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Produktinformation
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Der eine Ort des Geschehens ist das Haus der Generalin von Palkow. Zur Sommerfrische versammelt sie am Strand ihre Großfamilie: die Tochter Bella mit ihren zwei Töchtern und dem Sohn sowie deren Ehemann. Der andere Ort ist ein kleines Fischerhaus, in dem ein äußerst exotisches Paar wohnt: Doralice, eine wunderschöne Gräfin, die ihrem alten Ehemann mit einem Maler davongelaufen ist. Mit eben diesem Hans Grill lebt die gesellschaftlich geächtete Doralice hier an dem Badeort. Doralice hat etwas gewagt, wovon 1910 viele träumten: Sie hat sich aus ihrer unglücklichen Ehe befreit, hat sich von ihrem Maler entführen lassen. Doch wenngleich der immer von Freiheit spricht, fühlt sie sich nicht zu Hause, unverstanden, unglücklich. Doralice ist für die Frauen eine Gefahr, für die Herren von Interesse. Obwohl ein Zusammentreffen dieser beiden Welten um jeden Preis vermieden werden soll, kommt es in der Hitze des Sommers zu folgenschweren Begegnungen.
Der baltische Fontane, wie von Keserling oft genannt wird, schrieb mehrere Erzählungen und Romane, Wellen erschien 1910. Alle spielen im ehemaligen Herzogtum Kurland und beschäftigen sich mit der Lebenssphäre des baltischen Adels. Eduard von Keyserling (1855 bis 1918) studierte als Spross eines kurländischen Adelsgeschlechts Jura, Philosophie und Kunstgeschichte, bis er wegen einer Unkorrektheit abbrechen musste. Bis 1895 verwaltete er, gesellschaftlich isoliert, die mütterlichen Güter und ging dann nach München. Er zählte hier zur Schwabinger Boheme. Bereits 1897 erkrankte er an einem Rückenmarksleiden und erblindete mit 45 Jahren. 1918 starb er in München.
Burghart Klaußner bekannt vom Fernsehen, Kino und von der Bühne liest diese gebrochene Sommeridylle. Mit beeindruckendem Einfühlungsvermögen und großer Geschicklichkeit macht er das Figurenensemble lebendig: die bestimmte Generalin, die verunsicherte Doralice, Hans, der Abgeklärte und Gerechte, den verliebten Hilmar ... Seine gesprochenen Dialoge sind brillant. Klaußner interpretiert den Strand, das Meer, die Dünen, die Heide und die einfachen Menschen als die eine Kraft, er spürt aber auch die tiefer liegenden Seiten auf: die Spannung und das Schweigen zwischen dem Liebespaar, die Ängste und Wünsche hinter den starren Konventionen, den Wunsch nach Tun. Gekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 210 Minuten, 3 CDs. Mit Booklet. -- culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Und nach der Lektüre von Keyserlings Roman „Wellen", Band 30 aus der Reihe der Süddeutschen Zeitung kann ich sagen, dass ich noch selten ein Werk eines mir unbekannten Autors gelesen habe, das mich sprachlich so begeistert hat. Keyserling beschreibt im Wesentlichen einige Tage im Leben verschiedener Personengruppen an der Kurischen Nehrung (ein Küstenlandstrich, der teilweise im heutigen Litauen, teilweise in Russland liegt). Das Aufeinandertreffen der Familien von Palikow / von Buttlär mit dem Maler Hans Grill und vor allem mit dessen Ehefrau, der hübschen Gräfin Doralice, die unlängst ihren Gatten, den Grafen Köhne eben wegen des jungen Malers verlassen und damit gegen alle Standesregeln verstoßen hatte, verursacht nicht erst mit der aufkeimenden Liebe des Verlobten eines Familienmitgliedes jede Menge Wirrungen und Irrungen.
Es ist weniger die Geschichte an sich, die fasziniert, es ist die Sprache Keyserlings und es die Weisheit, die aus der Geschichte spricht. Weisheit wird offensichtlich nicht alt, und der Roman Keyserlings aus dem Jahre 1911 ist schließlich beinahe vor einem Jahrhundert geschrieben.
Ein kurzer Dialog zwischen dem Maler Hans Grill und seiner Frau: >> Du Hans, bist du eigentlich böse?<< >>Nein, warum?<< erwiderte er. ... >> Nein, ich bin nicht böse. Warum sollte ich böse sein? Vielleicht, weil die da sich möglicherweise in dich verlieben? Das ist ihr Recht. Das ist erklärlich. Aber das kann doch an uns nicht heran. ... Nein, das wirst du nicht erleben, dass ich knurrend um dich herumgehe. Mir würde vor mir selber ekeln. Wenn du mein bist, weil ich jedem, der mir nahe kommt, die Zähne zeige oder weil ein anderer mir nicht beizeiten die Zähne gezeigt hat, dann bist du überhaupt nicht mein und ich will eine Frau, die mich liebt, und nicht eine Beute - und - ich denke, wir gehorchen reineren Gesetzen - und es ist auch gar nichts geschehen, warum sollte ich böse sein"<< Das ist vollkommen nachvollziehbar und dennoch zeigt Keyserling, dass Hansens Rechnung nicht aufgeht.
Nach einigen ein klein wenig enttäuschenden Romanen aus der SZ-Reihe ist „Wellen" ein von mir uneingeschränkt empfehlenswertes Werk, dem ich gerne 5 Sterne gebe.
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