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Weit entfernt von dem Ort, an dem ich sein müsste: Autobiographie
 
 

Weit entfernt von dem Ort, an dem ich sein müsste: Autobiographie [Kindle Edition]

Bahman Nirumand
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

Der junge Bahman Nirumand ist 15, als er aus dem pulsierenden Teheran auf ein Internat im eher tristen Nachkriegs-Deutschland geschickt wird. Die deutsche Sprache erwirbt er sich mit Goethe: Er lernt den kompletten «Faust I» auswendig. Sein erstes eigenes Buch macht ihn mit einem Schlag berühmt: Im Frühjahr 1967 erscheint bei Rowohlt «Persien, Modell eines Entwicklungslandes». Diese Anklage gegen die Diktatur in seiner Heimat wird zum Fanal der Anti-Schah-Proteste. Nirumand gehört fortan zur ersten Reihe der Studentenbewegung; Rudi Dutschke, Daniel Cohn-Bendit, Peter Schneider und Ulrike Meinhof zählen zu seinen engen Freunden.Aber er ist mehr als eine Galionsfigur der 68er, auch sein Leben davor und danach steckt voller aufregender und abenteuerlicher Geschichten – viele davon bislang unbekannt und unerzählt. Dazu gehört die wichtige Rolle, die Nirumand für die Gründung der iranischen Auslandsopposition und im verlorenen Kampf gegen den politischen Triumph Chomeinis spielte.Politisches und Privates, Anekdotisches und Analytisches werden in diesem Buch zu einem Lebensroman verwoben, der zugleich vom Elan des Aktivisten und dem Heimweh des Exilanten getragen wird. Es ist das Buch eines Wanderers zwischen den Welten, der viel bewegt hat und an herben Niederlagen wachsen musste.

Über den Autor

Bahman Nirumand, geboren 1936 in Teheran, studierte in Deutschland und promovierte über Brecht. In die Heimat zurückgekehrt, musste er 1965 vor dem Schah-Regime fliehen, Ende der 70er Jahre ein zweites Mal vor der Diktatur der Mullahs. Er hat eine wichtige Rolle beim Aufbau der demokratischen Opposition erst gegen den Schah und dann gegen Chomaini gespielt. Nirumand lebt als Journalist, Schriftsteller und Übersetzer in Berlin.

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Kundenrezensionen

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Wippich
Format:Gebundene Ausgabe
In seiner Autobiographie eines stets politisch denkenden und handelnden Menschen beschreibt Nirumand nicht nur sein persönliches - streckenweise recht abenteuerliches - Leben sondern auch die Geschichte zweier Nationen und Kulturen vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute.
Nirumand, der als junger Mann aus dem Iran zum ersten Mal in den 1950gern nach Deutschland kam, später dann aktiv an den Ereignissen von 1968 mitwirkte und mit Menschen wie Rudi Dutschke, Ulrike Meinhof und Hans-Magnus Enzensberger befreundet war, eröffnet eine ganz eigene Perspektive auf diese spannende Periode deutscher Geschichte und auf Deutschland und die deutsche Mentalität ganz generell.
Nirumand war aber nicht nur in Deutschland politisch aktiv sondern auch ein führender Kopf der Auslandsopposition gegen die Schahdiktatur im Iran.
Jahrzehntelang träumte er von der Revolution und war zunächst - wie so viele - begeistert als sie sich 1979 dann tatsächlich ereignete.
Es ist ziemlich erschütternd zu lesen, wie Nirumand das furchtbare und blutige Scheitern der iranischen Revolution erlebt hat, wie jahrzehntelange ideologische Grundüberzeugungen von der Notwendigkeit einer Revolution und der Befreiung der Massen zusammenbrachen angesichts der bereitwilligen Unterwerfung der allermeisten Iraner unter eine rigide islamistische Diktatur.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
- Recht spannende Autobiographie eines Sohnes aus einflussreichem REZA-Shah-Bürgertum, der sich in Deutschland als Schüler und Student mit allen dazu gehörenden Kulturschocks durchbeißt und als Wanderer zwischen den Welten sehr feine Antennen eweils für 'das Deutsche' und 'das Iranische' entwickelt hat ohne jemals ins Klischee der Vorurteile zu verfallen. Wichtige Erklärung der Bedeutung Mossadeghs für die Hoffnungen und Enttäuschungen des iranischen Volkes, der Rolle des Mohammad Reza Shah im Marionettentheater der Großmächte. Interessante Einblicke in die Entwicklungen im nachrevolutionären Iran, wo Nirumand sich ebenfalls politisch engagierte, von der Partei jedoch auf propagandistische Auslandsmission geschickt wurde bevor er dem neuen Geheimdienst in die Hände fallen konnte. Parallel zu den Ereignissen in Iran berichtet N. von seinen politischen Aktivitäten in Deutschland 'nicht nur in Zusammenhang mit dem Shahbesuch in Berlin - und über seine Freundschaften mit Enzensberger, Dutschke, Adrian Leverkühn, Ulrike Meinhof. Wichtig erscheinen mir auch Ns Erkenntnis aus seinen politischen Aktivitäten, dass große politische Veränderungen nicht Angelegenheiten von Berufsrevolutionären sein können, sondern von innen kommen müssen, und das jede Ideologie dazu tendiert, sich diktatorisch zu gerieren, wenn es ihr gelingt, sich politisch durchzusetzen.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Spielberg
Format:Gebundene Ausgabe
Seite 279 über "das Abendland":

"Sie eroberten unsere Länder, und wir wurden ihre Knechte. Sie beuteten uns aus, zerstörten unsere Kulturen, unsere Umwelt, und wir leckten ihnen die Füße. Sie produzierten chemische und biologische Waffen, und wir sind stolz, in den Besitz dieser Waffen zu gelangen, damit wir uns gegenseitig massakrieren. Sie holen unsere Kinder, um sie zu adoptieren, sie sexuell zu missbrauchen. Sie verbreiten pornographische Fotos dieser Kinder, um die animalischen Gelüste greiser Männer zu befriedigen. Sie reißen den Habenichtsen die Leiber auf, um frische, gesunde, billige Organe zur Transplantation herauszuholen. Und sie besitzen immer noch die Dreistigkeit, uns ihre Moral zu predigen, die Achtung der Menschenrechte, die Achtung vor der Würde des Menschen anzumahnen - eine Scheinheiligkeit, eine verlogene Moral."

Ja, das will das Netzwerk, dem Bahman Nirumand angehört, hören.

Aber bei der folgenden im Buch vorangehenden Passage wird man doch etwas stutzig:

"Wer sagt denn, dass man im Leben unbedingt ein Ziel haben und dieses Ziel durch Leistung erreichen muss? Diese Frage haben die europäische Kultur- und Geistesgeschichte längst als unzulässig erklärt. Alles Bestehende sei unzulänglich, minderwertig, dürftig, primitiv, es ist, um mit Goethe zu sprechen, wert, dass es zugrunde geht. Die Menschen seien dazu berufen, die Welt zu verändern."

Aus dem Gedanken, die marxsche Feuerbachthese gehöre zu den Grundprinzipien abendländischen Denkens, hätte ja etwas werden können - nur merkt das der Autor selber gar nicht; was bei einem "nicht angepassten Mitglied der Studentenbewegung" auch nicht überrascht.

Aber bevor er "mit Goethe spricht", sollte er den Faust, den er schon auswendig gelernt hatte, bevor er richtig deutsch verstand, vielleicht doch noch einmal lesen. Denn dort ist es Mephisto, der auf die Frage Fausts nach Mephistos "Rätselwort" "Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft" antwortet:

"Ich bin der Geist, der stets verneint,
Und das mit Recht, denn alles, was entsteht,
Ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wär's, daß nichts entstünde,
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element."

Das Netzwerk wird's verschmerzen; aber für die andern ist dieses Buch Zeitvergeudung.
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