Das vorliegende Buch gehört zu den Fantasy-Abenteuer-Spielbüchern (auch als Solo-Rollenspiel-Abenteuer bekannt), die man nicht wie gewöhnliche Bücher liest, sondern die den Leser zum interaktiven Helden der Geschichte werden lassen. Fähigkeiten, Geld und sonstige Besitztümer des Helden werden auf einem "Abenteuerblatt" am Buchanfang notiert. Der gesamte Plot ist in nummerierte Abschnitte unterteilt. Am Ende jedes Abschnittes kann bzw. muss der Leser/Held unter zumeist mehreren vorgegebenen Möglichkeiten entscheiden, wie es weitergehen soll. Dann blättert man zu der unter der gewählten Möglichkeit angegebenen Abschnittszahl und liest dort weiter. "Stirbt" der Held während des Abenteuers oder hat er sich in eine Sackgasse manövriert, muss man wieder von vorn beginnen. Je nachdem, welche Wege der Leser/Held durchs Abenteuer wählt, kann man es so immer wieder anders erleben - bis man es erfolgreich beendet hat!
In "DER SCHATZ DER OGER" schlüpfst DU, der Leser, (zum dritten Mal) in die Rolle eines jungen, aber wagemutigen Schmiedegehilfen im phantastischen Königreich Konduula. Diesmal musst du Bolko, deinem nervigen Vetter und Begleiter aus Band 1 und 2, aus der Patsche helfen. Der überhebliche Bolko, der sich zuvor immer mit deinen Lorbeeren geschmückt hat, wollte nun selbst beweisen, was in ihm steckt. Er hat sich in den bedrohlichen Forst von Yorrok gewagt, um den legendären verschwundenen Schatz eines vor langer Zeit besiegten Ogerfürsten zu finden - ein Unterfangen, das natürlich um einige Nummern zu groß für den tumben und feigen Bolko ist. Auf Bitten deiner besorgten Tante machst du dich nun selbst auf den gefahrvollen Weg durch den Forst, um Bolko zu finden (und vermutlich zu retten). Dabei bekommst du es mit eigen- und einzigartigen Wesen und natürlich mit den hünenhaften, menschenfressenden Ogern zu tun. Mit Mut, Glück und Einfallsreichtum kannst du vielleicht Bolko und sogar den sagenhaften Schatz finden!
FAZIT/BEWERTUNG:
"Der Schatz der Oger" ist nach
Das Vermächtnis des Zauberers und
Geisterspuk in der Zwergenmine der 3. Band der bislang fünfbändigen "Die Welt der 1000 Abenteuer"-Reihe. Obwohl es Verweise zu den früheren Bänden gibt, ist er jedoch durchaus unabhängig davon spielbar. Jeder Band scheint weitgehend in sich abgeschlossen zu sein.
Verglichen mit anderen bekannten Spielbuchserien, z. B. die
FantasyAbenteuer-Spielbücher von Jackson und Livingstone oder die berühmte
Einsamer Wolf-Serie, hat die "Welt der 1000 Abenteuer"-Reihe eher jüngere Leser/Spieler als Zielgruppe. So wird hier z. B. praktisch nicht gekämpft. Zum einen ist der Schmiedegehilfe kein Krieger, zum anderen treten die Gegner stets in der Überzahl oder mit zu großer Stärke auf. Man muss daher Tricks anwenden, zuvor erhaltene Hilfsmittel (z. B. Werkzeuge, magische Gegenstände oder Tränke) benutzen oder einfach erfolgreich fliehen, um die Gegner zu überwinden. Wo im Abenteuer das Glück oder "das Schicksal" über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, muss der Leser eine Zeichnung mit Runen am Ende des Buches verwenden. Man tippt zufällig auf eine der Runenabbildungen und liest im aktuellen Abschnitt nach, wie und wo es daraufhin weitergeht. Anders als in den erwähnten Spielbuchserien verfügt der Held auch nicht über Zahlenwerte, durch die seine Kampffertigkeiten oder körperlichen Eigenschaften dargestellt werden, und die den Erfolg seiner Handlungen mitbestimmen. Der Schmiedegehilfe verfügt lediglich über ein besonderes Talent (z. B. Tiersprache oder Schriftenkunde), das man zu Spielbeginn aus fünf Möglichkeiten auswählen darf. So erhält der Spieler zeitweise leider eher das Gefühl, die Situation um sich herum selbst nicht genug beeinflussen zu können. Anders als bei den erwähnten Spielserien ist die Geschichte auch nicht in etwa 400, sondern in nur 250 Abschnitte unterteilt, so dass sie deutlich kürzer ist. Dagegen besticht die Handlung jedoch durch detailreiche, liebevolle Szenenbeschreibungen und bringt mit dem tollpatschigen, selbstsüchtigen und nervigen Bolko ein durchaus komisches Element ein.
Im Gegensatz zu den ersten Bänden der Reihe beschränkt sich Bolkos Auftritt jedoch diesmal auf das Hinterlassen von Spuren, denen du folgst, und sein persönliches Erscheinen kurz vor Ende des Abenteuers.
Entschädigt wird man dafür durch den Einfallsreichtum des Autors hinsichtlich der merkwürdigen Kreaturen, denen man im Forst von Yorrock begegnen kann, wie feuerspuckende Riesenelefanten, kletternde Baumschweine, vierarmige Affenartige mit grünem Fell, bunt gefiederte Flugechsen und dem bizarren (aus der japanischen Mythologie bekannten) Kappa.
Es gibt viele verschiedene, aber nur einen richtigen Weg durchs Abenteuer - alle sind aber spannend und interessant gestaltet.
SPOILERWARNUNG: Zwei Tipps: Vermeidet, wenn möglich, jedes Zusammentreffen mit den Ogern und findet mehrere Amulette.
Alles in anderem bietet das Buch ein durchaus kurzweiliges Lese- und Spielvergnügen, wenngleich auch eher für Neulinge im Spielbuch-Genre oder für Storytelling-Liebhaber unter den erfahreneren Rollenspiel-Fans geeignet.