wirklich schade, dass ich das Buch nicht gelesen habe, BEVOR ich meine Pinscher Prinzessin angeschafft habe. Wie viel wäre mir erspart geblieben?! Wie viel Zeit habe ich vergeudet mit unsinnigen Futtersuchspielen, mit stundenlangem Üben der Leinenführigkeit, mit Wienerli in der Hosentasche, die dem flüchtenden Hasen vorgezogen werden sollten...Wie viel Geld habe ich verschwendet für Hundeschulen, deren Allheilmittel der Leinenruck ist, für Geschirre, Schleppleinen und sonstige Instrumente...Wie viel Angst habe ich ausgestanden, wenn Bugs Bunny plötzlich in der Nähe einer Straße auftauchte??? Ja, das mit dem Jagen, das kann lange dauern, bis man das im Griff hat, wurde mir gesagt - Jahre lang kann das dauern. Hätte ich doch nur früher gewusst, dass es jemanden gibt, der mir in zwei Tagen zeigt, was ich alles falsch mache! Ein Seminar bei Uli Köppel - und man kommt sich zunächst wie der allergrößte Vollidiot vor. Ist man aber wirklich daran interessiert, eine echte Beziehung zu seinem Hund herzustellen und den eigenen Hund dazu zu bringen, einem freiwillig und immer zu folgen, dann muss man in Kauf nehmen, dass einem ziemlich schonungslos vor Augen gehalten wird, was für ein unfähiger Rudelführer man bisher gewesen ist.
Schon wenige Minuten nach Seminarbeginn muss man sich eingestehen, dass der eigene Hund so wenig Vertrauen in einen setzt, dass er die meisten Dinge lieber schnell selber regelt, bevor das trottelige Frauchen wieder alles falsch macht. Ich fand das traurig und habe ein sehr schlechtes Gewissen, weil ich meinem Hund ein so schlechter Chef war, auf den er sich so gar nicht verlassen konnte.
Viele andere Hundebesitzer haben mich wegen meiner folgsamen Pinscherin beneidet. Sie war wirklich nicht schlecht, sie kam, wenn ich rief, machte Platz, auch auf Entfernung, blieb liegen, konnte allein gelassen werden, ging gut an der Leine... Doch mir war schon immer klar, dass sie das tat, weil ich sie dafür bezahlte" und auch nur, solange kein Hase des Wegs kam oder ein leckerer Zwischenimbiss im Gebüsch lag. Aber ich wollte noch mehr. Ich wollte einen Hund, der meinetwegen folgte, nicht der Leckerli wegen. Natürlich funktioniert Konditionierung, liebe Köppel-Kritiker. Aber warum funktioniert es in einem Wolfsrudel auch ohne Häppchen und Futterbeutel? Was hat der Wolfsrudelchef, was ich nicht hab? Uli Köppel macht es einem klar. In seinen Büchern, seiner DVD und letztendlich während eines Seminars, ohne das man nicht auskommt, will man das Rudelkonzept richtig verstehen.
Ich bin heilfroh, dass ich Uli Köppel kennen lernen konnte, bevor ich vielleicht noch mit Clickern und Dog Dancing begonnen hätte und mich so vollkommen lächerlich vor meinem Hund gemacht hätte.
Diejenigen, die in ihren Rezensionen kopfschüttelnd die angeblich vollkommen veralteten Methoden des Nackenschüttelns und auf den Rücken Werfens anprangern, die sollen doch mal beim nächsten Hundetreff das Verhalten ihrer Vierbeiner beobachten, anstatt übers Wetter, über Fußballergebnisse oder neueste Agility-Ticks zu quatschen. Dann werden sie nämlich sehen, dass die lieben Kleinen sich keineswegs gegenseitig Leckerli zustecken, sondern ziemlich klare Hunde-Worte" reden. Dazu muss man noch nicht mal Biologe oder Verhaltensforscher sein. Wenn man allerdings selber diese Sprache sprechen will, die übrigens wirklich veraltet ist, denn Hunde/Wölfe sprechen sie seit Jahrtausenden, dann braucht man jemanden, der sie studiert" hat und einem beibringen kann- jemanden wie Uli Köppel zum Beispiel.
Bei artgerechter Disziplinierung handelt es sich auch keineswegs um Gewalt. Wer auf einem Seminar mit eigenen Augen gesehen hat, wie dankbar die Hunde sind, dass endlich mal in klaren Worten" geredet wird, wie schnell sie sich darauf einlassen und wie wenig übel sie es dem Chef nehmen, wenn er ein Verbot durchsetzt, der wird keine Zweifel mehr an der Wahrheit des Rudelkonzepts haben.
Darum kann ich dieses und auch die anderen Bücher nur empfehlen, sie sind keine Ratgeber und keine Anleitungen, sie sind die Tür in eine andere Welt - in die Welt unserer Hunde.