Was darf man von dem "Vermächtnis" (siehe Klappentext) des 1994 verstorbenen Weltumseglers, Atollbewohners, Minimalisten und Menschen Bernard Moitessier erwarten? Ich hätte gedacht: eine Menge mehr als dass, was das Buch tatsächlich versammelt; und sicher völlig anders gegliedert und gestaltet. Was den Inhalt betrifft, so vermittelt dieser den Eindruck einer Sammlung von Versatzstücken, die der intensiven Überarbeitung bedurft hätten, um sich zu einem konsistenten Korpus zu fügen. Zumindest hätte hier ein gewissenhaftes Lektorat das Schlimmste verhindern können, was möglicherweise mit dem wohlfeilen Hinweis auf den Beibehalt der "Authentizität" oder ähnlichem unterblieb. Was die Gestaltung angeht, so ist dieses Buch schlichtweg häßlich: angefangen bei der Papierqualität, über das lieblose Layout mit dem Heimcomputer-DTP-Charme der Endachtziger Jahre, die technisch schlechte Reproduktion der S/W-Photos und Zeichnungen, bis hin zur Typographie, die direkt aus dem Textverarbeitungsprogramm des Übersetzers zu stammen scheint, usw. usf.. Apropos Übersetzer: hier muß ich Hans Kaupmannsennecke ein großes Lob aussprechen; denn selten habe ich ein Sachbuch gelesen, bei dem so vereinzelt wie bei diesem die Sprache des Originals durchscheint. Kein Vergleich zu solchen Stilblütensammlungen wie z.B. der deutschen Ausgabe von Eric Hiscocks "Zu fernen Küsten", das in den 60er Jahren bei DK erschienen ist. Fazit: wer alle Bücher von Bernard Moitessier haben muss, der wird sich wohl auch dieses zulegen (müssen). Die Veröffentlichung eines solchen "Vermächtnisses" kann eine Hommage an einen verstorbenen Menschen sein. Hier lagen, soweit die deutsche Ausgabe den Schluß zulässt, wohl andere Beweggründe vor.