Wer Andreas Altmann liest, darf keinen Reisebericht über ein Land und eine Landschaft erwarten. Wer Andreas Altmann liest, begegnet Menschen. Er begegnet auch und vor allem dem Autor, der sich nicht scheut, seine eigenen Ängste, seine Vorurteile, seinen Hass, seine Ungeduld, aber auch sein tiefes Mitgefühl, seine Hilflosigkeit, seine Neugier und Menschlichkeit,seine Unverbesserlichkeit preiszugeben.
Andreas Altmann zwingt uns und schenkt uns die Möglichkeit, Menschen in die Augen zu sehen, an denen wir gesenkten Blickes vorbeilaufen würden, sollten sie uns auf der Strasse begegnen. Vielleicht würden wir unseren Schritt beschleunigen, vielleicht die Flucht ergreifen aus Furcht, Ekel oder Mitgefühl.
Auf einer Reise durch arme, von inneren Bürgerkriegen und westlichem, wie einheimischem Profitwahn zerstörten Staaten, vergisst der Autor nie, das es Menschen geben muss, die dieses Leben aushalten, die die Kraft und Hartnäckigkeit besitzen, weiter zu leben, auch wenn anscheinend niemanden interessiert, ob sie es tun. Er zeigt die Würde dieser Menschen, aber auch die Korruptheit, die immer wieder verhindert, das die afrikanischen Staaten auf die Füsse kommen.
Andreas Altmann reist in diesem Buch durch Nord- und Westafrika, meist mit dem Bus, immer in direktem Kontakt zu den Einwohnern. Er zahlt sich über jede Grenze, fliegt nach Timbuktu, und lässt sich sogar ins umkämpfte Togo schleppen. In Nigeria schliesslich gibt er auf, kommt er an seine eigenen Grenzen.
Natürlich hat Andreas Altmann sehr starke Meinungen und urteilt hart über manche unserer Gewohnheiten. Dadurch mag er einigen Lesern arrogant und egozentrisch erscheinen. Aber wer von uns könnte das: täglich auf immer neuen Reisen Elend, Gewalt und Hass in die Augen sehen und trotzdem vor allem das Schöne und Menschliche sehen und, nicht zuletzt, den unfreiwilligen Witz in mancher ausweglosen Situation.
Die Sprache ist so schlicht und ausdrucksstark, wie das Thema es verlangt.
Ich lege jedem, der liest, um Menschen zu sehen, dieses Buch ans Herz.