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Die Eingangsgeschichte mit dem offenbar in verbrecherischer Absicht geplanten Rendezvous erzählt Crichton zu durchsichtig, als das die mörderische Wendung richtig überraschen könnte. Was aber danach kommt, raubt einem schier den Atem. Denn die Aktion steht in direkter Verbindung mit einer militanten Umweltschutzorganisation, die ganz Kalifornien unter einen riesigen Tsunami begraben will. Das Geld bekommen die Ökoterroristen von der scheinbar harmlosen Organisation NERF, die von dem Millionenerben und Lebemann George Morton finanziell unterstützt wird. Morten glaubt, mit seinen Spenden ein gutes Werk zu tun: bis er der Verschwörung auf die Schliche kommt und nun in die Pflicht genommen wird, das ungeheuerliche Vorhaben der Extremisten zu verhindern.
Für einen handfesten Skandal ist Michael Crichton immer gut. Im Buch zum Erfolgsfilm Entüllung mit Demi Moore und Michael Douglas in den Hauptrollen war es das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, die hier von einer Frau ausging: nicht nur für Feministinnen ein echter Aufreger. Bei Welt in Angst könnten sich die Umweltorganisationen provoziert fühlen, und das aus gutem Grund. Denn die Vorstellung, dass Umweltschützer eine Naturkatastrophe initiieren könnten, um Angst vor der Klimaveränderung zu schüren, ist schon starker Tobak. Gerade vor dem Eindruck der großen, durch einen Tsunami ausgelösten Flutkatastrophe in Südasien zum Jahreswechsel 2004/2005 hat der Roman auf gespenstische Weise erschreckende Aktualität gewonnen. So oder so, echten Crichton-Fans wird die Glaubwürdigkeit oder politische Korrektheit der Story ohnehin egal sein. Denn Welt in Angst ist wieder einmal spannende Unterhaltung der Extraklasse. --Stefan Kellerer
Lebenslauf von Michael Crichton
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1942: Am 23. Oktober wird John Michael Crichton in Chicago geboren.
1960: Crichton beendet die Roslyn High School auf Long Island, New York, mit guten Noten und dem Ruf, ein erstklassiger Basketballspieler zu sein. Er beschließt, in Harvard Englisch zu studieren, leidet aber bald unter der überzogenen Kritik eines seiner Professoren. Crichton rebelliert und gibt einen Essay von George Orwell unter seinem Namen ab. Der Professor bemerkt den Schwindel nicht und gibt ihm auch diesmal nur eine mäßig gute Note. Nach diesem Erlebnis wechselt er zum Studium der Anthropologie.
1964: Crichton promoviert mit summa cum laude in Harvard im Fach Anthropologie. Er besucht als Gasthörer die Cambridge University und erhält das Henry Russell Shaw Travelling Fellowship, ein Reisestipendium, das ihn nach Europa und Nordafrika führt. Nach seiner Rückkehr in die USA studiert er an der Harvard School of Medicine. Um Geld zu verdienen verfasst er nebenbei unter verschiedenen Pseudonymen Spionagethriller. Eines dieser Werke mit dem Titel A Case of Need erhält 1968 den Edgar Allen Poe Preis der Mystery Writers of America.
1969: Crichton macht seinen Abschluss an der Harvard School of Medicine und bekommt eine Postgraduierten-Stelle am Salk Institute for Biological Science im kalifornischen La Jolla. Seiner medizinischen Karriere kommt allerdings seine erste Veröffentlichung unter eigenem Namen -- Andromeda -- in die Quere. Dieser Roman über eine apokalyptische Epidemie klettert in die Bestsellerlisten und wird erfolgreich verfilmt . Über seinen Entschluss, sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren, sagt Crichton: Die Entscheidung, die Medizin für die Schriftstellerei aufzugeben, kam den meisten Leuten so seltsam vor, als würde jemand seine Stelle als Verfassungsrichter verlassen, um Privatdetektiv zu werden.
1972: Mit Endstation erscheint ein zweiter Roman Crichtons unter seinem Namen. Auch werden zwei seiner unter Pseudonym veröffentlichten Werke -- Dealing und A Case of Need -- verfilmt. Nachdem er die Dreharbeiten miterlebt hat, beschließt Crichton, sich auch als Regiesseur zu versuchen. Bis zum heutigen Tag hat er bei sieben Filmen Regie geführt, darunter der erfolgreiche Science-Fiction Film Westworld aus dem Jahr 1973, der als erster Film Computer-Effekte einsetzte.
1980: Von seinem anthropologischen Wissen und seiner Begeisterung für neue Technologien lebt Crichtons Roman Congo -- ein Bestseller über die Suche nach Industriediamanten und eine neue Gorillaart. Das Buch erinnerte an die Abenteuerromane eines Henry Ryder Haggard, bereicherte das Genre aber um das Thema Hightech. Auch wenn dieser Roman aus heutiger Sicht veraltet wirken mag, hat er doch das Werk Crichtons geprägt und seinen Ruf als Vater des Technothriller begründet.
1990: Nach seinem Unterwasserabenteuer Sphere -- Die Gedanken des Bösen und einer Einladung ans Massachusetts Institute of Technology im Jahr 1988, beginnt Michael Crichton die 90er Jahre mit einem Buch, das sein erfolgreichstes werden sollte: Jurassic Park. Der Roman ist ein hervorragende Beispiel für Crichtons Fähigkeit, Wissenschaft und Technik geschickt in sein Werk einzubauen. Der spannende Thriller, in dem eine Gruppe von Wissenschaftlern auf einer Insel mit geklonten Dinosauriern strandet, dreht sich um die Themen Gentechnologie, Chaostheorie und Paläontologie und wurde von Steven Spielberg verfilmt. Sowohl Buch als auch Film trugen zur allgemeinen Begeisterung für Dinosaurier maßgeblich bei.
1995: In Erinnerung an seine Zeit an der Harvard School of Medicine entwickelte Crichton die Fernsehserie Emergency Room. In diesem Jahr gewinnt die Serie acht Emmys und Crichton bekommt den Preis der Producers Guild of America in der Kategorie Fernsehserie. Emergency Room spielt in einer irrsinnig stressigen und oft auch lebensgefährlichen Notaufnahme eines Chicagoer Krankenhauses und besticht durch Tempo und den bereits zu Crichtons Markenzeichen avancierten Einsatz von technischem Hintergrundwissen und Fachjargon. In diesem Jahr erscheint auch der Roman Vergessene Welt, der die Leser zum zweiten Mal auf die gefährliche Dinosaurier-Insel entführt.
2000: Weil Michael Crichton mit seinen Büchern die Paläontologie populär gemacht hat, wird zu seinen Ehren ein im Süden Chinas entdeckter Dinosaurier nach ihm benannt. Der Crichton Ankylosaurier ist ein kleiner Pflanzenfresser aus der frühen Jurazeit und lebte vor ca. 180 Millionen Jahren. Zu dieser Ehre sagte Crichton: Für einen Menschen wie mich ist das mehr wert als jeder Oscar.
2004: Crichtons neuester Thriller Welt in Angst erscheint.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Jetzt sitze ich hier als guter Mensch und Anhänger der Ökobewegung, der kein Fleisch ißt, Produkte meidet, die an Tieren getestet werden, und sein Bestes tut, damit die Welt wieder ein Gleichgewicht findet. Und dann kommt Michael Crichton daher und sagt mir, daß die Welt noch nie im Gleichgewicht war und der große Fehler der Menschen darin besteht, daß sie denken, sie hätten die Aufgabe ein Gleichgewicht zu erzeugen. Er sagt mir auch, daß Mitgefühl eine gute Sache ist, daß meine Aktionen sich sicher lohnen, daß ich aber einen fatalen Fehler mache, wenn ich nichts von den Fakten weiß.
Ich weiß wirklich wenig von den Fakten, ich spiele gerne einen auf Ignorant, weil es einfach zu viele Fakten und Blickwinkel gibt. Dann habe ich mich auf Crichtons neuen Roman eingelassen und muß sagen, daß mich die Fakten darin mehr als erschüttert haben. Und weil es mich wurmt, ahnungslos dazustehen, war es an der Zeit in Aktion zu treten. Ich machte mich daran, die Fakton von Crichton zu untersuchen. Es wurde eine mühevolle Reise, Crichton bot die Fußnoten, Querverweise und literarischen Quellen, das Internet tat den Rest.
Der Mann hat Recht. Ich wiederhole es noch einmal, weil es eine recht deprimierende und gleichzeitig auch euphorisierende Feststellung ist - der Mann hat Recht. Er hat einen Blickwinkel auf unsere Zeit, der mich einiges gelehrt hat. Sicher kann man sagen, daß die heutigen Katastrophen solch ein Buch widerlegen, aber das ist schon ein wenig albern, denn darum geht es nicht in Crichtons Roman. Es geht um uns und die Medien, die uns pausenlos on the edge halten; es geht um diesen Planeten, unsere Ahnungslosigkeit und Arroganz und die Schwarzmaler, die sich unser Unwissen zunutze machen. Es geht um das kurze Wort Angst mit dem sich jeder von uns lenken läßt.
Ich will hier nicht, die Gründe, Hintergründe und Erklärungen wiedergeben, dafür hat Crichton einfach ein viel zu cleveres Buch geschrieben, das eine große Menge von Leuten ausgesprochen hassen werden. Aber so war Crichton von Anfang an, bevor er sich in die etwas seichteren Themen begab und Kinder durch den Jurassic Park jagen ließ oder mit Rittern spielte. Sein neues Buch erinnert in seiner Direktheit an die ersten Romane, die durchweg Perlen waren und einen Schriftsteller zeigten, der nicht tief in der Gefühlskiste der Menschen kramt und vierzig Seiten braucht, um einen Charakter zu beschreiben. Er zeichnet die Personen einfach, sie sind entweder stark oder schwach, fies oder nett, es gibt kein dazwischen, denn Crichton geht es um Fakten, und er verpackt sie in Spannung - eine gute Kombination für alle, die keine Lust auf den trockenen Stil von Sachbüchern haben.
Da ich das Buch im Original gelesen haben, war ich gespannt auf die Übersetzung. Und da setzt es einiges. Die Zensur muß in Form des Lektorats zugeschlagen haben. Einige Fakten müssen dem deutschen Blessing Verlag doch zu brenzlig gewesen sein, daß er sie einfach rausschnitt. Ein Beispiel.
Auf Seite 450 ganz unten und übergehend zu Seite 451 gibt es eine Passage, in der Hoffmann sagt:
"Wir haben noch gar nicht über die Involution gesprochen."
Die Antwort von Evans ist ein dämliches:
"Darüber reden wir ein andermal."
Im amerikanischen Original auf Seite 459-460 klingt das ganz anders. Evans sagt: "Professor---" und darauf spricht der Professor weiter und sagt:
"Es ist der nächste Schritt in der Entwicklung der Nationalstaaten. Tatsächlich passiert es schon. Sie müssen die Ironie dahinter sehen. 25 Milliarden Dollar und zehn Jahre später kauft die reiche Elite, die furchtbare Angst vor Magnetfeldern und Krebs durch Stromleitungen hatte, Magneten ein und wickelt sie sich um die Fußknöchel oder schiebt sie unter ihre Matratzen, um die gesunden Effekte von magnetischen Felden zu nutzen. Es sind dieselben magnetischen Felder wie zuvor, nur jetzt können sie nicht genug davon bekommen."
Ich weiß nicht, wie man das sonst noch nennen kann, für mich ist das eindeutig eine Zensur. Vielleicht ist der Verlag ein Fan magnetischer Felder, vielleicht wollten sie keinen Ärger mit den Importeuren von Fußbändern haben oder dachten sich einfach, das merkt so und so keiner. Es ist definitiv nicht die einzige Zensur, dem Rest der geschnittenen Szenen kann sich jeder selbst widmen. Ich rate zum Original, es sagt einfach mehr und niemand filtert die Worte.Und auf das Haupt des Lektors und das des Verlages möge Asche fallen. Es ist schon sehr peinlich, wenn im Jahre 2005 solche Zensur stattfindet.
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