Hallo lieber Hundefreund!
Kurz zu mir: Ich arbeite in Bonn als selbstständige Hundetrainerin und halte sehr viel von Cesar Millan. Dennoch lese ich seine Bücher nicht unkritisch.
Sein neustes Buch richtet sich an Menschen, die planen, sich einen (Zweit-)Hund anzuschaffen. Auch Menschen, die schon hundeerfahren sind, können aus diesem Buch noch etwas lernen. Ob man einen Welpen, einen erwachsenen Hund oder einen Senior möchte, ob man zum Züchter oder zum Tierheim gehen will, ob man Kinder hat oder nicht - Millan geht alle Möglichkeiten durch und beschreibt, worauf es ankommt, wenn man einen Vierbeiner zu sich holen möchte, der zu einem passt.
Wer Millan kennt, weiß, dass mein kein Sachbuch erwarten darf, in dem die unterschiedlichen Rassen nach Eigenschaften und Vorlieben unterteilt werden. Seine Philosophie der "Energie" besagt, dass Hund und Mensch vom Energieniveau zusammenpassen müssen, damit keine Probleme entstehen. Mit Energie ist einerseits das Energielevel gemeint, also wie aktiv und bewegungsfreudig Mensch und Hund sind und zum anderen die innere Einstellung, die Ausstrahlung und der seelische Zustand eines Lebewesens. (Wenn z.B. ein sehr frustrierter Mensch neben einem sitzt, spürt man das, auch wenn derjenige gar nichts sagt. Seine "Energie" verrät uns seine schlechte Stimmung.)
Millans Formel für einen glücklichen Hund: Bewegung, Disziplin, Zuneigung - in dieser Reihenfolge, zieht sich natürlich wieder wie ein roter Faden durchs Buch, das geprägt ist von den vielen Geschichten, die er und seine Familie, sowie einige seiner Klienten mit Hunden erlebt haben und diese auch selbst erzählen. Das Buch ist zur Hälfte ein Ratgeber und eine Sammlung aus Erfahrungsberichten, die jedoch nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch lehrreiche Beispiele sind.
Ich finde Millans Ansatz, den richtigen Hund zu finden, sehr gut, da es innerhalb einer Rasse, ja sogar innerhalb eines Wurfes so unterschiedliche Individuen gibt, dass es kaum Sinn macht, sich einen Hund anhand der Rassebeschreibung in einem Lexikon auszusuchen. Wichtig finde ich jedoch die Bemerkung, dass - wenn man mit einer bestimmten Rasse liebäugelt - sich unbedingt damit beschäftigen muss, wofür diese Rasse (oder ein Mischling aus dieser Rasse)ursprünglich gezüchtet wurde. Ist man zum Beispiel bereit, einem Border Collie die nötige Bewegung zu verschaffen UND ihn zusätzlich täglich mental zu fordern - auch wenn dies einige Stunden am Tag beansprucht?
Meine Kritikpunkte:
- Wer die ersten beiden Bücher nicht gelesen hat oder die Sendung "Dog Whisperer" nicht kennt, wird sich das ein oder andere Mal fragen: Ja und - wie setze ich das nun in die Tat um?
- Mir sind ein paar inhaltliche Fehler aufgefallen: Hyänen werden in einen Topf mit Wildhunden, Wölfen, Füchsen, Schakalen und Kojoten geschmissen. Dies ist nicht korrekt, da Hyänen zu den Katzenartigen gehören.
Beim Thema Kastration wird bei Rüden von Kastration, bei Hündinnen von Sterilisation gesprochen, das ist ebenfalls nicht korrekt. Ob Kastration oder Sterilisation hängt nicht vom Geschlecht des Hundes ab, sondern bezieht sich auf die Art des Eingriffs, nämlich ob der Samenstrang oder die Eileiter nur durchtrennt/abgebunden werden (Sterilisation) oder die Keimdrüsen- Hoden beim Rüden oder Eierstöcke bei der Hündin, entfernt werden (Kastration).
In diesem Buch wird davon gesprochen, dass Hunde bis zum 8. Monat Welpen sind. Ich weiß nicht, an welchen Studien sich die Amerikaner orientieren, aber in Deutschland hält man sich an Trumler und Zimen, nach deren Angaben Hunde schon ungefähr ab dem 4. Monat als Junghund bezeichnet werden.
Alles in allem ist dieses Buch eine wahre Fundgrube an Tipps rund um den Alltag mit Hund. Von der Einführung des Hundes ins neue Heim, über Urlaub mit Hund, Gesundheitsvorsorge (wichtig finde ich die Info, wie unnötig und schädlich die jährliche Wiederholungsimpfung ist), der richtige Umgang mit einem Welpen bis schließlich zum Tod und Abschied des geliebten Hundes. Ich kann dieses Buch wirklich empfehlen!