Leider muss man zunächst auch an diesem Band Kritik üben. Auch hier gibt es wieder kein Inhaltsverzeichnis. Bei der Kürze des Bandes ist dies eher zu verschmerzen als bei anderen Kindle-Ausgaben, aber störend ist es dennoch. Außerdem tragen die Gedichte keine Titel, was die Lesbarkeit nicht erleichtert. Formal ist dieser Band keine Offenbarung.
Wilhelm Busch ist aber als Dichter eine Art Revolutionär der deutschen Lyrik, insofern, als er ihr sozusagen Humor einhaucht, der mit einer tiefgreifenden Humanität und psychologischen Einsicht gekoppelt ist. Das Geld mag er mit seinen moralistisch erscheinenden Bildergeschichten verdient haben, das Wesen des Dichters aber offenbart sich eher in seiner feinsinnigen Lyrik.
Busch verfügt über eine psychologische Menschenkenntnis, die sich bisweilen erst bei näherem Hinsehen offenbart.
In dieser Sammlung sind einige Highlights der Busch'schen Dichtung enthalten, wie z. B. die "Selbstkritik" oder die folgende typische Betrachtung über die Tugend: "Ach der Tugend schöne Werke / Gerne möcht ich sie erwischen / Doch ich merke, doch ich merke / Immer kommt mir was dazwischen."
Busch ist der ewige Satiriker der Bigotterie und allzu menschlichen Schwächen, Doppeldeutigkeiten und Unzulänglichkeiten: "Da lob ich mir die Höflichkeit / Das zierliche Betrügen / Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid und allen macht's Vergnügen."
Fast jedes Gedicht eine Weisheit oder kluge Beobachtung und Erkenntnis, das ist typisch für die Lyrik Wilhelm Buschs, und das lässt sich bei allen formalen Unzulänglichkeiten auch an dieser Sammlung nachvollziehen.