Amazon.de-Hörbuchrezension
Garret mag vielleicht ein sentimentaler Softie sein, aber keine Sorge -- bevor Sie "Schau! ich habe noch zwei Briefe gefunden" sagen können, ist Theresa dicht auf seinen Fersen und entschlossen, diesen geheimnisvollen, sensiblen Flaschenpostschreiber zu finden. Und sie findet ihn -- in einer verschlafenen Hafenstadt in North Carolina, wo er an seinem geliebten Segelboot, The Happenstance, arbeitet. Von nun an entwickelt sich eine Romanze zu einem Feuerwerk der Emotionen. Theresa hat Probleme mit ihrer Vergangenheit -- oder, genauer gesagt, ihre Vergangenheit ist das Problem. Ihr Ex-Mann ("ich bin ein toller Kirchgänger-Typ, jetzt wo ich meiner Frau davongelaufen bin") hat bei ihr derart tiefe Wunden hinterlassen, daß sie seit ihrer Scheidung drei oder vier Jahre zuvor mit noch keinem Mann ausgegangen ist. Und wer ist Catherine? Und was hat Garret eigentlich vor? Als Theresa es herausfindet, stürzt sie in die Tiefen ihrer Seele und lüftet ein gewaltiges Geheimnis über sich selbst. Dabei hilft sie Garret sich selbst zu finden.
Weit wie das Meer besitzt alle Merkmale sentimentalen Erzählstils vom Feinsten und dürfte Romantikern und Zynikern gleichermaßen gefallen. Die Romantiker werden sich beifällig auf die Knie werfen, während die Zyniker sich vor Lachen auf dieselben schlagen werden.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Weit wie das Meer von Nicholas Sparks, Bettina Runge. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Flasche wurde an einem warmen Sommerabend, wenige Stunden bevor der Regen einsetzte, über Bord geworfen. Wie alle Flaschen war sie zerbrechlich und wäre zerschellt, hätte man sie einen Meter über dem Boden einfach fallenlassen. Sorgfältig verschlossen und den Wellen anvertraut, wurde sie indes zu einem der seetüchtigsten Gegenstände, die dem Menschen bekannt sind. Sie konnte Hurrikane und tropische Stürme überstehen oder auf den gefährlichsten Strömungen schaukeln. Sie war in gewisser Weise das ideale Behältnis für die Nachricht, die sie beförderte, eine Nachricht, die verschickt worden war, um ein Versprechen einzulösen.
Wie bei allen Flaschen, die den Launen des Meers überlassen werden, war ihr Kurs unberechenbar. Winde und Strömungen spielen eine bedeutende Rolle bei der Reiseroute einer jeden Flasche; auch Stürme und Wracks können ihren Kurs verändern. Gelegentlich verfängt sich eine Flasche in einem Fischernetz und wird Dutzende von Meilen in die entgegengesetzte Richtung gezogen. Und so kann es sein, daß zwei Flaschen, die am gleichen Ort und zur gleichen Zeit ins Wasser geworfen werden, in verschiedenen Kontinenten oder sogar Hemisphären landen. Es ist unmöglich vorherzusagen, wohin eine solche Flasche reist, und das ist Teil ihres Geheimnisses.
Dieses Geheimnis beschäftigt den Menschen, seitdem es Flaschen gibt, und manch einer hat versucht, dem Geheimnis auf den Grund zu kommen. 1929 machte sich ein deutsches Team von Wissenschaftlern daran, die Route einer bestimmten Flasche nachzuvollziehen. Sie wurde im Südindischen Ozean ins Meer geworfen, und eine Nachricht darin bat den Finder, den Ort, an dem sie in seine Hände gelangt war, auf dem Zettel zu notieren und sie dann wieder ins Meer zu werfen. 1935 hatte sie einmal den Erdball umrundet und etwa sechzehntausend Meilen - die längste offiziell registrierte Entfernung - zurückgelegt.
Berichte über Flaschenpost wurden über Jahrhunderte aufgezeichnet, und in einigen von ihnen stößt man auf berühmte Namen der Geschichte. Benjamin Franklin zum Beispiel bediente sich solcher Flaschen, um Mitte des 18. Jahrhunderts Richtung und Geschwindigkeit der Meeresströmungen entlang der amerikanischen Ostküste zu erforschen; die von ihm gesammelten Daten sind bis heute gültig. Und bis zum heutigen Tag benutzt die US-Marine Flaschen, um Informationen über Gezeiten und Strömungen zu sammeln oder den Verursacher von Ölspuren zu ermitteln.
Als berühmteste Flaschenpost gilt wohl die des jungen Matrosen Chunsosuke Matsuyama, der 1784 als Schiffbrüchiger ohne Nahrungsmittel und ohne Wasser auf einem Korallenriff strandete. Vor seinem Tod ritzte er den Bericht über das Unglück in ein Stück Holz und steckte es in eine Flasche, die er dann verschloß. 1935, also hundertfünfzig Jahre nachdem er sie ins Meer geworfen hatte, wurde sie in dem kleinen japanischen Fischerdorf, aus dem Matsuyama stammte, ans Ufer gespült.
Die Flasche aber, die an jenem warmen Sommerabend ins Meer geworfen worden war, enthielt weder den Bericht von einem Schiffbruch, noch sollte sie der Kartographierung der Meere dienen. Dafür aber barg sie eine Nachricht, die das Leben zweier Menschen verändern sollte, zweier Menschen, die sich sonst niemals begegnet wären, und deshalb kann man sie wohl als schicksalhaft bezeichnen. Sechs Tage trieb sie, gelenkt von den Winden eines Hochdrucksystems über dem Golf von Mexiko, gemächlich in nordöstliche Richtung. Am siebten Tag flauten die Winde ab, und die Flasche steuerte direkt gen Osten, gelangte schließlich in den Golfstrom, wo sie das Tempo beschleunigte und fast siebzig Meilen am Tag zurücklegte.
Zweieinhalb Wochen nach Reiseantritt trieb die Flasche noch immer im Golfstrom. Am siebzehnten Tag jedoch brachte ein weiterer Sturm - diesmal über der Mitte des Atlantiks - Ostwinde, stark genug, um die Flasche aus dem Golfstrom zu lenken, so daß sie jetzt Kurs auf Neuengland nahm. Ohne die Kraft des Golfstroms verlangsamte sich ihr Tempo wieder und sie trieb fünf Tage lang im Zickzack vor der Küste von Massachusetts, bis sie in das Fischernetz von John Hanes geriet. Hanes fand die Flasche inmitten Tausender zappelnder Barsche und warf sie beiseite, während er seinen Fang begutachtete. Der Zufall wollte es, daß sie nicht zerbrach, aber sie wurde vergessen und blieb den Rest des Nachmittags und frühen Abends im Bug liegen, während das Boot nach Cape Cod zurückfuhr. Gegen halb neun Uhr abends, als das Boot bereits im Windschatten der Bucht war, stolperte Banes beim Rauchen einer Zigarette über die Flasche. Er hob sie auf, konnte aber im Licht der eben untergegangenen Sonne nichts Außergewöhnliches erkennen, warf sie achtlos über Bord und bewirkte so, daß sie vor einem der vielen kleinen Orte, die die Bucht säumten, ans Ufer gespült wurde.
Das geschah jedoch nicht sofort. Die Flasche trieb noch mehrere Tage hin und her, als zögere sie, einen Kurs einzuschlagen, und wurde schließlich an den Strand von Chatham gespült.
Nach achtundzwanzig Tagen, in denen sie siebenhundertachtunddreißig Meilen zurückgelegt hatte, war ihre Reise beendet. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.