Schon erstaunlich: Dem Debüt von The Beautiful South merkt man sofort an, dass es in den 80ern aufgenommen wurde -- und dennoch gehört es zu den großen, zeitlosen Alben. Elf melodiöse, eingängige Songs mit Ohrwurm-Qualitäten, an den Instrumenten sind lauter Könner am Werk, und der unüberhörbare Einfallsreichtum der zehn Bandmitglieder (davon 3 Sänger: Brianna Corrigan, Dave Hemingway, Paul Heaton) lässt die Songs erstrecht kompakt wirken: Verspielt sind sie alle, klar, aber sie verlieren sich nicht in ihrer Spielfreude. Heraus kam lockerer, unaufdringlicher Pop mit Folk- und Jazz-Anleihen, der auch beim x-ten Hören noch Überraschungen auf Lager hat. Und tatsächlich hört man das Album ja auch zum x-ten Mal, kennt es noch aus vergangenen Zeiten: Schließlich war nicht nur der geniale "Song for Whoever" ein Dauergast in den diversen Top10 der diversen Radiosender.
Die Songs sind zwar im Stil der 80er arrangiert, aber sie sind eben auch erfreulich zurückhaltend und aufs Wesentliche konzentriert. Keine selbstverliebten Bläser- und Piano-Geschwader im Stil der Zeit, kein Stimmvolumen-Overkill, und was damals noch alles en vogue war. Nein, nichts dergleichen, von wegen: Die Musik drängt sich nicht auf, man kann sie ohne schlechtes Gewissen im Hintergrund hören. Aber das sollte niemanden täuschen, denn in Wirklichkeit ist das Musik, die auch dann nicht verliert, wenn man genau hinhört -- im Gegenteil! Da stört es auch nicht besonders, wenn manche Passagen ein wenig zu gefällig geraten sind.
Hinhören sollte man aber nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen den Texten: Hier präsentieren sich David Rotheray und Paul Heaton von der Schokoladenseite, und am besten sind sie dann, wenn sie ihren schwarzen Humor von der Kette lassen: Mal selbstironisch wie im "Song for Whoever", mal ganz, ganz hundsgemein: "I Love You (but You're Boring)" -- wollte man das nicht auch schonmal *jemandem* sagen? -- und mal bärbeißig und wunderbar fies, etwa in "Woman in the Wall", dessen Text bis zur Schlusspointe die Balance hält zwischen tiefen Einblicken in die menschlichen Abgründe und hinterhältigem leisem Witz. Schwarzer Humor, frisch geteert.
Und diese spitzzüngigen Texte verpacken The Beautiful South nicht in düstere Balladen, sondern in fröhliche, beschwingte Songs: Man merkt das erst, wenn man gutgelaunt mitträllern will, welche Geschütze hier aufgefahren werden.
Sicher, "Welcome to the Beautiful South" ist ein Album für verregnete Sommertage und gut geeignet zum Abreagieren akuten Liebeskummers. Aber man kann es auch anhören, wenn daheim alles in Butter ist und draußen die Sonne scheint.