Zum Inhalt der Serie: In sechs Folgen wird die Liebesgeschichte zwischen Julia, Tochter einer dissidentischen Liedermacherin, und Martin, Volkspolizist und Sohn eines Stasi-Offiziers, zu Beginn der 80er Jahre in Ost-Berlin erzählt.
Die Serie lief erst jüngst im Fernsehen, und ich bin eher zufällig darauf aufmerksam geworden. Bevor ich die erste Folge gesehen habe, dachte ich noch, es ginge tatsächlich mehr um den Konflikt von jungen Menschen mit dem System der DDR. Dabei hatte ich - ich kann nicht einmal sagen, warum - die Erwartung, dass dieses mit dokumentarischem Material unterlegt würde, das war nun eindeutig nicht der Fall. Denn anders als ich erwartet hatte, ist diese Serie durch und durch Unterhaltung. Die Hauptpersonen, die hier aufeinander treffen, sind derart überspitzt dargestellt, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit politischen Hintergründen nur sehr oberflächlich stattfindet und dies eigentlich nur der Dramaturgie geschuldet ist. Denn tatsächlich könnte man die Liebesgeschichte zwischen Julia und Martin an jedem anderen Ort und zu jeder anderen Zeit genauso stattfinden lassen, wenn man um die beiden herum jeweils eine Familie konstruiert, die der jeweils anderen nicht geheuer ist.
Um wirklich realistisch sein zu können, gibt es in dieser Serie auch für meinen Geschmack der Zufälle zuviel: Die Mutter von Julia ist eine - sehr gute - alte Bekannte des Vaters von Martin, der Stasi-Offizier, der Julia verhört, ist zufällig der Bruder von Martin und und und ...
Das klingt jetzt vielleicht alles ein bisschen negativ, aber an meiner Sterne-Bewertung kann man schon erkennen: Die Serie fand ich dennoch wirklich gut und die Anspielungen auf damalige politische Verhältnisse und die zumindest angedeuteten Konflikte finde ich gut und richtig.
Die Schauspieler, allen voran - meiner Meinung nach - Florian Lukas und Katrin Saß, die auch bereits beide in dem Film "Good Bye, Lenin!" zusammen agiert haben, machen ihre Sache gut (vor allem die Singstimme von Katrin Saß, die in dieser Serie eine Liedermacherin und Sängerin spielt, gefällt mir sehr).
Auch die Ausstattung (Kleidung, Möbel etc.) ist gelungen und trägt sicher auch zum Erfolg der Serie bei.
Bonusmaterial gibt es auf den beiden DVD keines, es liegt lediglich ein kleines Heftchen bei, in dem die Schauspieler ihre Rollen aus ihrer Sicht beschreiben, und das ein paar Anmerkungen zu den Filmkulissen enthält. Ein bisschen dürftig also. Aber mir ging es ja auch um die Serie selbst, da ich nicht alle Folgen im Fernsehen sehen konnte.
Ganz bestimmt eine der besseren deutschen Unterhaltungsserien der letzten Zeit.