Dieser Roman ist stellenweise so witzig, daß ich laut auflachen mußte! Und dann gibt es Stellen, in denen es buchstäblich todernst wird. Thema des Romans ist das Leben (und Sterben) einer Patchwork-Familie aus dem Mittelstand, in einer idyllischen Vorstadt-Siedlung. Das klingt erst einmal eher langweilig. Die Art und Weise, wie DeLillo schreibt, ist allerdings so erfrischend und seine Einfälle sind so originell, daß die 446 Seiten wie im Flug vergehen.
Die Hauptfigur Jack Gladney ist ein Fachmann für Nazi-Deutschland an einem US-College. Eine tatsächliche Ahnung von diesem Gebiet hat er allerdings nicht und so kommt er in große Verlegenheit, als eine Expertentagung zu diesem Thema stattfindet, bei der er seine Kenntnisse demonstrieren soll. Auf den letzten Drücker versucht sich Gladney Deutsch beibringen zu lassen. Diese Deutsch-Nachhilfestunden sind die lustigsten Momente des Romans!
Ein Unfall in einem Chemiewerk sorgt für weitere Aufregung. Im wesentlichen geht es in Weisses Rauschen" allerdings um das alltägliche, friedliche Kleinstadtleben in den USA, in dem Einkaufen, Arbeiten und Fernsehen die Tage dominieren und Seitensprünge die aufregensten Momente sind. Don DeLillo bringt in dieser Gesellschaftssatire das Dilemma einer Wohlstandsgesellschaft sehr präzise auf den Punkt. Zum einen ist man dankbar für die materiellen Segnungen und das Leben in Frieden und Sicherheit. Zum anderen entbehrt dieses durchorganisierte Leben aber auch wahre Leidenschaft, tiefe Freude und echte Erfüllung.
Chuck Palahniuks Satiren behandeln das gleiche Thema und gehen dabei noch tiefer, wühlen allerdings so tief im Dreck, das es beim Leser braun abzufärben droht. Don Delillo kritisiert das kleinbürgerliche Leben, will aber auch nicht die Revolution.