Radikal subjektiv im besten Sinn, zugleich fern jedweder Befindlichkeitsliteratur, ist hier ein Dichter am Werk, der zur Sache geht, expliziert die Wiener Dichterin Adelheid Anna König im Vorwort zu dem Gedichtband Wellenbrand des Braunschweiger Autors Michael Zoch. Mit seinem kraftvollen, oft die Bilder aus den Wörtern herausbrechenden Stil gelingt dem Dichter eine subjektive Bestandsaufnahme seiner Welt. Dabei schwingt immer die warme Ironie des Seins mit. So tituliert er sich schon im ersten Gedicht, als den Wortkasper des Lesers, spricht im Gedicht Crashtest von den Geeichten Visagen/im menschlichen Zoo. Klar rhythmisch und mit gekonnten Zeilenbrüchen entwirft er eine eigene poetische Struktur, bricht die Schalen sogenannter Tabus mit seiner voyeuristischen Offenheit auf. In dem Gedicht Feierabend heißt es ganz unprätentiös und tonsicher: nach sechzehn kaum gefühlten Stunden/schwingt jetzt des Abend fette Wampe/zur Tür herein, die offen ist/für den Fall der Fälle. Die lebendig sinnlichen Gedichte von Michael Zoch beziehen ihre Energie aus der Fähigkeit des Dichters, klar, radikal und ohne Berührungsängste seine Umwelt und sich selbst zu betrachten. Das Gedicht Femme Fatale beginnt Ich schwängere Dich/simultan,/...,/schweige dich brünftig/ inmitten des lautesten Lebens von allen, In allen Gedichten ist die poetische Ausgangssituation die Welt im Kleinen und Großen jenseits jedes Schubladendenkens. Diese Lyrik tanzt, umgeben von Fallstricken und Gefühlswirren, durch Fleischeslust, Sehnsucht und verortete Räume, ihren eigenen Stil. Ich liebte Dich dereinst/Wie Schnee,/Den Gott/Ins/Narbenherz/Mir goss ... Die produktive Unruhe der Texte geht auf den Leser über. Engagiert, ideenreich sowie mit feiner Ironie kommt diese ausdrucksstarke Wortkunst daher und sorgt für eine in jedem Sinne und jeden Sinn anregende, grenzüberschreitende Kommunikation. Kein Leser sollte Scheu haben sich in diesen Wellenbrand zu stürzen. Er wird es nicht bereuen.