Manchmal fragt man sich, mit welcher Absicht Verlage bestimmte Bücher herausbringen. Dieses ist so eins, von dem man nicht weiß, was man davon halten soll.
Zunächst zu den positiven Aspekten:
Dem Autor, einem wirklich anerkannten Fachmann nicht nur auf dem Gebiet der Fledertiere, ist es gelungen, auf sehr wenig Raum die wichtigsten und interessantesten Details über 34 Fledermausarten darzulegen. Nach einer kurzen Einführung in das Thema werden die Arten vorgestellt, mit Beschreibungen ihrer Lebensweise, Nahrung, Fortpflanzung, Lebensräumen und Quartieren, außerdem mit Angaben zu besonderen Kennzeichen sowie Rufen und Lauten. Und sogar (sehr!) kurzen Angaben zu Jagdstrategien und -habitaten. Die kurzen, prägnanten Texte in Steckbriefform sind mit sehr guten und schönen Fotos bebildert. Allein das Anschauen dieser Fotos kann schon ein bisschen begeistern.
Und nun zu den aus meiner Sicht kritischen Punkten:
Die (störungsfreie!) Bestimmung von Fledermäusen ist nicht so einfach, wie es der Titel des Buches verheißt! Fledermäuse sind nachtaktiv! Die Bestimmung erfordert vor allem technisches Gerät, z. B. Bat-Detektoren. Will man Fledermäuse nach Fotos bestimmen, muss man sie schon fangen oder muss zumindest mal in ein Quartier hineinleuchten - was die Kenntnis von Quartieren voraussetzt, und die Tiere zur Hand nehmen. Dies wird aber in aller Regel bedeuten, dass man die Tiere stört. Wie auch immer: Fledermäuse unterliegen dem strengen Artenschutz, und jede Art von Fang oder Störung ist erst mal verboten! Nur die zuständigen Behörden können in begründeten Fällen Ausnahmen genehmigen. Also so einfach geht´s nicht! Und selbst wenn man eine lebende Fledermaus vor sich hätte, käme man mit diesem Buch ganz sicher nicht in jedem Fall viel weiter. Da sind schon genauere anatomische Kenntnisse notwendig, die das vorliegende Büchlein aber nicht ausreichend vermitteln kann. Am Rande wird aber zumindest auf diese Schwierigkeiten auch hingewiesen. Nebenbei: das Büchlein in der Jackentasche mit sich zu führen, wird nicht viel nutzen, denn, wie gesagt: Fledermäuse sind nachtaktiv.
Was sagt man nun zu diesem Buch? Kann man es getrost empfehlen, und wenn ja, wem? Ich meine, wenn man den Anspruch hat, Fledermäuse ernsthaft bestimmen zu wollen (und zu dürfen), dann wird man andere Literatur und technische Hilfsmittel benutzen (müssen). Wenn man einen kleinen Überblick über die europäischen Arten und ein paar grundlegende Informationen haben möchte, aber keine vertiefte Beschäftigung anstrebt, dann ist das Büchlein vielleicht geeignet. Und es ist auch gar nicht mal teuer. Wenn man aber ein paar Euros drauflegt, wird man ein anspruchsvolleres Buch bekommen. Der gleiche Verlag bietet hier recht gute Alternativen.
Für Einsteiger mit gemäßigten Ansprüchen kann das Buch bedingt empfohlen werden. Für Fortgeschrittene oder Profis wohl eher nicht.