Die Handlung des Buches dient zwei Zwecken: Einerseits soll die Funktionsweise von Umweltorganisationen gezeigt und andererseits eine Argumentation zum Thema Klimawandel auf der Grundlage von Fakten geführt werden. Darüber hinaus ist es natürlich auch ein Thriller.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Charaktere sind bei den wichtigen Personen gut gezeichnet und die Handlung ist spannend. Lediglich am Schluss geschieht alles ein wenig schnell: Woher weiß Morton, wo der Tsunami ausgelöst werden soll? Was geschieht mit Drake? Wer ist Kenner wirklich?
Man sieht in dem Buch, dass es sich auch bei Umweltorganisationen nur um eines dreht: Die Beschaffung von Geld. Der Präsidentendarsteller Ted Bradley veranschaulicht sehr gut den Typ des Gutmenschen: Zur Schonung der begrenzten Ressourcen sollen die armen Wilden schön in der Wildnis leben (da ist es ja angeblich sowieso schöner und lebenswerter - ohne Essen und Medikamente und Fernsehen usw.) und uns unseren Lebensstandard nicht weg nehmen. Eine eigene Industrialisierung sollen die Entwicklungsländer nicht bekommen, sondern statt dessen von Entwicklungshilfe abhängig gemacht werden. (Die häufig geforderte "lokale Wirtschaft" als Ersatz für die Globalisierung ist das Gleiche.) Andernfalls wäre ja in Zukunft weniger bzw. keine Hilfe mehr notwendig und die Hilfsorganisationen müssten sich einen anderen Zweck suchen ... Um auf sich aufmerksam zu machen, denken sich die Organisationen Aufsehen erregende Aktionen aus (die im Buch tödlich sind). Alles in allem ist das Bild von den Umweltschutzorganisationen gut gezeichnet, auch das Reisen zu Konferenzen mit dem Flugzeug (obwohl man eigentlich die Umweltverschmutzung und den Energieverbrauch bekämpft) und die Notwendigkeit, selbst mehrere Häuser oder Autos zu besitzen, werden geschildert. Es ist erschreckend, wie wenig Bradley von den Fakten weiß (nämlich fast nichts). Man sehe sich nur die Aktion zu der Bohrinsel "Brent Spar" an - das war alles völlig unnötig, hat viel Geld und Energie gekostet und keinen ökologischen Nutzen gehabt (vielmehr wurde den Unterwassertieren ihr Lebensraum an dem künstlichen Riff Bohrinsel genommen). Aber es war eben eine großartige PR-Aktion und brachte Spenden, was das einzig Wichtige daran war.
Die im Buch aufgeführten Fakten zum Klimawandel sind aufschlussreich und entsprechen z. T. dem, was im "Lexikon der Öko-Irrtümer" von Maxeiner / Miersch steht. Man sollte sich die Mühe machen, auch das Literaturverzeichnis zu lesen; dort stehen u. a. Daten zur Sonne und zu Aerosolen. In dem dort empfohlenen Lehrbuch von Frances Drake wird bestätigt, dass der Effekt der Verstädterung bislang vernachlässigt wurde. Dass das älteste und primitivste Klimamodell die besten Aussagen machte, spricht für sich.
Wenn man die im Buch angeführten Daten ausrechnet, ergibt sich folgendes Bild:
+ 1,00 Grad Celsius - max. Erwärmung im 20. Jahrhundert
- 0,35 Grad Celsius - Verstädterungseffekt
- 0,25 Grad Celsius - Sonnenaktivität (30 bis 50 Prozent; im Beispiel 40 Prozent)
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= 0,40 Grad Celsius - andere Einflüsse inkl. CO2
Man sollte deswegen den Anstieg der CO2-Werte und die Erwärmung nicht dramatisieren (zur Zeit der Wikinger, Römer und Ötzis war es nachweislich ein bis zwei Grad wärmer), aber alles tun, um Energie zu sparen (z. B. durch mehr Effizienz und Emissionshandel). Außerdem sollte man mehr forschen und Geld in den Bau von Deichen stecken.
Die Besprechung der Aerosole (Staub in der Luft) hat mich irritiert: Sie kühlen die Erde in einem bislang unbekannten Ausmaß ab. Es könnte also sein, dass die deutsche CO2-Reduzierung (da sie vor allem die Luft verschmutzende Werke in der ehemaligen DDR betraf) zu einem wärmeren Klima führt oder nur einen geringen Kühleffekt hat. Das sollte man auch näher untersuchen.
Das Buch ist somit spannend und regt zum Nachdenken an. (Hinweis: Ich habe die amerikanische Originalausgabe "State of Fear" gelesen.)