Dazu ermahnte mich meine Frau schon seit Jahren immer wieder in regelmäßigen Abständen. Doch irgendwie fehlte mir als Naturwissenschaftler der Zugang zu dieser Art von Büchern, die sie als gut bezeichnete.
Tja, was war denn überhaupt ein gutes Buch? Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich die Antwort so formuliert: Ein gutes Buch ist vor allem nicht so dick, es hat vielleicht höchstens 150 Seiten. Außerdem ist es unterhaltsam, leicht zu lesen, das heißt, es muss auch Leseunterbrechungen ermöglichen und es geht gut aus.
So kam es, dass ich in den letzten 15 Jahren in meiner Freizeit eigentlich nur Kinderkrimis gelesen habe, solche, die es schon in meiner Kindheit gab und die es heute immer noch gibt. Hin und wieder mal ein Kinderbuch also, das war alles!
Durch Zufall passierte aber vor kurzem etwas, das mich von meiner bisherigen Meinung abgebracht hat, was denn ein gutes Buch sei. Das Ganze fing mit einem Film an. Spät am Abend, schon weit nach Mitternacht, sah ich zusammen mit meiner Frau einen Film im Fernsehen, obwohl wir am nächsten Morgen eigentlich sehr früh aufstehen mussten. Irgendwie hatten wir ihn angefangen und schafften den Absprung nicht mehr. Unter normalen Umständen hätte ich keine Minute gezögert, den Fernseher aus zu machen und schlafen zu gehen, doch an diesem besonderen Abend ging es einfach nicht. Wir blieben beide wach und sahen ihn bis zum Ende an. Der Film hieß "Message in a bottle" mit Kevin Costner, Robin Wright Penn und Paul Newman in den Hauptrollen. Selten, eigentlich nie vorher, hat mich ein Film so angerührt wie dieser.
Am nächsten Morgen lag dann ein Buch auf meinem Nachttisch, meine Frau hatte es dorthin gelegt. Weit wie das Meer? Nicholas Sparks? Noch nie gehört! Trotzdem begann ich dann später das Buch zu lesen und da wurde es mir plötzlich bewusst.
Ein gutes Buch ist eine Tür. Nicht eine Tür, durch die man Gäste herein lässt, sondern eine Tür, die sich von selbst öffnet, eine Falltür. Der Leser ist kein Gast in der Geschichte, sondern ein Gefangener der Handlung. Er fällt bereits nach wenigen gelesenen Absätzen in die Geschichte hinein und findet sich in einem rundherum verspiegelten Raum wieder. Dort sieht er sich selbst. Dort wird er mit seinen eigenen Träumen, seinen Sehnsüchten, seinen Wünschen, seinen Ängsten und seinen Albträumen konfrontiert. So erging es mir jedenfalls beim Lesen. Ich war mittendrin, war gefangen in der Handlung, war ein Teil von ihr. Ich wurde nicht unterhalten, ich wurde getrieben. Ich konnte keine Pause einlegen, konnte an nichts anderes denken, konnte nicht aufhören umzublättern.
Die Geschichte von einer Flaschenpost, die zwei Menschen auf wundersame Weise zueinander führt, ihr ganzes Leben mit einem Schlag verändert und ihnen zeigt, was möglich ist, beeindruckte mich tief. Das Ringen um Glück ist etwas, was nicht nur gut oder schlecht ausgehen kann, sondern etwas, was Menschen weiter bringt, sie verändert, formt und dadurch menschlicher macht.
Nachdem ich das Buch zugeklappt hatte, war ich völlig mit den Nerven fertig, total durcheinander und die Tränen liefen mir über die Wangen. Das war mir bisher noch niemals passiert. Aber irgendwie schämte ich mich nicht dafür. Auch das, was danach kam, hatte ich noch nie gemacht. Ich las das Buch noch ein zweites Mal ganz durch und das auch noch die ganze Nacht hindurch bis morgens um 6 Uhr.
Wie schafft es Nicholas Sparks durch Worte solche tiefgreifenden Gefühle bei seinen Leserinnen und Lesern auszulösen und sie total durcheinander zu bringen?
Ganz einfach. Er beschreibt mit sehr vielen Emotionen und gefühlvollen Bildern Dinge, die jeder von uns kennt, Dinge, die für uns Menschen allgegenwärtig, erstrebenswert oder unausweichlich sind, die sich aber so gut wie immer einer exakten Definition entziehen. Ich meine Dinge wie Schicksal, Realität, Zeitempfinden, Glück, Liebe, Verlust, Tod, also die wichtigen, wenn nicht die wichtigsten Dinge im Leben. Sparks bringt den Leser dazu, über sich selbst nachzudenken. Dieser Prozess der Selbsterkenntnis ist nicht unterhaltsam, nicht leicht und geht auch oft nicht gut aus. Er strengt an, er quält, er wühlt auf! Und genau das ist es auch, was ein gutes Buch ausmacht.
Ich persönlich habe mir auch noch einige der anderen Bücher von Nicholas Sparks gekauft und gelesen wie "Das Lächeln der Sterne", "Die Nähe des Himmels", "Das Wunder eines Augenblicks" und ich muss sagen, auch das sind wirklich ausgesprochen gute Bücher, Bücher, die mich verändert haben.