem Werk schier erdrückende Fülle von Fakten, Tatsachen und belegten Äusserungen von tonangebenden Machtträgern besser erklären...

Gaston Pfister
44 Kommentare|11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Mai 2014
(auch als Leitfaden für solche "Rezensenten" geeignet, die als nächstes, nach Herrn Dietrich, der seine "Rezension", in der er Steiner u.a. "Kriegstreiberei" vorwarf, dabei mit einem gefälschten Zitat auffiel, inzwischen wieder gelöscht hat, und Frau Muehlegger, die genau so "viel" wie ihr Vorgänger von Steiner zu wissen scheint, was sie nicht davon abhält, ihm und Osterrieder gegenüber einen "fundamentalistischen" Standpunkt ein zu nehmen: für so etwas gäbe es "in Deutschland und Europa keinen Platz"!, vorhaben, das Buch von Osterrieder zum Anlass zu nehmen Steiner "Verschwörungstheorie" und andere schreckliche Dinge zu unterstellen)

Wie über die Vorgänge, die zum 1. Weltkrieg geführt haben, heute diskutiert wird, wobei es von den eigenen, persönlichen Vorlieben, Ambitionen abhängt, zu welchem Ergebnis man kommt, wirkt auf den, der sich um einen Überblick über die Entwicklung, die mit dem 1. Weltkrieg begonnen hat, von damals bis heute, bemüht, ausgesprochen borniert: man tut so, als handele es sich hier um ein isoliertes Ereignis, ohne Zusammenhang mit der vorangegangenen Entwicklung, man berücksichtigt nicht, was sich seitdem aus diesem Ereignis ergeben hat, obwohl das doch etwas darüber verrät, was schon vorher gewollt war.

So war für Steiner damals schon das Streben des angelsächsischen Westen nach der Weltherrschaft eine feste Größe, was die weitere geschichtliche Entwicklung angeht. Dabei muss man hierfür gar nicht an "Verschwörung" denken, an bewusstes Wollen, das gab es auch, sondern es handelt sich um etwas anderes. Was, das kann man nur verstehen, wenn man den geschichtlichen Prozess geisteswissenschaftlich - was Steiner darunter versteht, als einer Wissenschaft von der geistigen Welt, der der Mensch, wenn auch in der Regel unbewusst, angehört - auffasst: als ein Hereinwirken bestimmter geistiger Impulse in die Menschheitsentwicklung! Wenn man solche geistigen Impulse erforschen kann, was Steiner für seine Wissenschaft vom Geist zu können beanspruchte, dann kann man den geschichtlichen Prozess in gewissen Grenzen vorhersagen: im Geist wird das vorbereitet, was sich später als äußere Geschichte verwirklicht!

Da er den geistigen Impuls kannte, der im Westen das Streben nach der Weltherrschaft bewirkte, wovon dann einzelne Menschen, die sich dann zu Trägern dieses Impulses machen, besonders ergriffen werden, konnte er auch vorhersagen, dass diese Weltherrschaft, die damals noch erst in dem Stadium der Ambition sich befand, kommen wird - als eine geschichtliche Notwendigkeit. Die weitere Entwicklung hat das bestätigt. Denn wenn auch der Westen aus strategisch-taktischen Gründen dieses sein Streben nach der Weltherrschaft zu kaschieren sich bemüht, so kann es doch nicht länger geleugnet werden, dass es sich genau darum handelt!

Solche "Verschwörungstheorie" - Kräher verkennen also völlig, worum es bei Steiner geht: er behauptet nicht, dass die äußere Geschichte eine Folge solchen bewussten, "verschwörerischen" Wollens ist - das ist sie nur zum Teil, das hängt auch mit Missbräuchlichem Streben in der Menschheitsgeschichte zusammen, wo gerade durch menschliche Willkür eingegriffen wird in den regulären geschichtlichen Prozess -, sondern das Ursprüngliche sind die geistigen Impulse, unter deren Einfluss einzelne Menschen geraten, für die das dann ein höchstes Ideal ist, für so ein Ziel wie das der angelsächsischen Weltherrschaft zu streben, und unter dem Einfluss solcher Impulse bilden sich dann etwa solche Kreise, wie die um den englischen "Imperialisten" Cecil Rhodes, der ja bekanntlich der Meinung war, je mehr von der Menschheit von England beherrscht würde, umso besser wäre dies für die Menschheit. Für ihn war das ein gültiges Ideal, dem er sein Leben gewidmet hat.

Außerdem ist das bewusste Wollen, etwa des Westens - für die Politik des Deutschen Reiches bis zum 1.Weltrkieg gilt ja gerade, dass man da am allerwenigsten gewollt hat, so dass diese Politik zuletzt nur noch reagiert hat -, auch nur wieder ein Gesichtspunkt, man kann damit nicht alles erklären.

Vor allem ging es Steiner nicht darum, wie sich das für die verzerrte Wahrnehmung solcher "Kritiker" darstellt, selber Politik zu machen, etwa dem Westen verbieten zu wollen, nach der Weltherrschaft zu streben. Für ihn war dieses Streben des Westens nach der Weltherrschaft eine Tatsache, an der man nichts ändern könne, die man als Tatsache eben hinnehmen müsse - als einen Faktor in der geschichtlichen Entwicklung! Als andere solche Faktoren, die die geschichtliche Entwicklung der neueren Zeit bestimmen würden, nannte Steiner das Streben nach Sozialismus, nicht das, was man heute darunter versteht, sondern allgemeiner die sozialen Bestrebungen, dann das Streben nach einem "Völkerbund", einer bewusste Verständigung, einen Ausgleich von Interessen in der Menschheit herbei zu führen.

Nimmt man diese drei "Faktoren", dann kann man damit schon viel erklären von der neueren Geschichtsentwicklung. Dann versteht man zum Beispiel das Verhalten der USA gegenüber bisher aufgetretenen sozialen Bewegungen, vor allem in Regionen, in denen der Westen eigene Interessen hat, Mittel- und Südamerika, Indonesien, Südostasien usw. - Hier hat der Westen auch nicht vor verbrecherischem Handeln zurückgeschreckt, um das Streben nach sozialen Verhältnissen, in dem er eine Gefahr für seine eigenen "anti-sozialen", eigennützigen Interessen sah, zu unterdrücken. Für den Westen sind solche sozialen Bewegungen ein "Virus", von dem andere "angesteckt" werden könnten, was man verhindern muss, notfalls auch durch Terror und Krieg.

Wie der Westen in solchen Fällen reagiert hat, wie er überhaupt als Prinzip seiner Politik das Bekämpfen des sozialen Strebens in der Menschheit hat, darüber gibt es reichliche, genügend seriöse Literatur, die auch Frau Muehlegger über den Buchhandel frei zugänglich ist. Dann versteht man das sonderbare Verhalten der USA gegenüber der UNO, die man nur dann akzeptieren will, wenn man sie als Werkzeug für die eigenen Interessen benutzen kann usw. - Man muss also nicht "rechtsradikal" sein, um so etwas zu behaupten. Vor allem braucht man keine obrigkeitlich-moralisch-bevorumdenden Hinweise von Frau Muehlegger darüber, woran man zu glauben hat, damit man nicht in den Verdacht gerät, dem Rechtsradikalismus nahe zu stehen.

Zu fragen, ob diese Weltkriege "gewollt" waren, ist gegenüber der Tatsache, dass es sich bei dem Weltherrschafts-Machtstreben des angelsächsischen Westens um einen geistigen Impuls handelt, der sich verwirklichen will, eine Oberflächlichkeit, wie das Benutzen von Zitaten, wonach der eine dieses, der andere jenes gesagt hat, was man dann beliebig zusammenstellen kann, um seine spezielle Sichtweise zu belegen - von einigen wenigen, die sich bewusst waren, worum es sich handelt, waren sie gewollt, als etwas Notwendiges angesehen worden, man sprach da, wie Steiner das widergibt, von dem großen Krieg, der kommen müsse, damit man die Weltverhältnisse im Sinne des Angelsachsentums neu ordnen könne; bei den anderen wirkt das in den Instinkten, Haltungen, Emotionen. Natürlich war der Masse der Menschen des Westens, selbst Gebildeten wie dem Historiker Sutton, der sich lange vergeblich bemüht hat, heraus zu finden, was solche "Geheimgruppen" im Westen eigentlich wollen, mit dem Westen vorhaben, das nicht bewusst, worum es sich handelt.

Man konnte also aus dem, wie man sich als Westen selber verstand, mit seinen besonderen Aufgaben und Bestrebungen, daraus schließen, dass ein solcher Krieg notwendig sei. Zu sagen, dass er "gewollt" war, stellt dem gegenüber schon wieder eine Verfälschung des eigentlich Gemeinten dar - man verhielt sich eben im Sinne einer solchen als Notwendigkeit für den Westen angesehen Entwicklung, die zum Krieg führen musste! - Bei C.G. Harrison, in "Transcendental Universe", 1896, also lange vor dem 1. Weltkrieg, hört sich das so an (es handelt sich um Vorträge):

"Lassen Sie uns zur Illustration (über das, was Harrison über die Entwicklung von Völkern, Volkstümern vorher ausgeführt hatte) über das moderne Europa sprechen. Mit Ausnahme der slawische Völker, von denen wir heute sprechen werden, und einiger kleiner turanischer Elemente, welche zu unbedeutend sind, um sich mit ihnen ab zu geben, stellen die Völker des modernen Europas und ihre amerikanischen und kolonialen Ableger die fünfte Unterrasse der großen arischen Wurzelrasse dar. In den Tagen des Römischen Reiches, befanden sich diese Völker in dem Zustand der frühen Kindheit. Vor der Eroberung durch Rom, waren Gallien, Britannien und Deutschland keine Völker, es gab hier nur Stämme. Das römische Recht war ihre Amme und ihr Beschützer. Auf die Amme folgte der Lehrer. Die Zerstörung des Römischen Reiches und der Aufstieg des Papsttums markiert die Periode der späteren Kindheit, oder der Anfang ihres intellektuellen Lebens. Die Zeit ihrer Jugend, mit ihren ausgedehnteren Interessen und einem vergrößten Gesichtsfeld, begann mit der Renaissance und endete mit der Reformation. Das Erwachsenenleben des modernen Europas beginnt mit dem 16. Jahrhundert. Wir könnten die Analogie weiter verfolgen, aber die nächste Epoche, die Französischen Revolution, würde uns zu nahe an die heutige Zeit heranführen, als dass es ratsame wäre für den gegenwärtigen Stand unserer Untersuchungen über ihre Bedeutung zu dozieren. Lassen Sie uns auf die slawischen Völker eingehen, die zu der sechsten arischen Unterrasse gehören, was finden wir da? Ein machtvolles Reich vereint unter einer despotischen Regierung eine Anzahl lokaler Gruppen - Russland. Die Reste eines Königreiches - Polen, dessen einziger Zusammenhang in seiner Religion besteht, und welches trotzdem schließlich wieder Teil des russischen Reiches werden wird. Eine Anzahl Stämme, die, unterdrückt durch die fremden Türken, die ihr Joch abgeworfen haben und die auf künstliche Weise in kleine Staaten zusammengefasst wurden, deren Unabhängigkeit nicht länger andauern wird, nicht länger, als der nächste große europäsche Krieg."

Darauf wurde also im Westen, hier durch den Engländer Harris schon lange vor dem 1. Weltkrieg als einer Entwicklungsnotwendigkeit hingewiesen - dass so ein Krieg eintreten müsse. - Weiter:

"Was sind die besonderen Eigenschaften einer Unterrasse in ihrer Kindheit? Westliche Europäer sind es gewohnt, von ihrem Barbarentum zu sprechen, und in gewissem Sinne haben sie recht ... Das russische Reich muss sterben, damit die russischen Menschen leben können, und die Verwirklichung der Träume des Panlsawismus wird anzeigen, dass die sechstse arische Unterrasse anfängt, ihr eigenes intellektuelles Leben zu führen, und nicht länger in einer Periode der Kindlichkeit sich befindet. Wir brauchen diesen Gegenstand nicht weiter aus zu führen, als zu sagen, dass der nationale Charakter sie dazu befähigen wird, sozialistische Experimente durch zu führen, politisch und wirtschaftlich, welche für den Westen Europas mit zahllosen Schwierigkeiten verbunden wären."

Immerhin verrät das doch die Möglichkeit, die man im Westen hat, in großen geschichtlichen Zusammenhängen zu denken, mit den Gegebenheiten und Gesetzmäßigkeiten dieser Entwicklung, unabhängig davon, was man selber davon hält, zu rechnen, sein eigenes Verhalten hieran an zu passen, um so im Sinne seiner eigenen Interessen wirken zu können. Diese Fähigkeit fehlte den politischen Führern in Mitteleuropa vollständig. Während man im Westen auch in großen Zeiträumen dachte, große Perspektiven vor sich sah, fehlte einem in Mitteleuropa die Orientierung für ein eigenes Handeln.

Sehr interessant ist in dem Zusammenhang die Entwicklung der USA seit dem Ende des Krieges, die so auch erst durch die beiden Weltkriege möglich gemacht worden war. Hier gliederte sich sehr bald ein eigener "Staat" aus dem bisherigen, der dadurch natürlich zu einer bloßen Attrappe wurde, heraus, in Form eines Netzes von Geheimorganisationen, die sich nach und nach in fast allen Ländern ausgebreitet haben, überall nach Möglichkeiten der Einflussnahme und Kontrolle suchend, mit mafiaähnlichen Methoden und Strukturen arbeitend, Betrug, Sabotage, Subversion, Terror, Folter, Mord, Krieg, Manipulation der Medien, und das Streben sich durch möglichst viele Militärstützpunkte, die man rund um die Erde herumlegt, eine unantastbare Machtstellung zu verschaffen ... gehören zu dem Handwerkzeug dieses "Staates-im-Staate". Aber auch die Ausbildung von Offizieren, von Mitgliedern von Terrorgruppen in die Techniken des Terrorismus, wodurch man direkten Kontakt zu einzelnen, vor allem einflussreichen Menschen des anderen Landes schafft, über die man wirken kann. Dieser zweite "Staat", von dem die Bevölkerung der USA in der Regel genau so wenig weiß wie die übrige Menschheit,auch wenn darüber inzwischen einiges bekannt geworden ist, ist der eigentliche Träger des imperialistischen, weltherrschafts- Impulses des Westens, was auch die Tendenz erklärt, ihn vor den Institutionen des Attrappen-Staates, mit seinen Wahlen, dem Parlament, den Gerichten, ab zu schirmen, und so eine Politik zu ermöglichen, die sich konsequent, ausschließlich diesem Impuls widmen kann, ohne fortwährend durch demokratische und rechtsstaatliche Kontrollprozesse behindert zu werden. - In einem Fall, im Iran-Contra-Skandal, ist dieser Zusammenhang auch einmal der größeren Öffentlichkeit bewusst geworden.

Wenn man sich diese Entwicklung ansieht, kann man nicht anders, als auch schon die davor liegende Entwicklung unter diesem Gesichtspunkt, des Weltherrschaftsstrebens des Westens, zu betrachten. Es wäre naiv, an zu nehmen, dass dieser Impuls verursacht worden wäre, wie es ja als Teil der westlichen Propaganda auch behauptet wird, durch die äußeren Ereignisse, etwa, um "die freie Menschheit" zu verteidigen. (Der Wissenschaftler Guido Preparata bemerkte einmal, dass es ihm viele Jahre gekostet hätte, sich aus der Propaganda, in der er in den USA aufgewachsen wäre, heraus zu arbeiten, bis er darauf gekommen wäre, was der Westen wirklich will mit seinem Handeln. Preparata sieht eine Kontinuität in dem Machtstreben der beiden "Seemächte" England und USA, was sich vor allem in ihrer Politik gegenüber Eurasien nachweisen ließe. - Tatsächlich weiß man davon in der Regel nichts in der Öffentlichkeit. Ja, man muss sich sogar fragen, wer eigentlich diese Politik, die man an den demokratischen Institutionen der USA, dem Parlament vorbei betreibt, eigentlich "macht"? Auch darüber herrscht im Westen selber keine übereinstimmende Meinung. Dass es das Wahlvolk wäre, das Parlament, die die Politik bestimmen, kann man jedenfalls ausschließen, dann wäre es nicht nötig, diese Politik an dem Parlament, den demokratischen Kontrolleinrichtungen und der Öffentlichkeit vorbei zu betreiben.Man hat vielmehr den Eindruck, dass aus einem Hintergrund heraus gewisse Leute in die entscheidenden politisch-staatlichen Ämter geschoben werden, damit sie dort das bewirken, was im Interesse dieses "Hintergrundes" liegt.)

Natürlich hat dieser Impuls schon vorher gewirkt, hat dafür gesorgt, dass man in einer solchen Weise in das Geschehen eingreift, wie es diesem Impuls förderlich scheint, ohne dass das dem Einzelnen in jedem Fall bewusst sein müsste,man kann sich dabei sogar einbilden, ein Menschheitswohltäter zu sein, auf instinktiver Weise wirkt es doch durch das Handeln des Einzelnen hindurch. Ein Beispiel hierfür sind die berühmten "14 Punkte" des "Friedenspräsidenten", so konnte man ihn nur nennen, wenn man nichts wusste von seinem bisherigen politischen Handeln,Wodrow Wilson, von denen Steiner damals bemerkt hatte, dass sie bloße Phrasen seien, hinter denen sich die ganz konkreten Machtambitionen des Westens gegenüber Mitteleuropa verbergen. (Steiner sprach in dem Zusammenhang von "moralisch-politischer Überrumpelung" von Mitteleuropa durch den Westen - und mit der Haltung moralischer Überlegenheit, tritt man ja auch bis heute der übrigen Welt entgegen.) Walter Lippmann hat später erklärt, in "Public Opinion", was mit diesen 14 Punkten, an denen er selber mitgearbeitet hatte, vor allem beabsichtigt war: als Propaganda-Werkzeug dem Friedensschluss von Brest-Litowsk etwas entgegenstellen, um so die Kriegsmüdigkeit der Alliierten, Frankreich und England, zu überwinden, zu verhindern, dass man auf dieser Seite nun auch nach einem Frieden mit den Mittelmächten streben würde! Also das Gegenteil von dem, was sie zu sein behaupteten, worauf vor allem die deutschen Politiker hereingefallen waren, woran sich als einer Friedens-Hoffnung die Menschen geklammert hatten, war damit beabsichtigt.

Steiner spricht in diesem Zusammenhang von den "maskierten Bestrebungen", was ja überhaupt das Typische für die Politik des Westens ist, niemals offen mit dem, was man wirklich will, auf zu treten, sondern dafür immer passende, vor allem humanistische, scheinbar das Menschheitswohl verfolgende Antriebe geltend zu machen. Nötig ist das, weil, was man im Westen selber weiß, sich die übrige Menschheit, das was man will, nicht ohne weiteres gefallen lassen würde. Man würde Widerstand hervorrufen gegen das, was man selber will. - Peter Dale Scott spricht in dem Zusammenhang von der Notwendigkeit "systematischen Belügens der Öffentlichkeit" durch die eigene Regierung, die so eine Politik mit sich bringt.

In meiner vorigen Rezension ging es mir darum, darauf hin zu weisen, wie inzwischen diese von Steiner charakterisierte, auch den Ereignissen die dann zum 1. Weltkrieg geführt haben, zugrundeliegende Soziale Frage eine Menschheitsfrage geworden ist, vor allem, indem der Westen mit seinem Handeln das anti-Soziale - was nicht moralisch zu bewerten ist, sondern als eine Tatsache: das anti-Soziale, das mit der Emanzipation des Menschen zusammenhängt, als der eine Pol der menschlichen Existenz, wo er ganz für sich, eben ein Eigenwesen sein kann, überspannt man da, wird daraus ein brutaler Egoismus (auf solche "Feinheiten" gehen "Kritiker" der brutalen Sorte ohnehin nicht ein, sie urteilen nach Schlagworten und wie es ihnen gefällt) - betont, dem ein immer noch sozial empfindender Osten gegenübersteht.

Und dass ein Mitteleuropa, das sich weiterhin weigert, von solchen Dingen Notiz zu nehmen, sondern sich von der Unterwerfung unter den Westen allein das Heil verspricht - das tut das Bürgertum bei uns, das die ganze Entwicklung seit der Zeit vor dem 1. Weltkrieg "verschlafen" hat -, nur in den Konflikt mit hineingezogen wird zwischen dem nach der Weltherrschaft strebenden Westen und der davon betroffenden übrigen Menschheit, wie zuletzt in den als "Kampf gegen den Terror" maskierten neueren Machtbestrebungen des Westens, dass die Soziale Frage eben nur zurückgedrängt, zugedeckt worden ist vom Westen, der sich damit nicht auseinandersetzen will, dass sie trotzdem weiter wirksam ist und deshalb berücksichtigt werden muss, wenn man nicht bloße Gewaltverhältnisse, wie sie das Streben des Westens mit sich bringen, die aber in die Barbarei führen, an die Stelle gesunder sozialer Verhältnisse setzen will.

Frau Muehlegger wird das wohl auch als "anti-westliche Rhetorik" bezeichnen, auch wenn man diese "Rhetorik" wortwörtlich von us-amerikanischen Autoren abschreiben könnte, die sich sehr wohl der Problematik eines reinen Machtstrebens des Westens bewusst sind, sich Sorgen über die Folgen einer solchen skrupel nur den eigenen Vorteil berücksichtigenden Politik machen (so wurde von dem feinsinnigen, gebildeten Amerikaner Chalmers Johnson in seinem Buch "Blowback", was sich auf eine Bezeichnung der CIA für ungewollte Rückwirkungen eigener Aktivitäten, Jahre vor den Attentaten vom 11. September darauf hingewiesen, dass das Handeln der USA solche Folgen haben müsse. In den USA selber wurde das Buch zunächst nicht besonders, eigentlich kaum beachtet, wohl aber außerhalb der USA, die ja von diesen Methoden betroffen war, das änderte sich erst mit dem 11. September) - was ja einen bemerkenswerten Grad von "Aufgeklärtheit" über den eigenen Standpunkt verrät.

Das, was Steiner hier als "Verschwörungstheorie" angelastet wird, ohne dass man natürlich genau wüsste, worum es sich wirklich handelt, gemeint sind seine Darstellungen der Hintergründe des 1. Weltkrieges, genauer des Teils davon, der das Wirken solcher politischen Gruppen ausmacht, die ein Interesse an dem Ausbruch eines solchen Krieges haben konnten, war also gar nicht das, was seinem Engagement hauptsächlich zugrunde lag, sondern da ging es ihm darum, Verständnis für die Soziale Frage zu verbreiten, was er für notwendig hielt, um gesunde soziale Verhältnisse zu schaffen, wie er auch in dem 1. Weltkrieg vor allem eine Folge der nicht berücksichtigten Sozialen Frage, der Geistlosigkeit des damaligen Bürgertums gesehen hat.

Man müsste also wissen: in welchem Zusammenhang hat sich Steiner etwa über die Wirksamkeit des Logenwesens im Westen geäußert, die auch nicht ernsthaft bestritten werden kann (Siehe hierzu die Untersuchungen von Quigley und Sutton - dass Frau Muehlegger Quigley nicht anerkenenn will, ist ihre Sache, ernst nehmen kann man sie damit nicht, da Quigley zum Beispiel auch Lehrer des späteren Präsidenten Bill Clinton war. Und es geht hier nunmal nicht um Meinungen irgendwelcher "Autoritäten", sondern um die Wirksamkeit von Meinungen! Diesen Unterschied macht sie überhaupt nicht, da es ihr nur darum geht, ihre eigene Meinung zu stützen.)? Um einem Wunsch aus der Anhängerschaft nach zu kommen, etwas über die Hintergründe des 1. Weltkrieges zu erfahren! Und nicht etwa aus eigener Ambition, was auch schon für sein übriges Engagement galt, was auf Fragen, Anliegen anderer zurückging, nicht auf eigene Ambition. Seinen Zuhörern gegenüber war es ihm wichtig, dass er nur eine Grundlage für ihr eigenes Urteil schaffen wolle.

Das moralisieren über Politik, die geschichtliche Entwicklung hat nicht viel zu sagen. Vom Westen wird es als taktische Waffe benutzt, wenn etwa der Kaiser als "Kriegsverbrecher" hingestellt wurde, was seiner "historischen Bedeutung" schon zu viel zumutete, aber um Wahrheit ginge es dabei ohnehin nicht, sondern um Propaganda - wobei man sich selber immer von solcher "Moral", mit der man das Handeln der anderen beurteilt, ausnimmt, natürlich. Das hat die Art Heuchelei begründet, die von Leuten wie Noam Chomsky und anderen unermüdlich und seit Jahrzehnten angeprangert wird. Man müsse, um die Haltung der USA überhaupt nur nachvollziehen zu können, immer ergänzen: "We own the world!" - "Die Welt gehört uns!" Das wirkt als innere Haltung, Anspruch, Prätention in solchen Vertretern des Westens, und daraus wird, worauf Steiner schon hingewiesen hatte, unweigerlich äußere historische Realität! - Steiner jedenfalls ging es nicht um solches Moralisieren, was er für die großen Menschheitszusammenhänge, die geschichtsbildenden Impulse ohnehin für nicht anwendbar hielt. Er selber hat sich auch zu den besonderen Aufgaben dieses Westens, etwa, die Welt wirtschaftlich zu erschließen, zu seinem besonderen Talent für das Kosmologische, was sich etwa in der Neigung zu solchen Weltherrschafts-Konzepten ausspricht, wie sie im Westen entworfen werden, aber auch in dem Talent, sich einen großen Überblick über die Menschheitsverhältnisse zu schaffen ...

Dieser historische Prozess lässt sich eben nicht, wie Frau Muehlegger offenbar meint, nach einem festen dogmatischen Glaubensgrundsatz beurteilen, sondern man hat es mit einem komplizieren Zusammenwirken vieler Impulse, Bestrebungen, Richtungen zu tun, die in dem Zusammen- und Gegeneinanderwirken erst das ergeben, was man dann als äußere Geschichte beschreiben kann. Es geht nicht darum, das moralisch zu verurteilen, sondern zu verstehen. Um dieses Verständnis ging es Steiner, da, wie er meinte, die Menschheit immer mehr zusammenwachsen würde in der Zukunft, müsse sie auch mehr über sich erfahren. Es geht auch nicht darum, den Westen zu verteufeln, dass kann einem gar nicht einfallen, wenn man begreift, dass dieser Westen eben der eine Pol der Menschheitsentwicklung darstellt, der da sein muss, sonst gäbe es keine Entwicklung. Man weiß dann aber auch, dass es nicht die Aufgabe Mitteleuropas für die Menschheitsentwicklung sein kann, vom Westen als "Brückenkopf" für seine eigennützigen, selbstsüchtigen Bestrebungen missbraucht zu werden (nachdem es vorher vom Westen für einen auf Europa begrenzten atomaren Schlagabtausch mit dem Osten präpariert worden war, was, nach Meinung eines Experten des Westens, das Ende der mitteleuropäischen Menschheit bedeutet hätte), auch wenn das zunächst das Schicksal dieses Mitteleuropas geworden ist, so hat es doch eigene Aufgaben, zwischen dem Osten und dem Westen, die es sich bewusst machen muss.

Dieser Aufgabe widmete sich Steiner während der ganzen Zeit. Er war sich bewusst, was diesem Mitteleuropa aus den umfassenden, auf die Weltherrschaft gerichteten Machtbestrebungen des Westens blühen würde und sah allein in der von ihm vorgeschlagenen Sozialen Dreigliederung eine Möglichkeit, das mitteleuropäische Volkstum, mit seinen eigenen geistigen, nicht machtpolitischen!, Aufgaben innerhalb der Menschheitsentwicklung zu retten. - Die Entwicklung bis heute, und was sie aus diesem Mitteleuropa gemacht hat, hat ihm Recht gegeben.

Insofern verrät das Reden von "Verschwörungtheorie", das sich ereifern darüber, zu behaupten, dass so etwas bewusst gewollt werden könnte, einfach einen Mangel an Urteil über die Wirklichkeit. Ob etwas im Einzelnen bewusst gewollt wird, hängt doch auch davon ab, was überhaupt veranlagt, möglich ist ist, was als geschichtsbildende geistige Impulse in die Menschheit hineinwirkt - und warum sollte es dann nicht bewusst gewollt werden? - Niemand könnte für die angelsächsische Weltherrschaft bewusst wirken, wenn das nicht durch die im Angelsachsentum wirksamen Instinkte und seine ganzen Weltstellung als Möglichkeit veranlagt wäre. - Selbst, wenn es keine "Verschwörungen" gäbe, solche Ziele also bewusst angestrebt würden - nach Steiner wurden sie auch bewusst angestrebt - hätte man es immer noch mit der Tatsache zu tun, dass der Westen, das Angelsachsentum in der Menschheitsentwicklung dafür prädestiniert ist, nach äußerer Macht zu streben und diese äußere Macht dazu zu verwenden, einen äußeren Zusammenhang in die Menschheit zu bringen.

Das alles nicht zu berücksichtigen, davon nichts zu wissen, oder nichts davon wissen zu wollen, ist schon eine moralisch-intellektuelle Verantwortungslosigkeit, um kein stärkeres Wort zu verwenden. - Was weiß denn Frau Muehlegger von Steiners damaligen Engagement? Seine Vorträge in denen er die sozialen Verhältnisse "geisteswissenschaftlich" analysiert, seine eigene Soziallehre entwickelt, sein öffentliches Wirken für eine Soziale Dreigliederung, verbunden mit zahlreichen Vorträgen vor bürgerlichen Zuhörern und "tausenden" Industriearbeitern, sein Engagement innerhalb der Betriebsrätebewegung, seine Gedanken für eine neue Wirtschaftsordnung (die in letzter Zeit zum Beispiel von dem amerikanischen Wissenschaftlicher Guido Preparata in seinem 2005 erschienenen Artikel Perishable Monea in a Threefold Commonwealth: Rudolf Steiner and the Social Economics of an Anarchisst Uopia gewürdigt hat)? Ich vermute: gar nichts!

Steiner machte auch nicht das Machtstreben des Westens, das nicht ernsthaft geleugnet werden kann, allein für die Katastrophe des 1. Weltkrieges verantwortlich, sondern die Unfähigkeit, auf die Soziale Frage, die innerhalb der neueren Menschheitsentwicklung heraufgezogen war, zu reagieren - was ja vor allem die Schuld des mitteleuropäischen Bürgertums gewesen wäre. Dass dieses stattdessen einem Macht- und Glanz-Gepränge huldigte, was nur eine hohle Fassade war, kann niemals als Wille interpretiert werden, sich in eine solche Situation zu bringen, wie sie der 1. Weltkrieg für Mitteleuropa geschaffen hat.

Will man Kritik an dem damaligen deutschen Bürgertum üben, dann findet man dafür schon bei Steiner selber genug "Material". Das alles wird von solchen "Kritikern", die natürlich kaum etwas wissen von Steiner, unterschlagen. Sie tun so, als läge in dem, was Steiner auf Wunsch seiner Anhänger über die Hintergründe des 1. Weltkrieges geäußert hat, das treibende Motiv für sein eigenes Handeln - wo es ihm nur um die Wahrheit ging.

Frau Muehlegger hat noch weitere Rezensionen zum Thema "1. Weltkrieg" geschreiben, überwiegend zu englischen Büchern. Bei Amazon.com gibt es weitere solche Rezensionen von einer Rezensentin desselben Namens verfasst. Ich nehme an, dass es sich um dieselbe Person handelt. Dort wird der Standpunkt vertreten, der mir auch ihrer "Rezension" des Osterrieder Buches zugrunde zu liegen scheint, zumindest würde er die "Heftigkeit" der Reaktion erklären, dass die deutsche Führung den Krieg gewollt hätte, aus einem "arroganten" Streben nach "Hegemonie" in Europa, was von einem Kommentator als einseitig und nicht überzeugend bewertet worden ist. (an dem globalen Hegemoniestreben des Westens scheint die Autorin keinen Anstoß zu nehmen) Das Attentat von Sarajewo wäre demnach nur ein Vorwand, die Gelegenheit für die deutsche Führung gewesen - also etwa wie die Anschläge vom 11. September ein willkommener Vorwand für gewisse Kreise in den USA waren, den Irak und Afghanistan angreifen, und den weltweiten "Kampf gegen den Terror" in Szene setzen zu können.

Diese Ansicht wird von den Erinnerungen (an seine Frau und von ihm nicht für die Veröffentlichung bestimmt) von von Moltke widerlegt, der im Mittelpunkt der damaligen Ereignisse stand, als es um die Frage ging, wie man auf die Mobilmachung Russlands, dann Frankreichs reagieren soll? Diese Erinnerungen hatte Steiner damals herausgeben wollen, da aus ihnen gerade das hervorgeht, dass es eine deutsche Politik, die gewusst hätte, was sie will, gar nicht gegeben hat:

Man erwartete, wie von Moltke berichtete, auf ein Zeichen von England, als man ein solches meinte erhalten zu haben, wollte der Kaiser sofort den Aufmarsch im Westen, in dem von Moltke eine militärische Notwendigkeit sah, stoppen lassen, es hätte eine euphorische Freude geherrscht, berichtete von Moltke, dass der Krieg nun doch vermeidbar schien - dann kam das Dementi von dem englischen König: er wüsste nichts von so einer Neutralitätsversicherung durch England gegenüber dem Deutsche Reich, worauf der Kaiser von Moltke sagte: jetzt könne er machen, was er wolle, d.h. das, was sich ihm als das militärisch Notwendige darstellte. - Nach "Kriegstreiberei", einem Vorsatz einen solchen Krieg zu entfesseln, bei dem man sich leicht ausrechnen konnte, einer Übermacht gegenüberstehend, dass es hier um Sein oder Nicht-Sein ging, keinewegs aber um ein koloniales Abenteuer, sieht das jedenfalls nicht aus.(Wer sich für die Haltung Steiners zu der Frage der "Schuld" am 1. Weltkrieg und die Rolle der deutschen Führung und von Moltkes interessiert, der sei besonders auf das Vorwort Steiners zu diesen Erinnerungen hingewiesen!)

Mir scheint dem "Engagement" von Frau Muehlegger der folgende emotional-ambitionierte Zusammenhang zugrunde zu liegen: die "Schuld" am Ausbruch des 1. Weltkrieges - nach Steiner kann man sinnvoll nicht über eine solche Schuld sprechen, da es Tragik war und die Folge einer verfehlten Entwicklung und einsichtsloser Politik, der Hinweis auf den Rechtsradikalismus bei uns, vielleicht, wenn man sich nicht zu dieser Schuld "bekennt", die Unterstellung einer "anti-westlichen Rhetorik" bei Osterrieder, womit man den Rechtsradikalismus und den "Glauben" daran, dass Deutschland eine Kolonie der USA sei, was natürlich eine lustige Zumutung ist, das nicht "glauben" zu dürfen, wo es doch eine Tatsache ist! - was ursächlich für Frau Muehlegger miteinander zusammen zu hängen scheint. - Das würde erklären, warum sie so "furios" die "Verschwörungstheorie-Keule" schwingt, die ihr zunächst einmal selber vors Bein geschlagen ist.

In einer solchen Rezension auf Amazon.com - von Frau Muehlegger oder ihrem "Double" - wird über das aktuelle Buch von Christopher Clark, "Die Schlafwandler usw.", so geurteilt, als handele sich hier um den vergeblichen Versuch, etwas zu relativieren. Was relativieren? Der Vorsatz der deutschen Führung, einen solchen Krieg, der natürlich für jedes nüchterne Urteil ein Wahnsinn gewesen wäre, der mit allen Mitteln hätte verhindert werden müssen, an zu zetteln! - Woran sich die Frage anschließt, wieso es wichtiger sein kann, auf den Glauben an eine solche Schuld zu bestehen, wozu für Frau Muehlegger offenbar auch der Glaube an das Gute im Westen gehört, Wert zu legen und nicht - auf die Wahrheit? Die anderen würde das "kalt lassen", was jemand wie Osterrieder "glauben" würde, seine "Geschichtsmetaphysik", sie selber jedenfalls hat das ganz und gar nicht "kalt gelassen", sondern sie dazu verführt, über etwas zu urteilen - wovon sie keine Ahnung hat.
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am 21. Mai 2014
Wie man an der derzeitigen Ukraine-Frage sieht, ist das in dem Buch bearbeitete Thema - hervorgegangen aus einer mehr als vierzehnjährige Forschungsarbeit - wieder aktuell, im besten Sinne dieses Wortes.
Daher wird sich die Lektüre auch für all jene lohnen, die der Anthroposophie bestenfalls neutral gegenüberstehen.
Dass Rudolf Steiners Haltung zur Nationalitätenfrage, und zum ersten Weltkrieg allgemein, auf Fakten gründete und nicht auf eine etwaige Verschwörungstheorie, das belegt diese umfassende Materialsammlung bestens.
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am 30. September 2014
Gleichwohl soll der Leser schon auf geschichtlich festen Boden stehen, sonst wird er im Wirbel der Namen und beziehungen in historisches Dickicht hineingeführt.
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