Großartig, wie sich die zwei größten deutschen Print Musik-Fanzinen immer wieder disqualifizieren. Anlässlich des Erscheinens der INSX Remaster Box geben Sie sich nahezu einhellig in punkto Bewertung der Einzelalben - wobei keines mehr als 3 einhalb Sterne bekommt, die gesamte Box aber 4 (wer rechnen kann ist klar im Vorteil) - und ,Welcome To Wherever You Are' wird bspw. im Rolling Stones lapidar mit einem einzigen (sehr aussagekräftigen!) Satz abgehandelt: Beim schlappen ,Welcome To Wherever You Are' hatten Sie endgültig ihr Mojo verloren."
Natürlich liegt aufgrund dieser qualifizierten Aussage der Verdacht nahe, dass sich die Rezensentin dieses Album gar nicht angehört hat. Hätte Sie das nämlich, dann hätte Sie unschwer erkannt, daß WTWYA songwriting-mäßig kaum schlechter ist, als ,Kick'.
Es stimmt schon INXS machten wenig gute, einige durchschnittliche und 2 schlechte Alben in ihrer Karriere. Das 92er Werk gehört aber definitiv zu den guten, nur hatten Sie da das Pech, daß die Welt im allgmeinen Grunge Fieber lag, und man größtenteils schlammige Produktionen als hip betrachtete, nicht aber ein erstklassig produziertes Poprock Album.
Genau das waren INXS ja immer - eine Poprock Band, die sich aus New Wave, etwas Funk und eingängigen hooks ihren persönlichen und unverwechselbaren Stil bastelten. Klar wären Sie ohne den charismatischen und immer lasziv wirkenden Frontmann Hutchence nie so berühmt geworden, der hatte aber dafür mehr Ausstrahlung im kleinen linken Finger, als Lady Gaga mit ihrer gesamten Bühnengarderobe.
WTWYA beginnt mit dem leicht indisch/arabisch angehauchten intro ,Questions', bevor es mit ,Heaven Sent' den Punk in den Pop überführt. Einen fetzigeren song haben die Australier eigentlich nie geschrieben und Hutchence setzt die Textzeilen sehr gekonnt (das break nach der bridge verdient eigenltich einen Ehren platz in der Popgeschichte).
Bei ,Communication' nehmen Sie ein wenig das Tempo raus und das funktioniert wie ein intro zu ,Taste It' - einm der laszivsten INXS tracks überhaupt. ,Not Enough Time' nimmt schon ein wenig das 5 Jahre später erscheinende ,Searching' vorweg, hat eine schöne Melodie und ist luftig arrangiert. Auf ,All Around' rocken Sie dann wieder - eh ein typischer Stadion Hüpfer mit coolem Gitarrenriff, wie Sie Sie damals immer gut hinbekamen. Der orchstrale Größenwahn von ,Baby Don't Cry' würde bei jeder anderen Band lächerlich wirken, dank Hutchence coolem - fast hingespucktem - Gesang, geht sich das aber super aus und dem simplen, aber hymnischen Refrain hat man dann auch nichts mehr entgegenzusetzen.
Das herzige ,Beautiful Girl' mag jetz kein kompositorischer Geniestreich sein, ist aber so charmant, daß man versteht warum es ein Radio Evergreen wurde. Das funkige ,Wishing Well' hört sich wie ein Anhängsel von ,Taste It' an, ,Back On Line' ist OK (hat aber keinen richtigen Refrain) und ,Strange Desire' ist eine nette Funk-Rhythmusübung, aber farblos. Mit dem closer ,Men & Women' gelingt ihnen dann allerdings ein düsterer und atmosphärisch dichter Abschluß. Auch das ist wieder orchestriert, aber geschmackvoll und dramatisch.
Kein makelloses Album wie Kick, aber 4 Sterne gehen sich locker aus, und insgesamt gibt es auch mehr her als ,X'. Das Remaster ist nicht so gut gelungen wie bei den anderen Alben, aber der Qualität dieses wirklich gut gemachten Poprock Albums tut das keinen Abbruch.