Auch auf die recht wahrscheinliche Gefahr hin, daß ich mit meiner Einschätzung ziemlich allein dastehe, für mich ist "Welcome to the neighbourhood" das bis heute beste, weil weitgefächertste Album von Meat Loaf.
Ohne den mindesten Zweifel, stellt die "Bat out of hell" Trilogy (1977/1993/2006) einen Meilenstein in der Musikgeschichte dar. Alle drei sind musikalisch großartig und vor allem die ersten beiden "Bats" sind mit ihren Verkaufzahlen von über 45 und über 25 Millionen Einheiten in jeder Hinsicht sehr respekteinflößend. Unstrittig ist auch, daß zwischen den "Bat..."-Alben, vornehmlich in den achtziger Jahren, auch Alben von Meat Loaf erschienen sind, die schon eines sehr großzügigen Fan-Herzens bedürfen, um geliebt zu werden.
Doch das 1995er "Welcome.." hat in Meat Loafs Gesamt-Schaffen ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist vielseitiger, als andere seiner Alben. Natürlich gibt es die üblichen großen Bombast-Hymnen, ohne die ein Meat Loaf Album kaum auskäme, aber schon der Opener "Where the rubber meets the road" ist "dünner", kein orkanischer Alles-was geht-Rock, sonder eher im besten Springsteen-Stil definierter Rock'n'Roll. Voll auf die zwölf gibt's bei "Original sin", einer der Beiträge auf dem Album aus dem Jim Steinman Fundus. Warum diese kraftstrotzende Symbiose aus tosender Rock-Oper und fast zerbrechlich anmutender Ballade keine Single-Auskopplung wurde, werde ich nie begreifen. Eines der größten Lieder, daß Meat Loaf je eingespielt hat. Es war in früheren Versionen von Jim Steinman selbst oder Taylor Dayne schon eindrucksvoll, hier ist es in Perfektion vollendet. Eine weitere Facette des Albums, ist die Cover-Version des Tom Waits Klassikers "Martha", einfach nur traumhaft traurig.
Die nun vorliegende "Collectors-Edition" macht das Album endgültig zum Juwel! Allein die Aufmachung würde einen Neukauf schon rechtfertigen, der reichliche Bonus macht ihn zwingend. Dem Studio-Album wurden vier zusätzliche Tracks hinzugefügt. Die Beatles Cover "Come together" und "Let it be" (wodurch das Album seine musikalische Spannweite nocheinmal erweitert), die ursprüngliche Version von "Is nothing sacred" (andere Version als drei Jahre später auf dem "The very best of" Album") und das wunderbare "Oh, what a beautiful morning".
Hinzu kommt eine zweite CD, mit einem knapp 80 minütigen Mittschnitt der "Born to rock - World Tour'95'96", in bester Sound-Qualität, ein komplettes Live-Album sozusagen.
Damit noch nicht genug, denn ein dritter Silberling, eine DVD mit den Video-Clips (bei Meat Loaf ja fast schon Kurz-Kino-Filme) der beiden Singles und den Top of the Pops Auftritten zum Album zzgl. einer gelungenen Making of Dokumentation des Albums, runden dieses ganz und gar gelungene Paket ab.
Besser hätte man es nicht machen können!