Pilzbestimmung ist Vertrauenssache! Und man kann nur davor warnen, sich allein mit einem Pilz-Bestimmungsbuch bewaffnet im Wald eine entsprechende Mahlzeit zusammenzusammeln. Es erfordert unglaublich viel Erfahrung, alle relevanten Großpilzarten sicher anzusprechen, um nachher nicht Opfer einer unliebsamen Überraschung durch eine Vergiftung zu werden, weil man versehentlich den extrem giftigen Nadelholzhäubling (S. 309) mit dem essbaren Stockschwämmchen (S. 308) verwechselt hat. Deshalb ist es auch schwer zu sagen, wie umfangreich ein gutes Pilzbestimmungsbuch sein muss. Reichen die kleinen, handlichen Führer mit 50 - 100 vorgestellten Arten aus oder braucht man die extrem umfangreichen Werke wie die von BON, GERHARDT, LAUX oder DÄHNCKE mit über 1000 Arten, die zumindest den Einsteiger eher verwirren dürften?
Ich finde, dass dem Autor mit dem vorliegenden Buch mit ca. 320 vorgestellten Arten ein sehr guter Kompromiss gelungen ist. Das Buch beginnt mit einer ausführlichen Einführung in die Materie: beginnend mit einer sehr gelungenen (und überdies hervorragend bebilderten) Darstellung der wesentlichen Teile eines Pilzes (und Herausarbeitung der für die Bestimmung wichtigen Merkmale), gefolgt von einem kurzen Abschnitt über das Pilzesammeln und einem schönen Kapitel über die Lebensweise, in dem insbesondere Wert auf die Darstellung der "Begleitbäume" gelegt wurde(s. Untertitel), folgen Angaben zur Systematik, Vermehrung, Zucht und Hinweisen zur Zubereitung von Pilzen. Diese reich bebilderte Darstellung lässt dies Buch mehr als nur ein Bestimmungsbuch sein. Es folgt der Spezielle Teil, in dem über 300 Arten ganzseitig (obere Hälfte Foto, untere der Text) vorgestellt werden. Dabei geht es um eine genaue Darstellung des Aussehens, auch der Sporen (für den fortgeschrittenen "Mycologen"), kurzen Angaben zum Auftreten und Anmerkungen, in dem insbesondere auf potentiell gefährliche Doppelgänger hingewiesen wird.
Dabei erscheint mir die getroffene Artenauswahl sehr gelungen und die hervorragende fotografische Darstellung lässt den Leser die im Text angegebenen relevanten Merkmale wiedererkennen. Vereinzelt werden auch verschiedene Altersstufen darstellt - insbesondere für passionierte Pilzsammler von großer Bedeutung. Schematische Darstellungen der Grundtypen im Inneren des Umschlages erleichtern die erste Orientierung insbesondere dem Anfänger. Der Text geht insbesondere auf die Abgrenzung zu ähnlichen Arten sehr genau ein (und macht auch auf die große Variabilität der Arten, die die ohnehin oft nicht einfache Bestimmung erschwert, aufmerksam). Taschenbuchformat und leidlich robuste Bindung erlauben auch einen häufigen "Außeneinsatz". Als Bestimmungsbuch erscheint es mir gerade für denjenigen, der beginnt, sich mit dieser wirklich hochinteressanten Materie zu beschäftigen, (neben dem ebenfalls recht guten Bestimmungsbuch von LÜDER) sehr geeignet. Dies Buch plus der Besuch eines entsprechenden Praxis-Seminars die perfekte Kombination!