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Wellen [Gebundene Ausgabe]

Eduard von Keyserling
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Audiobook-Rezensionen

In stimmungsvollen Bildern schildert dieser baltische Sommerroman das Schicksal völlig unterschiedlicher, sich fremder Menschen. Das Meer und die Nähe des abgelegenen Ostseebadeort verbindet sie für kurze Zeit miteinander. Am Ende bleiben außer der Kraft des Meeres nur zerstörte Träume übrig.

Der eine Ort des Geschehens ist das Haus der Generalin von Palkow. Zur Sommerfrische versammelt sie am Strand ihre Großfamilie: die Tochter „Bella“ mit ihren zwei Töchtern und dem Sohn sowie deren Ehemann. Der andere Ort ist ein kleines Fischerhaus, in dem ein äußerst exotisches Paar wohnt: Doralice, eine wunderschöne Gräfin, die ihrem alten Ehemann mit einem Maler davongelaufen ist. Mit eben diesem Hans Grill lebt die gesellschaftlich geächtete Doralice hier an dem Badeort. Doralice hat etwas gewagt, wovon 1910 viele träumten: Sie hat sich aus ihrer unglücklichen Ehe befreit, hat sich von ihrem „Maler entführen lassen“. Doch wenngleich der immer von Freiheit spricht, fühlt sie sich nicht zu Hause, unverstanden, unglücklich. Doralice ist für die Frauen eine Gefahr, für die Herren von Interesse. Obwohl ein Zusammentreffen dieser beiden Welten um jeden Preis vermieden werden soll, kommt es in der Hitze des Sommers zu folgenschweren Begegnungen.

Der „baltische Fontane“, wie von Keserling oft genannt wird, schrieb mehrere Erzählungen und Romane, „Wellen“ erschien 1910. Alle spielen im ehemaligen Herzogtum Kurland und beschäftigen sich mit der Lebenssphäre des baltischen Adels. Eduard von Keyserling (1855 bis 1918) studierte als Spross eines kurländischen Adelsgeschlechts Jura, Philosophie und Kunstgeschichte, bis er „wegen einer Unkorrektheit“ abbrechen musste. Bis 1895 verwaltete er, gesellschaftlich isoliert, die mütterlichen Güter und ging dann nach München. Er zählte hier zur Schwabinger Boheme. Bereits 1897 erkrankte er an einem Rückenmarksleiden und erblindete mit 45 Jahren. 1918 starb er in München.

Burghart Klaußner bekannt vom Fernsehen, Kino und von der Bühne liest diese gebrochene Sommeridylle. Mit beeindruckendem Einfühlungsvermögen und großer Geschicklichkeit macht er das Figurenensemble lebendig: die bestimmte Generalin, die verunsicherte Doralice, Hans, der Abgeklärte und Gerechte, den verliebten Hilmar ... Seine gesprochenen Dialoge sind brillant. Klaußner interpretiert den Strand, das Meer, die Dünen, die Heide und die einfachen Menschen als die eine Kraft, er spürt aber auch die tiefer liegenden Seiten auf: die Spannung und das Schweigen zwischen dem „Liebespaar“, die Ängste und Wünsche hinter den starren Konventionen, den Wunsch nach „Tun“. Gekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 210 Minuten, 3 CDs. Mit Booklet. -- culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Ein ganz und gar sinnliches Buch, eine schöne Liebesgeschichte." (Marcel Reich-Ranicki)

Kurzbeschreibung

Was für Zeiten, was für eine Ironie, als man die Frau oder Witwe eines Generals 'Die Generalin' nannte. 'Wellen' ist eine Sommergeschichte, eine einzige Liebeserklärung an die Ostsee. Schauplatz ist ein Badeort, wo eine adlige Großfamilie die Ferien verbringt. Irritation und zugleich Faszination übt auf alle ein ungewöhnliches Paar aus: die wunderschöne Doralice, die ihren Mann, einen Diplomaten, verlassen hat, um hier mit ihrem Geliebten, einem Maler, zusammenzuleben. Empörung bei den Damen der Gesellschaft, Neugier bei ihren Ehemännern. Es sind die Kinder, die das Schema, das die Sünder von den Gerechten trennt, durcheinanderbringen. Schließlich besiegt der Charme dieser verbotenen Liebe auch die verhärtetsten Herzen.

carpe.com

Eduard von Keyserling wuchs als zehntes von zwölf Geschwistern in der patriarchalischen Adelsgesellschaft der elterlichen Güter in Kurland auf. Er selbst war wegen eines 1877 abgebrochenen Studiums gesellschaftlich isoliert und blieb dies bis zu seinem Tod, obwohl er zeitweise mit der Verwaltung der elterlichen Güter einiges Ansehen hätte erringen können. Früh erblindet, veröffentlichte er zwischen 1900 und 1918 insgesamt sechs Bücher und einige Novellen.

Der Roman Wellen erschien 1911 und beschreibt die Sommermonate einer baltischen Adelsfamilie. Drei Generationen verbringen Mai bis September an der Ostsee. Das Leben ist monoton und langweilig. Die Sonne brennt unbarmherzig, man trifft sich zu Spaziergängen am Strand, ein Ball wird gegeben. Dazwischen Essen, ein paar belanglose Unterhaltungen, Ständedenken, Maßregelungen der jüngeren Generationen. In der Nähe wohnt ein junges Paar, dessen Leben für die Adelsfamilie geradezu revolutionär ist. Doralice, eine ehemalige Diplomatengattin, hat sich von einem Maler entführen lassen. Zuerst wird sie geschnitten, dann lässt sich ein Umgang mit ihr kaum noch vermeiden. Außerdem ist da noch ein Geheimrat, eine wunderbar bucklig-weise, kauzige Figur. Am Ende hat es einen Selbstmordversuch gegeben und das Meer hat den Liebhaber Doralices verschlungen.

Nicht viel Handlung für einen Roman von fast 200 Seiten. Das Leben des ständebewussten baltischen Adels plätschert sanft und schwach im Dämmerzustand dahin. Der Titel Wellen ist nicht nur ein Verweis auf die Natur, sondern auch auf ein Lebensgefühl. Trotzdem ist die Langeweile der dekadenten Adelsgesellschaft keinen Moment langweilig. Dafür sorgen vor allem die abgründigen Zwischentöne des Buches und die wunderbar üppigen Naturschilderungen. Die privilegierten Menschen der Adelsgesellschaft, denen es an nichts fehlt, beschreibt Keyserling als unglücklich. Der eine kann keine Freude empfinden, ein anderer drückt mit seinem Gesicht finstere Schönheit aus, von einer bleichen Erscheinung ist die Rede, ein Mädchen will Selbstmord begehen, weil es gemäß ihres Standes verheiratet werden soll. Niemand ist so recht zufrieden, auch die unkonventionelle Doralice nicht, deren vermeintlich andersartige Beziehung mit dem Maler Hans sich als durch und durch bürgerlich entpuppt. Man mag diese Schilderungen als Ankündigung verstehen, dass diese Gesellschaft wirklich einige Jahre später untergegangen ist.

Allerdings ist Keyselrings Roman auch ein Gesellschaftspanorama, in der Enge und Beschränktheit der Standeskonformität dominieren. Immer wieder sehnen sich die Personen insgeheim nach einer anderen Existenz. Und fast immer hat dieses andere Leben motivisch irgendetwas mit dem Meer zu tun. "Das Land ist eine Unverschämtheit", heißt es an einer Stelle. Es steht im Kontrast zur gesellschaftlichen Langeweile, und die lebendigen Landschaftsschilderungen vermitteln etwas von der Bewegung, die das Leben der Personen nicht hat.

Wellen ist ein realistisch-psychologischer Roman in der Tradition Thomas Manns und Theodor Fontanes -– ein trauriges Gesellschaftsbild einer verblassenden und eingeengten Adelsgesellschaft. --Christoph Steven -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Eduard Graf von Keyserling (1855-1918), geb. auf Schloss Paddern bei Hasenpoth (Aizpute) in Kurland, wuchs als zehntes von zwölf Geschwistern in der patriarchalischen Adelsgesellschaft der elterlichen Güter auf. Das 1874 begonnene Studium (Jura, Philosophie und Kunstgeschichte) in Dorpat musste er 1877 wegen einer Inkorrektheit abbrechen und war damit in seiner Gesellschaft geächtet. In Wien setzte er das Studium fort und lernte dort Ludwig Anzengruber kennen. Bis 1895 verwaltete der gesellschaftlich isolierte Keyserling die mütterlichen Güter Paddern und Telsen. Nach dem Tod der Mutter und der Übergabe der Güter an die Majoratsherren zog er mit zwei Schwestern nach München. Durch eine Syphilisinfektion erkrankte er 1897 an einem Rückenmarksleiden und erblindete mit 45 Jahren.
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