Der Österreicher Hugo Kastner ist Denksport, Karten-, Würfel- und Brettspielen verfallen und hat hierzu bereits ein Dutzend Bücher veröffentlicht. Dabei hätte er auch bleiben sollen. Mit dem vorliegenden Band betritt er zum ersten Mal das Neuland ~Wissen~. Hier kennt er sich leider gar nicht aus, versucht dieses Manko aber im Vorwort des Buches ~Welche Farbe haben schottische Schafe~ wettzumachen, indem er dort siebenmal die Begriffe ~Tatsachen~ und ~Fakten~ und nicht zuletzt sogar mehr als 100 Personen mit Vor- und Nachnamen nennt, die u. a. Korrektur gelesen haben sollen. Tja, und der Verlag humboldt lässt das Ganze auch noch im Sektor ~Information und Wissen~ erscheinen. Sie meinen, da könne dann nichts schief gehen? Weit gefehlt.
Das Buch ist aufgeteilt in verschiedene Themenbereiche mit jeweils kleinen Mehrzeilern zu einem Begriff und somit sicher ideal als Bettlektüre, da es natürlich (Kastner!) alle möglichen Spielereien und Geschichtlein zu - richtig - Denksport, Karten-, Würfel- und Brettspielen enthält (man kann es ja so praktisch aus den bereits geschriebenen Büchern entnehmen). Der Leser, der jedoch gerne etwas Wissen vermittelt bekommen möchte, ist hier gänzlich falsch. So lässt Kastner sich seitenweise über zweideutige Ortsnamen aus (übernommen aus seinen Atlasrätselbüchern): ~Feuchtwangen~, haha, wie lustig. Den Ort ~Hungriger Wolf~ verlegt er dabei kurzerhand ins Bundesland Hamburg, statt nach Schleswig-Holstein. Cayennepfeffer enthalte seiner Meinung nach Capsicain - nein, Herr Kastner, der Wirkstoff heißt Capsaicin. H. G. Wells` Romantitel ~War oft the Worlds~ wird mit ~Krieg der Sterne~ übersetzt. Hunderte solcher Beispiele - auch wird wieder dieser Unfug von der EU-Verordnung bzgl. des Imports von Karamellbonbons mit 26.000 Wörtern erzählt (im Vergleich zu den 10 Geboten und der Unabhängigkeitserklärung - jeder kennt diesen Quatsch und alle schreiben ihn offensichtlich voneinander ab). Die ursprüngliche Quelle ist ein Zitat von Franz Josef Strauß, die EU-Verordnung völlig fiktiv. Der CSU-Politiker Goppel wollte damit bereits 1986 die EU-Bürokratie anprangern. Das(!) wäre Wissen, Herr Kastner. Aber nein, man kann ja einfach alles irgendwo unreflektiert abschreiben. Wo er die Erklärung zum Begriff Mondfinsternis abgeschrieben hat, will ich dabei gar nicht mehr wissen, Zitat:
Mondfinsternis - Steht die Sonne zwischen Erde und Mond, kann es zur totalen Mondfinsternis kommen. Diese ist auf der ganzen Erde zu beobachten und kann maximal 3 Stunden und 40 Minuten dauern (Zitatende).
Die Sonne zwischen Erde und Mond? Das ist dann wohl eher geistige Finsternis.
Schuster, bleib bei deinen Leisten.