Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Neue Denkrichtungen für ein wichtiges Thema, 1. Dezember 1998
Von Ein Kunde
"Wer mitfühlen will, braucht Deutungen des Geschehens" (S. 128). Ruth Klüger liefert eine solche Deutung anhand ihrer eigenen Biographie und zwar immer in dem Bewußtsein, daß es nur eine von vielen Deutungen ist, ihre ganz persönliche. Erst spät im Leben hat sie ihre Erlebnisse aufgezeichnet und vielleicht ist es ihr deshalb gelungen, ein außergewöhnliches Buch zu schreiben. Sie stellt konkrete Erinnerungen reflektierenden Betrachtungen gegenüber und auf beiden Ebenen überzeugt sie durch Ehrlichkeit und Nachdenklichkeit. Gerade in den persönlichen Begebenheiten wird ihr Leben als Jüdin - und damit aus spezifisch weiblicher Perspektive - in einer immer feindlicher werdenden Umwelt in häufig überraschenden Facetten erzählt. Sie verändert im Kopf des Lesers die festgefahrenen Deutungen von Theresienstadt, Auschwitz und Exil, indem sie es als ihre persönliche Geschichte mit den ganz individuellen Gefühlen beschreibt. Damit gelingt es eindrucksvoll, die bekannten Bilder zum Leben zu erwecken und vielleicht ein Stück besser zu verstehen, wie es dort war, an diesen Orten. Und es ist sicherlich gut, daß sie sich dafür so lange Zeit ließ. Ihre späteren Reflexionen über das Erlebte, die andere Ebene des Buches, sind genauso überzeugend, da die Autorin auch hier wieder die heutige Sicht einiger Dinge in Frage stellt - kontrovers, kritisch und zum Nachdenken anregend. Ob KZ-Gedenkstätten oder das Reden über Auschwitz, sie hat ihre eigenen Meinungen und vertritt diese offensiv. Die zum Teil leisen Erinnerungen und die kontroversen Betrachtungen ergeben zusammen ein beeindruckendes Buch, das genauso historisch wie aktuell, genauso überlegt wie persönlich ist und aufgrund seiner Ehrlichkeit dem Leser nahegeht und ihn zu einer neuen Deutung des Geschehenen veranlaßt.
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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nicht rührselig, aber berührend, 10. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Fast schon spröde und manchmal auch vor den Kopf stoßend kommt der Text "weiter leben" der Germanistin Ruth Klüger daher, in dem sie ihre Kindheit in Nazi-Österreich schildert. Ihre Erzählweise hebt sich dabei wohltuend von manchem allzu vor Betroffenheit triefenden Werk ab, ohne die Ereignisse dadurch auch nur im Geringsten zu verharmlosen. Klüger läßt sich nicht als Opfer darstellen und verzichtet auch auf Mitleid. Aus weiblicher Sicht und mit intellektueller und feministischer Deutung durchbricht sie ihre Geschichte selber durch Einschübe, die Erfahrungen der Gegenwart, Gespräche mit Studenten und Freunden beinhalten, und auch das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter nicht aussparen. Sie nimmt sich das Recht, auch von privaten Problemen zu erzählen, die in Texten über die Shoah oft ausgespart werden, weil es diesbezüglich - wohl im Hinblick auf den Kontext - eine Art von "Tabu" zu geben scheint. Einen weiteren Bezug zur Gegenwart wird dadurch hergestellt, daß sie immer wieder Gespräche mit ihrem Freund "Christoph" wiedergibt, einem "deutschen Intellektuellen", der "wie alle Intellektuellen in Deutschland das Seinige zu Auschwitz gesagt hat" ohne sie vorher nach ihren eigenen Erfahrungen zu Auschwitz zu befragen. Dabei soll es sich, wie in einigen Besprechungen vermutet wurde, um Martin Walser handeln. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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38 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Streitbare Erfahrungen zur eigenen jüdischen KZ-Erfahrung!, 25. Juli 2003
Mit 60 Jahren schrieb die deutschsprachige Literatur in Kalifornien lehrende Ruth Klüger ihre Erinnerungen nieder unter dem schlichten Titel „weiter leben - Eine Jugend". In bildhafter Sprache geschrieben, erfahren wir sehr viel aus dem äußeren wie inneren Lebensgang. Das Außen: 1931 in Wien als Kind jüdischer Eltern geboren, Verschleppung in verschiedene KZ's mit ihrer Mutter, während Vater und Bruder von den Nazis wahrscheinlich ermordert werden, 9/42 bis 5/44 Theresienstadt, bis Ende Juni Auschwitz-Birkenau, wo sie es als knapp 13-Jährige schafft, einem Arbeitslager zugeordnet zu werden, dann Christianstadt und Flucht mit der Mutter bei einem evakuierenden Marsch vor der anrückenden russischen Armee im Februar 45. Ein deutscher Pfarrer verhilft mit gefälschten Papieren („Mutter und Tochter Kalisch") zu sicherer Identität und Aufenthalt in Bayern in Straubing und Regensburg mit Privatunterricht und „Notabitur" als 15-Jährige. Dann Beginn eines Studiums an der philos.-theol. Hochschule Regensburg 1947. Ausreise nach New York auf einem ausgedienten Kriegsschiff. In Amerika mühsame Fortsetzung der Ausbildung an Colleges, Gelegenheitsjobs, Kennenlernen ihrer 3 Freundinnen Anneliese, Marge und Simone am College in Vermont. Anläßlich eines geplanten Hilfeprojekts in Mexico, das sie wegen unvollständiger Pässe nicht mitmachen kann, entflieht sie der bis dahin klammernden Mutterbeziehung und baut sich eine eigene Existenz in Kalifornien auf, heiratet, wird Mutter und Literaturdozentin. 1988 kommt si für 2 Jahre nach Göttingen als Leiterin des dortigen kalifornischen Studienzentrums, wovon der Epilog handelt. Das Innen: Jede Lebensstation wird gefüllt aus der Reflexion der durchgemachten Erlebnisse und Beziehungen, ganz besonders betrifft dies natürlich die je herrschenden Einstellungen zur NS-Zeit und ihre enge, ambivalente Beziehung zur Mutter, mit der sie Lagerleben, Flucht und Neubeginn gemeinsam durchlebte. Ruth Klüger ist manchmal sehr penibel, legt die Worte - so scheint es - auf die Goldwaage. Aber sie spürt den Bedeutungen und seelischen Beweggründen als treibenden Motiven im Handeln - auch der Feinde! - nach, das macht die Lektüre zu einer wirklich bereichernden. Ein wichtiges und sehr empfehlenswertes Buch zur (jüdischen) Erfahrung der NS-Zeit und des Lagerlebens, wie auch des Aufwachsens mit diesen Erlebnissen.
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