Ian Hunter habe ich zum ersten Mal im Rockpalast gesehen und das Konzert hat mich so aus dem Häuschen gebracht, dass ich mir die zeitgleich erschienen Doppel-LP "Welcome To The Club" zugelegt habe. Richtig gute Live-Alben gibt es nur selten. "Welcome To The Club" ist eines davon.
Es beginnt mit dem Instumental "F.B.I.", das im Original von den Shadows stammt und schon mal die Richtung vorgibt. Kraftvoller Rock, bei dem man meint, eine ganze Armee von Gitarren steht auf der Bühne. Dann meldet sich Hunter mit einem kurzen "Hello" und weiter geht's mit einem donnernden "Once Bitten, Twice Shy". "Angeline" folgt und der Krach hört nicht auf. Mit dem genialen Cover von Sonny Bonos "Laugh At Me" wird es einen Tick ruhiger, bis bei "All The Way From Memphis" das Gaspedal noch weiter durchgedrückt wird. Mann, Mann, Mann, da quetscht einem die Gitarrenarmada das letzte bisschen Hirn aus der Rübe. So eine messerscharfe Version hat selbst Mott The Hoople nie hingekriegt.
Wer's nicht weiß, Ian Hunter war der Leadsänger der ehemaligen Glamrocktruppe Mott The Hoople und so ist das Programm durchsetzt von Songs, die Hunter solo vollbracht hat und denen, die noch mit Mott The Hoople entstanden sind, wie das folgende "I Wish I Was Your Mother" mit einer genialen Mandoline, eine der wenigen Klasseballaden, die Mott je zustande gebracht haben. Noch eine Ballade folgt: "Irene Wilde" und der weibliche Teil des Publikums kreischt sich eins ab.
Mit "Just Another Night" und "Cleveland Rocks", fast schon eine Hymne, kracht's dann wieder kräftig im Gebälk, um mit "Standing In My Light" wieder eine wunderbare Ballade folgen zu lassen. Über den Midtemporocker "Bastard", einer rasenden Version von "Walkin' With A Mountain" kommen wir dann zu der Mott The Hoople Hymne schlechthin: "All The Young Dudes", das nahtlos in das Instumental "Slaughter in Tenth Avenue" von Hunters Dauerkumpel Mick Ronson übergeht. Hier war bei der LP das Konzert fast zu Ende. Auf der letzten Seite kamen dann drei Studiosongs, von denen "We're Gotta Get Out Of Here", ein Duett mit Ellen Foley, der Überhammer ist und so ist dieser Song auch der einzige der drei, den man noch auf diversen Samplern bekommt. "Silver Needles" und "Man O' War" finden sich nur auf dieser LP bzw. CD, genauso wie das abschließende "Sons And Daughters", nochmal ein Livesong.
Bei der CD war dann noch genug Platz, um noch ein paar Livesongs als Bonus mit hinzu zu tun. Das wären "The Golden Age Of Rock N' Roll" (wie wahr), "One Of The Boys" und "When The Daylight Comes". Weiterhin ein Medley aus "Once Bitten Twice Shy", "Bastard" und "Cleveland Rocks", das mal als Promosingle für "Welcome To The Club" erschienen ist. Hätte auf dieser Platte zwar nicht unbedingt sein müssen, weil man sie ja in Originallänge schon gehört hat, aber was soll's?
"Welcome To The Club" wird immer zu meinen Lieblingsliveplatten aller Zeiten gehören, weil man hier Spielfreude pur hört. Das ist eins dieser Konzerte, wo man sich wünscht, dabei gewesen zu sein.