Dies ist (glücklicherweise) kein Tarotdeck - Tarotdecks gibt es wie Sand am Meer, in allen Ausprägungen von Ägyptisch bis Zwergentarot. Warum also noch ein Kartendeck? Dieses Deck ist anders, weil es sich als einziges ganz den Bedürfnissen von Hexen, Wiccanern und Neuheiden mit keltischem Schwerpunkt anpasst, ohne dabei auf hebräische oder mittelalterliche Symbole zurückzugreifen wie etwa Hexentarot oder Wiccatarot. Es dient nicht nur zum Kartenlegen, sondern eignet sich bestens, um in Mythologie und Ethik der Alten Religion einzusteigen oder seinen Horizont zu erweitern und seine Kenntnisse zu vertiefen. Die traditionellen Elemente Feuer, Erde, Luft, Wasser und Geist werden ebenso dargestellt wie der Gehörnte Gott, die Göttin als Mädchen, Mutter und Weise Alte, wichtige Eckdaten im Leben einer Hexe (das Hexenjahr, Handfasting, Tod und Reinkarnation), die wichtigsten Werkzeuge (Besen, Altar, Athame und Co.) und die Grundprinzipien ihres Glaubens (Wiccan Rede, Law of Three). Jeder Karte ist eine Bedeutung beim Kartenlegen zugeordnet (die jedoch genügend Spielraum für die eigene Interpretation lässt), eine entsprechende Lehre/Erklärung innerhalb des Paganismus sowie eine Meditation. Mit Hilfe des Kartendecks durchläuft man somit alle Stationen des well-worn path, des Alten Weges, den andere vor uns zurückgelegt haben und den wir für diejenigen bereiten, die uns folgen werden. Außerdem gibt es noch Legesysteme und eine Sektion mit Anregungen für die Einbindung der Karten in geeignete Rituale. So sind beispielsweise Karten für jedes wichtige Altarwerkzeug vorhanden, so dass man die Karten quasi als praktischen "Reisealtar" verwenden kann.
Die Darstellungen auf den Karten sind sehr atmosphärisch und detailliert, akzentuiert, aber unaufdringlich, die Karten groß genug (größer als Spielkarten, dabei aber noch handlich)und stabil und kommen, wie bei den teureren Llewellyn-Decks üblich, im schicken Organza-Beutel mit Schachtel zum Aufbewahren.
Aufgrund der nicht ganz einfachen Thematik sollte man für das Begleitbuch allerdings ein solides bis gutes Englisch mitbringen.
Die Alte Religion tritt zu keiner Zeit dogmatisch auf, sondern stellt die eigene Erfahrung in den Mittelpunkt. Die Episoden, die der Reisende auf seinem Weg durchlebt, tragen alle in gewisser Weise zu seiner Entwicklung bei. Am schönsten wird dies am Beispiel der Karte "Buch der Schatten" deutlich, das es jedem verbietet, umzublättern, außer, "er unterscheidet, ohne zu richten, handelt, ohne boshaft zu sein, und hört seinen Feind ebenso an wie seinen Freund". Ein hoher Anspruch, dem der Novize glaubt, nicht gerecht werden zu können. Er antwortet also traurig: "Das kann ich nicht."
Daraufhin tritt die Rose, die die Buchseite ziert, aus dem Buch heraus, und der Novize nimmt sie in die Hand. Da spricht das Buch zu ihm: "Als du vorsichtig mit dem Finger den Stiel entlanggefahren bist, hast du den Dorn nicht verurteilt. Als du die Rose genommen hast, geschah dies in Liebe. Als du an der Rose gerochen und den Dorn gespürt hast, ließest du beide zu dir sprechen. Du hast weder den Dorn verwünscht noch die Rose gepriesen. Du darfst jetzt umblättern."